Deutsche Minderheit

So feiern Kinder deutsche und dänische Adventstraditionen

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Der Besuch des Weihnachtsmanns gehört bei vielen Adventsfeiern dazu. Auch in Gravenstein lebte diese Tradition auf, die im 4. Jahrhundert mit dem Bischof in Myra in Lykien, einem damals griechischsprachigen Teil des Römischen Reiches im Gebiet der heutigen Türkei, begann.

Eine Adventskerze, rote Wichtel und selbstgebastelte Adventskalender: In der Vorweihnachtszeit mischen sich deutsche und dänische Traditionen im Kerzenschein. Im Deutschen Kindergarten Gravenstein zeigt die Adventsfeier: Hier ist Platz für beide Kulturen. Ein Einblick, woher diese Traditionen eigentlich stammen.

Der Deutsche Kindergarten Gravenstein (DKG) hat am Freitag seine Adventsfeier zwischen deutschen und dänischen Traditionen gefeiert. Zwischen Kekshaus, Wichtelstube und Kalenderlicht. „Wir nehmen uns das Beste aus beiden Kulturen heraus und zelebrieren das hier zusammen“, sagt Abteilungsleiterin Sarah Stolzke. 

Mit einem großen Adventsbüfett, dem Besuch des Weihnachtsmannes, einer Bastelstube für Weihnachtswichtel, Adventskalender-Produktion und Kekshaus-Stube spiegelten sich sowohl dänische als auch deutsche Traditionen wider. 

Ein Zuckerhaus basteln

Die Papierschnitt-Bastelstube des Kindergartens war während der Adventsfeier gut besucht.

Die Tradition, ein Zuckerhaus oder Lebkuchenhaus zu basteln, entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Deutschland aus der Vorstellung eines essbaren Hexenhäuschens, wie sie Märchen und Kinderliteratur beschreiben. 

Vor allem das Märchen „Hänsel und Gretel“ mit dem Haus aus Brot, Kuchen und Zucker prägte die Idee, kleine Häuser aus Lebkuchen und Zuckerdekor zu bauen, die sich anschließend als weihnachtlicher Brauch verbreiteten.

Ein Lebkuchenhaus aus Butterkeksen bezeichnen viele Rezepte als „Butterkekshäuschen“, „Butterkeks-Haus“, „Kekshäuschen“ oder „Hexenhaus aus Butterkeksen“.

Die fertig verzierten Butterkekshäuser der Kinder beim Trocknen

Ein Lebkuchenhaus entsteht aus gewürztem Lebkuchenteig mit Honig, Sirup, Kakao und typischen Lebkuchengewürzen wie Zimt und Nelke. Ein Butterkekshaus besteht dagegen aus fertigen Butterkeksen mit mildem Geschmack, die keinen eigenen Lebkuchenanteil haben.

Vom heiligen Nikolaus zum Weihnachtsmann

Kinder und Erwachsene klebten ihr Butterkekshaus aus einzelnen Keksen mit Zuckerguss zusammen und dekorierten es mit Süßigkeiten.

Auch der Besuch des Weihnachtsmannes stand in Gravenstein auf dem Nachmittagsprogramm. Mit Süßigkeitentüte und rotem Mantel machte er seinen Job. Ob es wohl der echte Weihnachtsmann sei, fragten sich zwei Kinder am Rande. Ihre Zweifel hatten sie, weil auf dem Parkplatz keine Rentiere, sondern nur Autos standen.

Die Tradition vom Weihnachtsmann als Gabenbringer geht auf den heiligen Nikolaus von Myra im Gebiet der heutigen Türkei zurück und entwickelte sich später vor allem in Europa und Nordamerika weiter.

Der Weihnachtsmann baut auf der Verehrung des Bischofs Nikolaus von Myra im 4. Jahrhundert auf, den viele Überlieferungen als großzügigen Wohltäter und Freund der Kinder beschreiben. Aus dem Brauch, dass Nikolaus am 6. Dezember heimlich Geschenke bringt, entwickelte sich allmählich die Figur eines allgemeinen Gabenbringers.

Der Besuch des Weihnachtsmanns gehört bei vielen Adventsfeiern dazu. Auch in Gravenstein lebte diese Tradition auf, die im 4. Jahrhundert mit dem Bischof in Myra in Lykien, einem damals griechischsprachigen Teil des Römischen Reiches im Gebiet der heutigen Türkei, begann.

Mit der Reformation verlagerten evangelische Regionen die Bescherung zunehmend vom Nikolaustag auf Weihnachten, zunächst mit dem „Christkind“ als neuer Gabenfigur. Im 19. Jahrhundert setzte sich parallel dazu der Weihnachtsmann als zunehmend weltliche Gestalt durch, die nun am 24. oder 25. Dezember kommt.

Ein Plagegeist als Weihnachtswichtel

Der Besuch des Weihnachtsmannes

Die Tradition der dänischen Julenisser entstand aus nordischen Volksglauben- und Sagenmotiven zu Hausgeistern und entwickelte sich um 1800 in Dänemark zu den heute bekannten Weihnachtswichteln weiter. 

