Stadtplanung

Trotz Kritik und fehlendem Interesse: An der Sundgade sollen Wohnungen gebaut werden

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So sieht der Projektvorschlag der Architekten von „Tegnestuen Vandkunsten“ aus.

Der Sonderburger Mogens Jensen warnt den neuen Stadtrat, das historische Hafenmilieu Sonderburgs zu zerstören – aus finanziellen Gründen. Er wünscht sich einen Hafenbereich ohne Wohngebäude. Das ist laut der Ausschussvorsitzenden Kirsten Bachmann (SP) aber keine Lösung.

Alte Fotos von Sonderburg erinnern noch an eine lukrative Einnahmequelle: Die mehr oder weniger vollbeladenen Fischkutter wurden auf dem Kai der Sundgade mithilfe eines hohen Krans entladen. Anschließend brachten die großen Fischlaster den frischen Fisch zu dänischen Fischauktionen. Die Kutter lagen in einer langen Reihe für ein paar Ruhestunden an der Kante vertäut. Idyllisch, aber das war einmal.

Kein Investor hat sich gemeldet

Jetzt soll der Sundgade-Bereich in einen Wohnbereich mit relativ wenigen Wohneinheiten verwandelt werden. Der Plan „Entwicklung der Sundgade“ wurde im April 2023 von den Politikern verabschiedet. 

Seitdem ist aber nicht viel passiert, und es hat sich kein einziger Investor für eines der am attraktivsten platzierten Neubauprojekte gemeldet.

Nun muss der neue Stadtrat die vorliegenden Pläne für den alten Stadtteil Sonderburgs auf der Festlandseite neu durchdenken. 

Ein Foto von anno dazumal: Ganz viele Fischkutter lagen einst an der Sundgade vertäut

Kritik: Schon genug Hochhäuser gebaut

Das hat den Sonderburger Mogens Jensen an die Tasten geholt: Er hat Angst, dass der neue Stadtrat das Problem mit mehr Wohneinheiten „auf die schlimmste Art und Weise lösen wird“, nämlich mit Hochhäusern. Diese seien vielleicht ein Plus für die Kommunenkasse. „Aber allen anderen, unseren Nachfahren und nicht zuletzt einem Merkmal der Stadt, dem historischen Hafenmilieu, schaden sie“, so Mogens Jensen in einem Leserbrief in „JydskeVestkysten“.

In Sonderburg wurden im nördlichen Bereich der alten Christian-X.-Brücke bis Verdens Ende schon genug neue, hohe und schöne Gebäude errichtet, meint Mogens Jensen. Er schlägt vor, dass an der Sundgade der Wohnbereich gestrichen wird.

Der Bebauungsprozent liegt normalerweise bei 70 und 80. Im Augenblick gehen die vorliegenden Pläne von 50 aus. Wir können nicht weiter runter gehen. Es muss sich auch rentieren können. Oder die Wohnungen würden sehr teuer werden.

Kirsten Bachmann

„Ich schlage vor, dass wir den offenen rekreativen Kaibereich an der Sundgade bewahren. Das würde den Bürgerinnen und Bürgern und den Gästen in der Kommune zugutekommen“, schreibt er.

Bisher nicht auf der Tagesordnung

Stadtratsmitglied und Ausschussvorsitzende für Stadtentwicklung, Landdistrikte und Infrastruktur, Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei), findet auch, dass an der Sundgade bald etwas passieren müsste. 

„Aber es hat noch niemand ’angebissen’, und wir arbeiten weiter mit der Sache.“ 

Dass allerdings an einer der attraktivsten Platzierungen in Sonderburg keine Wohnanlagen liegen sollten, ist für sie keine Lösung. 

„Das Bebauungsprozent liegt normalerweise bei 70 und 80. Im Augenblick gehen die vorliegenden Pläne von 50 aus. Wir können nicht weiter runtergehen. Es muss sich auch rentieren können. Oder die Wohnungen würden sehr teuer werden“, sagt die Politikerin. 

Die Tagesordnung für die erste diesjährige Ausschusssitzung am 3. Februar liegt noch nicht vor. Die Vorsitzende rechnet nicht damit, dass Sundgade als Erstes auf den Tisch kommt. Es gebe andere Dinge, die höher priorisiert werden müssten – zum Beispiel die Sonderburger Hafenpromenade, Fahrradwege oder auch eine neue Adresse für die Fischer, so Bachmann.

Sundgade-Bereich hat Millionen gekostet

Um den letzten Teil des Sonderburger Hafens nach den Wünschen der Kommune gestalten zu können, hat die Sonderburger Kommune 2019 dem Unternehmer Niels Fjord Isaksen 6,2 Millionen Kronen für die Übernahme des Hafengebiets gezahlt. Der Abriss von „Brag Søsport og Fiskeriartikler“ hat die Kommune 1,3 Millionen Kronen gekostet.

Die letzten wenigen Fischer der Sundgade mussten ihre Räumlichkeiten im vergangenen Jahr verlassen. Sie haben bislang nicht, wie ursprünglich vereinbart, eine neue Adresse angewiesen bekommen.

Am Kai der Sundgade liegen nur ein paar Segler und das Schiff der Marineheimwehr