Deutsche Minderheit

Sanierung zum halben Preis: Lunden setzt auf Eigenleistung statt Extras

Veröffentlicht Geändert
Bei der Einschulung 2025 begrüßten die Mädchen und Jungen ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler im Schulpark. Nun hoffen die Kinder, dass die Schule nicht geschlossen wird.

Die deutsche Schule und der Kindergarten in Lunden planen eine Sanierung, die sich strikt auf das Notwendige konzentriert. Das Konzept kündigt zwar Einschnitte beim Personal an, stellt aber gleichzeitig klar, dass die Einrichtung von stabilen Schülerzahlen ausgeht.

Ein bezahlbares Sanierungskonzept: Das hat ein Team der Deutschen Schule Lunden (DSL) und des Deutschen Kindergartens Lunden am Montagabend dem Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) und dem Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) präsentiert. Das 61-Seiten umfassende Konzept stellt die Zukunftsfähigkeit des Standorts in den Mittelpunkt und setzt auf Eigenleistung, um die Sanierungskosten auf ein vertretbares Maß zu senken. 

„Nice to have, aber das eilt nicht“

Kernaussage des Konzeptes: Die vom DSSV veranschlagten Renovierungskosten von über 5 Millionen Kronen sind in dieser Höhe nicht unbedingt notwendig. „Viele der aufgelisteten Verbesserungen sind nett zu haben, aber nicht notwendig. Wir brauchen beispielsweise keinen komplett neu gepflasterten Schulhof, nur weil einige Steine schief liegen“, sagt Schulleiterin Marion Petersen. 

Der DSSV hat für den neuen Belag des Schulhofs 450.000 Kronen berechnet. Auch die Erneuerung des Linoleumbodens soll laut DSSV durchgeführt werden, 650.000 Kronen sind dafür berechnet. „Nice to have, aber das eilt wirklich nicht, wir können mit dem Boden gut leben“, sagt Schulleiterin Marion Petersen. 

Der Erhalt der Einrichtungen in Lunden mache zwar eine umfassende Sanierung der Gebäude notwendig, aber bei den Kosten gehen die Berechnungen weit auseinander. „Die ursprüngliche Kostenschätzung vom Gutachter des DSSV liegt deutlich über dem tatsächlichen Bedarf“, sagt Petersen. Durch die gezielte Einbindung von Eigenleistungen bei Arbeiten wie Demontage, Entsorgung oder Vorbereitungen sowie durch den direkten Materialeinkauf konnten die Verantwortlichen bereits rund 630.000 Kronen einsparen. Spendenaktionen wie ein Lauf brachten zusätzliche 130.000 Kronen für Baumaterialien ein. 

Immer mehr Familien legen Wert auf Kindergärten und Schulen, in denen Vielfalt und Individualität aktiv gelebt werden und Kinder sich in kleinen, altersübergreifenden Lerngruppen gesehen und gehört fühlen.

Marion Petersen

2,5 Millionen statt 5,6 Millionen Kronen

Die DSL rechnet mit Kosten für alle notwendigen und nicht aufschiebbaren Arbeiten von rund 2,5 Millionen Kronen. Im Konzept sind die einzelnen 25 Posten detailliert veranschlagt und aufgelistet. Der DSSV veranschlagt für diese Projektliste rund 5,6 Millionen Kronen. 

Wichtige Maßnahmen sind die Schimmelbeseitigung und der Austausch der Dämmung im Dach, die Erneuerung der Fenster und Fugen, die Instandsetzung der Außenwände und die Installation moderner Lüftungstechnik. Die Verantwortlichen haben die Maßnahmen zeitlich gestaffelt und kalkuliert, um die Liquidität des Standorts zu schonen und auf verfügbare Fördermittel optimal zuzugreifen. Der Umbau der Schulfreizeitordnung ist mit 750.000 Kronen einer der größten Posten. 