Im Deutschen Kindergarten Gravenstein bleibt die Tradition lebendig: „Jedes Kind nimmt den Wichtel in seiner kleinen Box einmal mit nach Hause, wo er seine kleinen Streiche spielt. Die Eltern schreiben dazu eine kleine Geschichte und verraten, was der Wichtel bei ihnen angestellt hat“, sagt Erzieherin Lara Lehwald.

Die Figur Nisse geht auf alte nordische Erzählungen und Volksmärchen zurück, in denen kleine Hausgeister Haus und Hof bewachen und im Gegenzug Gaben wie Brei oder Grütze erwarten. 

Der Julenisse unterstützt in der dänischen Tradition den Weihnachtsmann, erwartet als Dank vor allem Milchreis oder Weihnachtsbrei und spielt Streiche, wenn niemand ihn gut versorgt. Im DKG nimmt jedes Kind in der Vorweihnachtszeit den Kindergartenwichtel einmal mit nach Hause.

In Dänemark entstand die Sage vom Nisse als kleinem Wichtel um 1800 aus diesen nordischen Überlieferungen; daraus entwickelten sich die Julenisser als feste Figuren der dänischen Vorweihnachtszeit. Nur in Dänemark verknüpfte sich der ursprüngliche Hof- und Hausgeist ausdrücklich mit Weihnachten und wurde als Julenisse Teil der Weihnachtsbräuche.

 

Der Adventskalender

In der Bastelstube des Kindergartens entstanden rote Weihnachtswichtel aus Papier.

Eine Station der Weihnachtsfeier war das Adventskalender-Basteln. An jedem Wochentag erhält eines der Kinder eine Adventskalender-Tüte. Alle vier Kindergartengruppen erhielten einen eigenen Tütenkalender, mit dem sie die Zeit bis zu den Weihnachtsferien markieren. 

„So erleben die Kinder die Vorfreude auf Weihnachten, das Abwarten, ganz bewusst“, sagt Abteilungsleiterin Sarah Stolzke. 

Die Tradition des Adventskalenders entstand im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen, vor allem protestantischen Raum, um Kindern die Wartezeit bis Weihnachten sichtbar zu machen.

Protestantische Familien markierten die Tage bis Weihnachten zunächst mit einfachen Formen wie Kreidestrichen an Türen, aufgehängten Bildern oder Kerzen, die Tag für Tag weniger wurden. Diese Zählhilfen gelten als direkte Vorläufer des Adventskalenders, der die verbleibenden Tage bis zum Fest kindgerecht veranschaulicht.

Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern führte 1839 im „Rauhen Haus“ in Hamburg ein großes Holzrad mit vielen Kerzen ein, das Kindern jeden Tag bis Weihnachten eine Kerze bot. Diese Kombination aus täglichem Zählen der Tage und religiöser Vorbereitung prägte sowohl den Adventskranz als auch das Prinzip des Adventskalenders.

Hier gehen keine Türchen, sondern Tütchen auf: Kindergartenleiterin Sarah Stolzke mit zwei selbstgebastelten Papiertüten, die im Adventskalender der Kindergartengruppen landen.

Um 1900 entstanden in Deutschland erste gedruckte Advents- oder Weihnachtskalender, bei denen Kinder Bilder ausschnitten oder hinter Feldern versteckten. Der Münchner Verleger Gerhard Lang und andere brachten kurz darauf Kalender mit 24 Feldern oder Türchen auf den Markt, aus denen sich der bis heute verbreitete Adventskalender mit Bildern, Texten oder Schokolade entwickelte.

Die Kalenderkerze

Der ehemalige Schulleiter der Förde-Schule, Volkmar Koch, verkaufte die Lose für die Tombola.

Die Kalenderkerze ist eine dänische Vorweihnachtstradition. Das Kalenderlys zündet man traditionell am 1. Dezember an und lässt die Kerze jeden Tag nur so weit brennen, bis die Zahl oder der Abschnitt des jeweiligen Datums kaum noch zu erkennen ist. 

Der fünfjährige William freut sich im Dezember am meisten auf eine typisch dänische Tradition: „Wir zünden jeden Tag die Kerze an.“ Mit „die Kerze“ meint er die dänische Kalenderkerze, bei der man jeden Tag eine Markierung abbrennt. „Wir zelebrieren das jeden Morgen, so kriegen wir ein Gefühl dafür, wie viele Tage es noch bis Weihnachten sind“, sagt Mutter Charlotte Kublick.

Die Kerze steht dabei in einem stabilen Halter auf einer nicht brennbaren Unterlage, in sicherem Abstand zu trockenen Zweigen und brennbaren Materialien, und jemand beaufsichtigt die Flamme, bis sie wieder erlischt.

Das dänische „Kalenderlys“ ist eine große Kerze mit 24 Markierungen, die von Familien vom 1. bis 24. Dezember täglich ein Stück abgebrannt wird und so die Tage bis Weihnachten sichtbar mitzählt.