Nachruf

Solveig Enoch: Nordschleswigs Zirkuskönigin ist tot

Veröffentlicht Geändert
Aufgenommen 1992: Solveig Enoch ist hier in der Elefantennummer mit Jenny und Piccolo zu sehen. Es ist ihr letzter Auftritt als Artistin in der Manege. Bis 2016 übernimmt sie anschließend die Aufgaben als Kiosk- und Kassenleiterin vom Zirkus.

Sie steht im Rampenlicht – und hält hinter den Kulissen Nordschleswigs Zirkus am Laufen. Solveig Enoch ist jahrzehntelang das Herz von Cirkus Dannebrog. Als gefeierte Rad-Artistin tourt sie mit ihrem Mann Haddy erst durch den Orient, dann um die ganze Welt. Jetzt ist die Zirkuskönigin aus Mölby mit 88 Jahren in Sommerstedt gestorben.

Die Geschichte beginnt in Kopenhagen, in einer Familie mit 21 Kindern, nur 8 überleben. Solveig ist gerade 13, als sie das erste Mal Zirkusluft schnuppert, erst als Nachwuchsartistin, später als Bühnenpartnerin des jungen Haddy Enoch, der aus einer 300 Jahre alten Zirkusdynastie stammt. 

Früh im Sattel, früh im Leben

Die beiden verlieben sich, heiraten 1955 mit königlicher Erlaubnis, da Solveig noch minderjährig ist – und werden schließlich Eltern von vier Kindern. Mit 23 Jahren ist die junge Solveig dreifache Mutter.

Was folgt, ist ein Leben auf dem Hochrad. Die ganze Welt wird ihre Bühne: Auftritte in Asien, Afrika, Europa. „Als Duo auf dem Hochrad begeistern meine Eltern das Publikum auf der ganzen Welt und schließlich auch in einer eigenen Fernsehsendung in Dänemark“, erzählt Tochter Agnete Louise Enoch.

„Wiedergeburt“ in Mölby

Die Rückkehr nach Dänemark wird zum Neustart: 1977 haucht das Paar in Mölby bei Sommerstedt (Sommersted) dem traditionsreichen Familienzirkus Cirkus Dannebrog neues Leben ein: „Sie haben jahrelang dafür gespart“, sagt die Tochter stolz. 

Die Zirkusrenaissance aus eigener Kraft ist wohl eines der größten Kunststücke des Paares. Solveig fährt nicht nur Rad, sie ist das organisatorische Rückgrat des Familienunternehmens. 

Ihre aktive Karriere in der Manege endet 1992 – da stehen Jenny und Piccolo, zwei Indische Elefanten, an ihrer Seite. Zugleich ist sie das freundliche Gesicht am Einlass – und am Ende der Vorstellung die gefeierte Zirkuskönigin. 

Die Zirkuskönigin nimmt Abschied

Danach zieht sie sich aus dem aktiven Showbetrieb zurück. Tochter Agnete beschreibt sie als ruhenden Pol – jemand, der durchhält, auch in schwierigen Zeiten. Selbst als sie Jahre später ins Sommerstedter Pflegeheim zieht, verliert sie ihren Humor nicht. In ihren letzten Tagen singen Kinder und Enkel für sie, halten ihre Hand. Am 28. Januar stirbt sie friedlich im Pflegeheim, umgeben von ihren Töchtern Isabella und Agnete. 

Der letzte Applaus

Solveig Enoch steht für eine Generation von Zirkusfrauen, deren Namen selten groß auf Plakaten stehen, doch deren Arbeit unentbehrlich ist – als Artistin, Unternehmerin, Mutter, Partnerin. Cirkus Dannebrog in Nordschleswig packt 2016 sein Zelt zusammen, ein allerletztes Mal.

Was bleibt, wenn das Licht ausgeht? Bei Solveig Enoch: ein Kapitel nordschleswigscher Zirkusgeschichte. Und eine Familie, die ihr Andenken in Ehren hält, sagt Agnete Enoch: „Unsere Mama lebt in unserer Erinnerung weiter. Die Lichter sind aus – der Applaus bleibt.“