Deutsche MInderheit

Regierung stärkt die Rechte der deutschen Minderheit

Veröffentlicht Geändert
Lars Løkke Rasmussen
Außenminister Lars Løkke Rasmussen: Minderheiten im Grenzland stärken

Sprache, Bildung, Kultur und Justiz: Was bedeuten Dänemark die Minderheiten in Nord- und Südschleswig? Jede Menge, so das jüngste Signal aus Kopenhagen. Ein Überblick über die elf neuen Maßnahmen im Rahmen der Sprachencharta.

Die dänische Regierung stärkt die Rechte der deutschen Minderheit und übernimmt elf zusätzliche Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Das teilt das Kulturministerium am Freitag mit.

Damit bekennt sie sich noch deutlicher zur deutschen Sprache, Kultur und Identität in Nordschleswig. Er freue sich, „dass Dänemark nun weitere Verpflichtungen im Rahmen der europäischen Sprachencharta übernimmt, um das dänisch‑deutsche Zusammenleben zu stärken“, so Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Moderate) in der Mitteilung.

Neue Verpflichtungen für die Minderheit

Mit der Entscheidung tritt Dänemark elf weiteren Bestimmungen der Sprachencharta des Europarates bei, die vor allem Schule, Verwaltung, Justiz, Beschilderung und Sicherheitsinformationen betreffen. 

Konkret bekennt sich der Staat nun unter anderem auch verpflichtend dazu, Vor‑ und Grundschulunterricht auf der betreffenden Minderheitensprache anzubieten, die Nutzung der Sprache vor Gerichten zu ermöglichen, zweisprachige amtliche Dokumente zuzulassen sowie traditionelle deutsche Ortsnamen offiziell zu verwenden.

Ebenso sollen Sicherheitsanweisungen und bestimmte wirtschaftliche und soziale Aktivitäten künftig auch auf Deutsch erfolgen, um den Alltag der Minderheit spürbar zu erleichtern.

Das Grenzland zeigt, dass verschiedene Sprachen und Kulturen friedlich Seite an Seite leben können.

Lars Løkke Rasmussen

In einer Mail an den „Nordschleswiger“ zeigt sich Harro Hallmann, Kommunikationschef der Dachorganisation der deutschen Minderheit, BDN, und Leiter des Sekretariats der deutschen Minderheit in Kopenhagen, hochzufrieden. „Wir haben über fünf Jahre lang mit der dänischen Regierung gerungen, und nun ist es endlich gelungen, neue Verpflichtungen im Rahmen der Sprachencharta zu übernehmen“, schreibt Hallmann.

Konkrete Auswirkungen noch nicht klar

Zwar seien es „nicht genau die Verpflichtungen, die wir ursprünglich eingefordert haben, aber es sind viele wichtige neue Punkte dabei, die die deutsche Sprache in Nordschleswig stärken“, so Hallmann weiter. „Ich bin darüber sehr froh und zufrieden“, betont er und sieht in dem Paket einen wichtigen Schritt für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Einrichtungen nördlich der Grenze.

Ob dadurch nun der Weg zum Beispiel zu mehrsprachigen Ortsschildern auch hierzulande geebnet ist, steht noch nicht fest. Doch die Regierung sendet ein deutliches Signal für die Anerkennung und Stärkung der deutschen Minderheit im Land.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass es in Dänemark gute Rahmenbedingungen für die deutsche Minderheit gibt, damit sie in Nordschleswig wohnen, arbeiten und leben und zugleich ihre kulturelle und nationale Zugehörigkeit bewahren kann“, teilt entsprechend Kulturminister Jakob Engel‑Schmidt (Moderate) mit. 

Jakob Engel-Schmidt (links), hier bei einem Treffen 2023 in Kopenhagen mit dem BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen.

Die deutsche Minderheit gehöre zu Dänemark, und der Staat sei verpflichtet, „ihr angemessene Bedingungen zu sichern – so wie die dänische Minderheit südlich der Grenze sie hat“.

Die elf neuen Punkte im Überblick

  1. Angebot von Vorschulunterricht auf regionalen oder Minderheitensprachen.
  2. Angebot von Grundschulunterricht auf regionalen oder Minderheitensprachen.
  3. Sicherstellung des Rechts von Angeklagten, ihre regionale oder Minderheitensprache vor Gericht zu benutzen.
  4. Erlaubnis für Verwaltungsbehörden, Dokumente in einer regionalen oder Minderheitensprache auszustellen.
  5. Zulassung und/oder Förderung der Veröffentlichung offizieller Dokumente regionaler Behörden auch in der Minderheitensprache.
  6. Zulassung und/oder Förderung der Veröffentlichung offizieller Dokumente lokaler Behörden auch in der Minderheitensprache.
  7. Zulassung und/oder Förderung der Verwendung von Minderheitensprachen in den Debatten regionaler Vertretungskörperschaften.
  8. Zulassung und/oder Förderung der Verwendung von Minderheitensprachen in den Debatten lokaler Vertretungskörperschaften.
  9. Zulassung oder Einführung traditioneller und korrekter Formen von Ortsnamen in der Minderheitensprache, gegebenenfalls neben der dänischen Form.
  10. Sicherstellung, dass Sicherheitsanweisungen auch in den Minderheitensprachen ausgearbeitet werden.
  11. Förderung der Verwendung von Minderheitensprachen in wirtschaftlichen und sozialen Sektoren, die direkt von der öffentlichen Hand reguliert werden.

Løkke: Grenzland als internationales Vorbild

Außenminister Lars Løkke Rasmussen hebt in schwierigen Zeiten die besondere Rolle des Grenzlandes und der deutschen Minderheit hervor. 

„Das Grenzland zeigt, dass verschiedene Sprachen und Kulturen friedlich Seite an Seite leben können, und die deutsche Minderheit spielt in Nordschleswig eine ganz besondere Rolle“, sagt Løkke. Auf seinen eigenen Besuchen habe er deutlich „das enge Miteinander und den lebendigen Kulturaustausch über die Grenze hinweg“ gespürt.