Deutsch-Dänisch

Papier statt digital: Geschichte eines deutsch-dänischen Rezeptproblems

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Faxgerät
Das gute, alte Faxgerät kann sich als nützlich erweisen beim Austausch von Rezepten über die deutsch-dänische Grenze.

Frauke und Horst Werther aus Deutschland machen Urlaub in Nordschleswig. Nicht alles fand den Weg in die Koffer – ein wichtiges Medikament blieb zu Hause. Ersatz zu beschaffen, erwies sich als schwierig.

Schon seit Jahrzehnten fahren Frauke und Horst Werther aus Deutschland nach Nordschleswig, um dort die Ferien zu verbringen; Frauke Werther, geborene Haagensen, stammt aus Tondern (Tønder).

In ihrem Urlaub in Heisagger (Hejsager) kamen sie kürzlich in die Bredouille. Horst Werther hatte ein Medikament nicht dabei. „Nicht überlebenswichtig“, sagt Frauke Werther, aber schon wichtig – und rezeptpflichtig.

Und genau bei dieser Rezeptpflicht fing der Ärger an. Es erwies sich der Ehefrau zufolge als unmöglich, einen Arzt in Nordschleswig zu finden, der ein Rezept ausstellt. „Die Begründung lautete, dass in der Ferienzeit die Praxen nur dünn besetzt seien und auch für ein Rezept ein Patient mit allen Daten aufgenommen werden muss. Das sei nicht drin“, erinnert sich Frauke Werther. Die erste Hürde sei schon die Frage nach der Sozialversicherungsnummer, die ein deutscher Urlauber ja nicht habe, führt sie fort.

Das Paar schlug dann den anderen Weg ein: den Hausarzt in Deutschland fragen. Der Plan: Er schickt ein EU-Rezept elektronisch auf den Weg. „Die Apotheke in Dänemark besteht aber auf einem ausgedruckten Rezept, damit sie das Medikament herausgeben kann. Briefpost in Dänemark dauert aber sehr lange“, schildert Frauke Werther die Situation.

Noch kein EU-Rezept

Hans-Iver Kley, Hausarzt in Hadersleben, und engagiertes Mitglied der deutschen Minderheit, bestätigt: „Es gibt noch keine Möglichkeit, EU-weit Rezepte elektronisch zu verschicken.“ Sein Rat: Wer unsicher ist, ob es nicht auch ein paar Tage ohne das Medikament geht, solle den Hausarzt kontaktieren.

„Ist es ein Mittel, bei dem ich mit Sicherheit weiß, es ist nicht dringend erforderlich, dann warte ich, bis ich zu Hause bin“, so Kley. Dabei komme es bei der Abwägung auch auf die Zeitspanne an, so der Hausarzt. Fehlten aber beispielsweise wichtige Herzmedikamente, sollte man den Hausarzt im Heimatland kontaktieren und sich beraten lassen.

Fax ist Papierform

Der Apothekerverband Dänemarks bestätigt, dass an einem EU-weiten elektronischen System gearbeitet wird. Aber solange es dieses System nicht gibt, ist ein Papierrezept notwendig – wenn beispielsweise auf Reisen ein Medikament in einer Apotheke im Urlaubsland nachgefragt wird. Als Papierform wird dem Verband zufolge auch ein Fax angesehen. So ist es möglich, dass ein deutscher Arzt bzw. eine Ärztin im Falle des Falles ein Rezept als Fax an die Apotheke in Dänemark schickt. Ein weiterer Rat des Verbandes: Im Urlaubsland einen Arzt finden, der ein Rezept ausstellt. Und in akuten, dringenden Fällen den Bereitschaftsdienst (lægevagten) kontaktieren.

Auch Hans-Iver Kley wird in seiner Gemeinschaftspraxis von Feriengästen aufgesucht. „Zu uns kommen auch Deutsche, wenn beispielsweise das Asthmaspray leer ist, und dann helfen wir.“ Doch die Medikamente seien nicht überall gleich in der EU, sie variierten in der Menge und auch in der Wirkstoffstärke, so Kley. Er sagt: „Wir suchen dann das Original im Internet und schauen, was es hier in Dänemark gibt. Dann stellen wir ein digitales Rezept aus mit einer vorläufigen CPR-Nummer. Das Rezept ist dann aber nur in einer bestimmten Apotheke gültig. Wir wählen dann eine, die in der Nähe des Urlaubsortes liegt oder auf dem Rückweg zu erreichen ist.“

Dabei kommt es aber auch darauf an, wie plausibel der Wunsch geäußert wird und um welches Medikament es sich handelt. Fragt der Patient oder die Patientin nach Schlafmitteln oder Morphium, ist Hans-Iver Kley sehr vorsichtig und skeptisch. Da sei der Kontakt zum eigentlichen Hausarzt wichtig, so Kley.

Abstecher nach Flensburg

Das Ehepaar Werther verfolgte letztlich noch einen anderen Weg, einen grenzüberschreitenden: „Die Touristinformation riet uns dazu, den Arzt in Deutschland zu bitten, das Rezept in eine Apotheke nach Flensburg zu schicken, da wird es dann für uns abgeholt“, so Frauke Werther.