Deutsche Minderheit

Rainer Naujeck 70: Einen Rat der Schwiegermutter befolgt er heute noch

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Rainer Naujeck im Wintergarten seines Hauses in Ekensund

Seinen 70. Geburtstag feiert Rainer Naujeck am 2. November. Der pensionierte Lehrer, Familienvater und SP-Funktionär prägt seit Jahrzehnten das Leben der deutschen Minderheit im Fördekreis und darüber hinaus. Eine Lebensgeschichte zwischen Glücksburg, Heide und Ekensund.

Er blickt zurück auf ein bewegtes Leben: Als Lehrer, Familienvater von vier Kindern, langjähriges Mitglied und Vorsitzender der Schleswigschen Partei sowie überzeugtes Mitglied der deutschen Minderheit in Nordschleswig hat er viele Stationen durchlaufen. Nun wird Rainer Naujeck 70 Jahre alt. 

Rainer Naujeck wurde am 2. November 1955 in Flensburg geboren. „Ich bin ein Kind des Grenzlandes“, betont er. Seine Kindheit verbrachte er in Glücksburg (Lyksborg), wo er die Schule besuchte. 

An der Auguste-Victoria-Schule in Flensburg (Flensborg) bestand er das Abitur, leistete kurzzeitig Wehrdienst und engagierte sich schon früh in der Jugendarbeit bei der Deutschen Waldjugend. „Wir waren 80, 90 Leute als Jugendliche“, erinnert er sich an die Zeit als Kreisvorsitzender. Die pädagogische Arbeit habe ihn geprägt: „Dadurch ist mein Interesse an Biologie und Pädagogik entstanden."

Zehnkämpfer an der kleinen deutschen Dorfschule

Rainer Naujeck als etwa 19-Jähriger

Nach dem Studium entschied sich Naujeck für den Lehrerberuf mit dem Ziel Grund- und Hauptschule. „Ich hatte einen ganz tollen Heimatkunde-Lehrer, Herrn Feldt, der hat mir spannende Geschichten erzählt“, sagt Naujeck, der 1982 seine Frau Anne Marie heiratete. Nach Stationen in Heide und Müssen in Schleswig-Holstein zog das Ehepaar nach Nordschleswig: „Meine Frau stammt ja aus Apenrade, und wie das in Nordschleswig so ist: Wir riefen den Schulrat an, und einen Tag später hatte ich ein Vorstellungsgespräch", berichtet Naujeck.

1988 trat er seine erste Stelle an der deutschen Schule in Osterhoist (Øster Højst) an. „Zwei Lehrer, 17 Kinder – man wurde zum Zehnkämpfer“, blickt Naujeck auf die Anfangsjahre in Nordschleswig zurück. 

Die kleine Schule prägte ihn, doch schon nach fünf Jahren wechselte er an die Förde-Schule nach Gravenstein (Gråsten). Später arbeitete Naujeck als Konrektor an der Deutschen Privatschule Apenrade (Aabenraa) – eine Position, die er 17 Jahre bis zu seiner Pensionierung innehatte.

Auch privat war Naujeck von Kindern umgeben: „Wir haben vier Kinder, auf die wir sehr stolz sind", erzählt er. Die Zweisprachigkeit habe allen Kindern berufliche Vorteile gebracht. „Alle vier haben ausschließlich einen Vorteil von der Zweisprachigkeit gehabt, ganz deutlich.“

Anna Britta arbeitet als Lehrerin an der Deutschen Schule Hadersleben (Haderslev), Christin lebt in Kiel, Thore wohnt in Broacker (Broager), und Svenja lebt und arbeitet in Kopenhagen.

Die Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit entwickelte sich mit den Jahren. „Mein Schwiegervater saß als SP-Vertreter im Stadtrat, meine Schwiegermutter gab mir den Rat, an den wichtigsten Veranstaltungen der Minderheit teilzunehmen: dem Tag der deutschen Kindergärten und Schulen, dem Deutschen Tag in Tingleff sowie an der Sankelmark-Tagung. Daran habe ich mich bis heute gehalten.“ 

Das Ehepaar Naujeck heiratete 1982 kirchlich in Apenrade.

Warum er in der deutschen Minderheit zu Hause ist? „Ich denke, man muss seine Verankerung finden, gerade in einem fremden Land." Naujeck nahm später auch die dänische Staatsbürgerschaft an: „Ich wollte unbedingt dazugehören." 

Die Prüfungen und Formalitäten schildert er mit einem Augenzwinkern, ärgert sich aber bis heute über die Unterschrift der damaligen Innenministerin auf der Urkunde: Inger Støjberg, Verfechterin einer harten Asylpolitik und Gründerin der rechten Partei Dänemarkdemokraten.

Rainer Naujeck engagiert sich seit seiner Jugend ehrenamtlich. „Mein Vater war ähnlich engagiert, das habe ich wohl von zu Hause gelernt.“ Seine Motivation zieht er aus dem Gemeinschaftsgefühl und der Möglichkeit, sich einzubringen. 

Mit vier Kindern, jetzt auch drei Enkelkindern, ist ein Zusammenhalt da, das ist wichtig für mich.

Rainer Naujeck

Aktuell leitet Naujeck als Vorsitzender die Schleswigsche Partei in Nordschleswig, blickt aber am Ende seiner Amtszeit auf einen Generationswechsel: „Wenn man 70 Jahre ist, dann hat man auch das Recht, dazu zu sagen: Jetzt habe ich meins getan, jetzt dürfen Jüngere oder andere ran.“

„Auch Fehler gehören dazu“

Rainer Naujeck
Rainer Naujeck ist der Vorsitzende der Schleswigschen Partei in Nordschleswig, möchte den Vorsitz im Frühjahr 2026 aber abgeben.

Die kleine Gemeinschaft der Minderheit beschreibt er so: „Innerhalb der Minderheit zu leben, gesehen zu werden, anerkannt zu sein – ich denke, das ist für ein Leben sehr wertvoll."

Das Familienleben, die Gemeinschaft der Minderheit und die Natur sind Naujecks wichtigste Kraftquellen. „Mit vier Kindern, jetzt auch drei Enkelkindern, ist ein Zusammenhalt da, das ist wichtig für mich.“ Ruhe findet er heute vor allem im eigenen Garten.

Rainer Naujeck blickt auf sein Leben mit dem Rat an sein jüngeres Ich: „Mach weiter so – Ehrlichkeit bringt am meisten. Auch Fehler gehören dazu – wichtig ist, dazu zu stehen und daraus zu lernen.“

Gemeinsam mit der Schleswigschen Partei lädt der Bund Deutscher Nordschleswiger zum Geburtstagsempfang ein, der am 3. November um 15 Uhr in der Bildungsstätte Knivsberg beginnt.