Durch direkte Absprachen mit lokalen Handwerksbetrieben sowie der Nutzung von Förderprogrammen ergeben sich der DSL nach weitere Einsparpotenziale. 

Einige der aufgeführten Renovierungsarbeiten seien außerdem bereits erledigt, unterstreicht Marion Petersen. Aufgaben wie das Malern von Fenstern oder das Ausbessern des Schulhofs führten Engagierte aus der Elternschaft und der Gemeinschaft in Eigenregie durch. 

Für die Wartung der Fenster hat der DSSV 650.000 Kronen veranschlagt. Die DSL hingegen hat damit mithilfe der Elternschaft bereits begonnen und rechnet mit 50.000 Kronen an Materialkosten. 

Prognosen zeigen steigende Kinderzahlen

Zudem unterstreicht das Konzept: Prognosen zeigen stabile oder steigende Kinder- und Schülerzahlen, sodass die langfristige Tragfähigkeit des Standorts erhalten bleibt. Im aktuellen Schuljahr besuchen 19 Kinder den Kindergarten und 31 Kinder die Deutsche Schule Lunden. Beide Einrichtungen verzeichnen damit stabile Kinderzahlen und für das kommende Schuljahr liegen bereits Anmeldungen und somit eine Steigerung der Zahlen vor. 

Lunden will sich als Träger einer „Grünen Flagge“ bewusst für neue Ideen, Kooperationen und Events öffnen, um das Potenzial als „grüner“, bewegter Lern- und Veranstaltungsort weiter auszubauen und sichtbarer zu machen.

Kleine, bewegte, grüne und inklusive Orte der Gemeinschaft gewinnen zunehmend an Bedeutung, sagt Marion Petersen. „Immer mehr Familien legen Wert auf Kindergärten und Schulen, in denen Vielfalt und Individualität aktiv gelebt werden und Kinder sich in kleinen, altersübergreifenden Lerngruppen gesehen und gehört fühlen.“ 

„Hier lernen sie ohne Leistungsdruck im eigenen Tempo und profitieren von einem natur- und bewegungsorientierten Profil, das nachhaltige Werte und den notwendigen Ausgleich zu einer schnelllebigen Welt schafft.“

432.000 Kronen Einsparungen bei den Personalkosten

Die Deutsche Schule Lunden hat im November zum zweiten Mal in Folge die grüne Flagge erhalten. Das ist eine Auszeichnung des dänischen Freiluftrats für eine besonders grüne, nachhaltige und naturverbundene Schule.

Um auch künftig eine zukunftsorientierte deutschsprachige Alternative zu den stärker gefragten dänisch- und englischsprachigen Privatschulen und „Friskole“ zu bieten, versteht sich das Konzept in Lunden als Vorbild für andere kleine Einrichtungen des DSSV. Die Verantwortlichen teilen ihr Modell aktiv und bieten Unterstützung bei individueller Zusammenarbeit, nachhaltiger Konzeptentwicklung sowie praxisnaher Umsetzung.

Das Konzept sieht ab dem Schuljahr 2026/27 eine gezielte Reduzierung der Personalkosten vor. Geplant ist, eine Lehrkraft um 30 Prozent und eine weitere um 50 Prozent zu reduzieren, wodurch sich die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer auf rechnerisch 4,1 Vollzeitstellen verringert. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigt. 

Dadurch verbessert sich das Verhältnis von Schülerinnen und Schülern pro Lehrkraft. Die Einsparung beläuft sich allein im Haushaltsjahr 2026 auf etwa 180.000 Kronen und im Folgejahr auf etwa 432.000 Kronen. Diese Maßnahmen wirken sich direkt auf die laufenden Lohnkosten aus, ohne die Unterrichtsversorgung zu gefährden. Im Kindergartenbereich sind aufgrund der stabilen Kinderzahlen keine weiteren Einsparungen beim Personal vorgesehen, da bereits ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Teamgröße und Kinderzahl besteht.