Handballsport

Wie Daniel Eggert das US-Nationalteam nach Nordschleswig holt

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Daniel Eggert (m.) mit Simon Neumaier (l.) und Zachary Greenstein in den Broacker Hallen, wo das Zentrum des Trainingslagers ist.

Das US-Handball-Nationalteam der Männer trainiert im Grenzland. Dafür verantwortlich ist der Sonderburger Daniel Eggert, der seit zwei Monaten Co-Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft ist. Ein Besuch in den Broacker Hallen, wo zwei junge Handballspieler und der zweite Trainer erzählen, wie sie ihr Trainingslager auf dem Land erleben.

Daniel Eggert ist Sonderburger, ehemaliger Profi-Handballspieler und seit Kurzem Co-Trainer der US-amerikanischen Handballnationalmannschaft. Aktuell organisiert er ein Trainingslager des US-Teams in Broacker und Süddänemark. 

Wie es dazu kam? Kontakte und Einsatzbereitschaft. Am Rande eines Trainings in den Broager Hallen verrät der 37-Jährige mehr. „2018 nahm ich an einem Turnier in den USA teil. Ich hatte nie von Handball in den USA gehört, aber es klang spannend“, erzählt Daniel Eggert über seinen ersten Kontakt in die USA. 

Damals spielte er als Profi beim deutschen Zweitligisten TSV Bayer Dormagen. Der Trainer des US-Teams, der seine Ausbildung ebenfalls in Dormagen gemacht hatte, suchte einen Linkshänder für ein Turnier in South Carolina. Nach einer Anfrage bei Eggert verlängerte dieser spontan seine Saison, um das Team in den USA zu unterstützen.

Die Handballer wohnen im Landheim Schelde

Die US-Nationalhandballer und einige Nachwuchsspieler der U21 trainieren in den Broager Hallen. Sie wollen sich etwas von der schnellen und interaktiven Spielweise der Dänen aneignen.

Während dieses Aufenthalts lernte er nicht nur Spieler und Trainer kennen, sondern half auch dabei, die Nationalmannschaft aufzubauen, indem er Trainingslager in Deutschland und später in Dänemark initiierte. Aus Spaß und Interesse engagierte er sich weiter. Holte Spieler aus den USA nach Deutschland in die zweite Liga und wurde so Teil des Teams. Das gemeinsame Ziel: den US-Handball auf ein höheres Niveau bringen und eine nachhaltige Entwicklungsstruktur schaffen.

Die Finanzen des US-Handballverbandes sind überschaubar. Statt in einem Hotel in der Stadt ist das US-Team im Landheim Schelde (Skelde) einquartiert. „Handball ist in den USA eine Randsportart, und das macht sich auch in den Finanzen bemerkbar. Viel Geld ist in den USA mit Handball bisher nicht zu verdienen.“ 

Seine Karriere beendete Eggert als 35-Jähriger beim US-Team San Francisco Cal Heat. Heute lebt er mit seiner Familie in Sonderburg (Sønderborg), wo er als Vermögens- und Rentenberater arbeitet und nebenberuflich die US-Nationalmannschaft coacht. Die Kinder der Familie Eggert besuchen die Deutsche Schule Sonderburg, Daniel Eggert sitzt im Schulvorstand. „Mein Vater ist in Berlin geboren und in Dänemark aufgewachsen“, erzählt Eggert.

US-Klubs kennen keine Liga-Struktur

Die Trainingseinheiten finden in den Broacker Hallen statt, für Freundschaftsspiele fuhren die Handballer nach Ripen, Give und Kolding.

Oft in die USA reisen muss Eggert nicht: „Die meisten US-Spieler müssen in Europa spielen, um professionell zu trainieren und davon leben zu können“, erläutert er. Die US-Mannschaft trainiert deshalb bevorzugt in Europa, darunter auch in Süddänemark. Das Trainingslager in Broacker dient als Vorbereitung für internationale Turniere und ermöglicht es den Spielern, sich an das hohe spielerische Niveau in Europa zu gewöhnen.

Bei der vergangenen WM belegte das Team aus den USA Platz 26 – und Titelverteidiger Dänemark wurde Weltmeister. Das große Ziel des US-Teams: eine erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028.

