Analyse

So gut funktioniert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf lokaler Ebene

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Dänisch-deutsch
Dänisch-deutsche Zusammenarbeit funktioniert bereits gut – doch es gibt Barrieren und Herausforderungen.

Eine neue Analyse zeigt, wie verschiedene Organisationen über die Grenze hinweg zusammenarbeiten. Dabei wird deutlich, dass die bestehenden Kooperationen Früchte tragen, es aber auch Barrieren und Herausforderungen gibt, weshalb viele Akteurinnen und Akteure nicht oder nicht mehr zusammenarbeiten. Ein Faktor ist zusätzlich entscheidend.

Grenznahe Vereine blicken häufig über die deutsch-dänische Grenze hinweg und sehen die Zusammenarbeit zumeist positiv. Das ist das Ergebnis einer Umfrage über den Stand der Zusammenarbeit mit Deutschland auf lokaler Ebene, die die Region Süddänemark in dieser Woche veröffentlicht hat.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu dienen, Hindernisse aufzuzeigen und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Diese sollen dann als Basis für Initiativen und Empfehlungen für Vereine und andere Akteurinnen und Akteure dienen, die bereits grenzüberschreitend arbeiten oder dies in Zukunft wollen.

Für die Analyse hat die Region Süddänemark 1.511 Interessengruppen auf beiden Seiten der Grenze (716 dänische, 795 deutsche) gefragt, was ihrer Meinung nach hilfreich ist – und was hinderlich sein kann –, wenn dänische und deutsche Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Organisationen über die Grenze hinweg zusammenarbeiten wollen. 

Die Kernergebnisse:

Viele Kultur- und Sportvereine haben teilgenommen

Zu den Befragten gehören unter anderem Kulturvereine (DK: 28 Prozent, D: 38 Prozent), Sportvereine (DK: 27 Prozent, D: 31 Prozent) sowie der Ausbildungsbereich (DK: 25 Prozent, D: 36 Prozent) und öffentliche Verwaltungen auf beiden Seiten der Grenze.

Neben der Region Süddänemark ist auch die Region Sjælland beteiligt und auf deutscher Seite die Städte Flensburg, Kiel, Neumünster und Lübeck sowie die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Plön, Rendsburg-Eckernförde und Ostholstein.

Dabei wird deutlich, dass die grenznahen Kommunen häufiger grenzüberschreitend arbeiten. 39 Prozent der befragten Organisationen in den Kommunen Sonderburg (Sønderborg), Tondern (Tønder) und Apenrade tun dies. In Flensburg und den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sind es 35 Prozent. Auch am Fehmarnbelt ist die Zusammenarbeit etwas höher als in den anderen Regionen (D: 22 Prozent, DK: 23 Prozent).

„Ich bin sehr froh, dass wir mit der Analyse eine Grundlage erhalten, um einen Schritt weiter in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Bevölkerung zu kommen“, sagt Jens Wistoft (Venstre), Vorsitzender des Sonderbeirats für deutsch-dänische Zusammenarbeit der Region Süddänemark. Das Thema der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liege ihm am Herzen.

Engagement Einzelner entscheidend

„Mit der Analyse wird deutlicher, dass es die vielen engagierten Menschen auf beiden Seiten der Grenze sind, die die Entwicklung vorantreiben. Wir müssen sie unterstützen und so sicherstellen, dass es mehr von ihnen werden und sie länger mit Begeisterung dabei bleiben“, so Wistoft.

Denn tatsächlich zeigt die Analyse, dass großes Interesse an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen den Menschen besteht und diese Zusammenarbeit in hohem Maße von persönlichen Beziehungen und Interessen getragen wird. 

Gleichzeitig zeigt die Analyse auch, dass Kooperationen oft enden, wenn die Enthusiastinnen und Enthusiasten, die für die Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung waren, nicht mehr dazu beitragen wollen oder können.

Fast sieben von zehn Befragten (69 Prozent) sind in hohem Maße auf das Engagement von Freiwilligen angewiesen. Dieses Muster gilt sowohl auf dänischer als auch auf deutscher Seite.

Mehr deutsche Organisationen wollen Zusammenarbeit

Ein Fünftel (20 Prozent) derjenigen, die derzeit keine grenzüberschreitende Zusammenarbeit haben, würde gerne damit beginnen. Hier gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Dänemark und Deutschland, wo dies für 16 Prozent der dänischen Organisationen und 25 Prozent der deutschen gilt.

Entsprechend gibt es nur 6 Prozent der deutschen Organisationen, die nicht kooperieren und auch nicht kooperieren möchten. Auf dänischer Seite sind es 22 Prozent. Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an persönlichen Beziehungen oder Kenntnissen über Organisationen auf der anderen Seite der Grenze. Auf deutscher Seite werden darüber hinaus eine Reihe praktischer Herausforderungen als Gründe für das mangelnde Interesse genannt. Deutsche Organisationen geben deutlich häufiger als dänische an, dass die große Entfernung zu den Kooperationspartnern, der Mangel an finanziellen Ressourcen, begrenzte Kenntnisse über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und wenige verfügbare Förderprogramme entscheidende Gründe dafür sind, dass sie keine grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingehen möchten.

Zusammenarbeit soll stärker gefördert werden

Die Analyse soll dazu beitragen, die bereits bestehenden Gemeinschaften zu stärken und gleichzeitig Anreize für die Entstehung neuer und langjähriger Gemeinschaften zu schaffen.

Die Analyse ist Teil des von Interreg geförderten Projekts „NETE“, das am 10. Dezember 2025 eine Netzwerkkonferenz im Folkehjem in Aabenraa veranstaltete. An dieser nahmen Vereine und Organisationen von beiden Seiten der Grenze teil, um die Ergebnisse der Analyse zu diskutieren.

Die gesamte Analyse ist hier nachzulesen