Eggert hebt hervor, dass die amerikanisch Liga ganz anders organisiert ist als in Europa: „In den USA gibt es keine klassische Liga, sondern Turniere, bei denen Teams Punkte sammeln. In Europa sind die Strukturen viel professioneller, besonders in Dänemark, wo Handball technisch auf hohem Niveau gespielt wird. Das dänische Spiel ist unglaublich schnell und variantenreich.“

Eine Spielweise, die sich junge Handballer wie Simon Neumaier und Zachary Greenstein zu eigen machen wollen. Beide sind Teil des 22-köpfigen US-Teams, das aktuell in Nordschleswig trainiert. 

Niemand kann allein erfolgreich sein, auch wenn individuelle Klasse dazugehört. Das Zusammenspiel im Team macht den Sport besonders, trotzdem sind individuell herausragende Spieler wichtig.

Simon Neumaier

Simon Neumaier spielt Handball bereits auf hohem Niveau, Ziel des Abiturienten ist es, bald davon als Profi leben zu können. Der 18‑Jährige stammt aus Deutschland und ist zugleich Teil der US-amerikanischen U‑21‑Nationalmannschaft.

„Ich habe in der Jugend-Bundesliga für Frisch Auf Göppingen gespielt“, erzählt Neumaier. „Inzwischen bin ich bei Jano Filder, einer Nachwuchsakademie in der Nähe von Stuttgart. Der Verein wurde 2018 gegründet und erreichte im vergangenen Jahr den zweiten Platz bei der deutschen U19-Meisterschaft.“

„Irgendwie sind alle hier extrem offen und freundlich“

Neumaier hat sowohl deutsche als auch US-amerikanische Wurzeln. „Über meine Großmutter habe ich die amerikanische Staatsangehörigkeit“, erklärt er. „Ich lebe aber mein ganzes Leben in Deutschland.“

Was ihn am Handball fasziniert? „Die Gemeinschaft. Niemand kann allein erfolgreich sein, auch wenn individuelle Klasse dazugehört. Das Zusammenspiel im Team macht den Sport besonders, trotzdem sind individuell herausragende Spieler wichtig.“

Der erste Aufenthalt in Sonderburg hinterlässt Eindruck: „Ich wusste vorher nicht, dass es hier eine deutsche Minderheit gibt. Es gefällt mir super gut hier. Irgendwie sind alle extrem offen und freundlich – das gefällt mir sehr.“

US-Amerikaner Zachary spielt in den Niederlanden

Junge Spieler wie der 18-jährige Simon Neumaier profitieren von dieser Zusammenarbeit zwischen Daniel Eggert und dem US-Team.

US-Amerikaner Zachary Greenstein ist 22 Jahre alt und aktuell in den Niederlanden aktiv. Der 22-Jährige beschreibt den dänischen Handballstil als schnell und kraftvoll. 

Der gebürtige Amerikaner begann vor drei Jahren an der Universität Pittsburgh in Pennsylvania mit dem Handballspielen. Danach wechselte er in die nationale Senioren‑Liga und spielt inzwischen in den Niederlanden beim Verein HV/Kras Volendam.

Über den dänischen Handball sagt Linkshänder Greenstein: „Die Dänen gehören eindeutig zu den besten Teams der Welt – viermal Weltmeister. Spieler wie Gidsel sind beeindruckend.“

„Ich komme ursprünglich vom Ringen, daher liegt mir die deutsche und dänische Spielweise – dynamisch und intensiv – mehr als der langsamere, seitliche spanische Stil. Besonders beeindruckt mich die Trainingsintensität in Dänemark. Sie ist höher als überall sonst, wo ich bisher war.“

Für ihn und seinen Kollegen Simon ist klar: „Wir versuchen, eine Verbindung zwischen USA Handball und Sonderburg aufzubauen. Es wäre großartig, wenn wir zurückkehren könnten – alle hier sind wirklich außergewöhnlich nett.“

Zachary Greenstein ist Linkshänder und findet: „Die Dänen gehören eindeutig zu den besten Teams der Welt.“