80 Jahre Befreiung

Nordschleswig im Deutschlandfunk: „Ich fand es faszinierend, wie wenig ich wusste“

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Befrielsen
Vor 80 Jahren: Britische Soldaten werden am Flughafen Kastrup als Helden empfangen. Dänemark ist von der Besatzung der Deutschen befreit.

Im Radio wird die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht verkündet. Was war damals bei uns im Grenzland los? Ein deutscher Geschichtspodcast blickt zurück – und erklärt, wie aus Deutschland und Dänemark nach 1945 enge Freunde werden konnten. Der Produzent der Folge erläutert, was dem Team wichtig war.

Der Tag der Befreiung: Vor 80 Jahren, am 8. Mai 1945, hat die Wehrmacht bedingungslos kapituliert. Der Deutschlandfunk-Podcast „Der Rest ist Geschichte“ erinnert daran – und lässt dabei den Blick auch nach Nordschleswig schweifen.

„Wir haben uns bei 'Der Rest ist Geschichte' überlegt, noch einmal auf die Nachbarländer von Deutschland zu schauen und darauf, was jeweils die Konflikte waren. Wie ist der Krieg dort abgelaufen und wie war es möglich, vielleicht auch wieder Freunde zu werden?“, sagt Robert Hauspurg, der in der Dänemark-Folge Regie und Produktion übernommen hat.

Die Menschen in Dänemark erreichte die Nachricht der Kapitulation bereits am Abend des 4. Mai über die BBC. Denn für Dänemark, Nordwestdeutschland und die Niederlande galt eine Teilkapitulation zum 5. Mai. Bis heute wird dieser deshalb hierzulande als Tag der Befreiung gefeiert.

Im Podcast blickt das Team vom Deutschlandfunk mithilfe des dänischen Historikers Thomas Wegener Friis und der deutschen Historikerin Astrid Schwabe nicht nur auf diese Tage zurück – sondern auch auf die lange Vorgeschichte deutsch-dänischer Konflikte.

Ein neuer Blick auf die deutsch-dänische Geschichte

Kommentar

Die Podcast-Folge „Versöhnung auf Dänisch“ ist ein Muss für alle, die die Geschichte der Minderheiten im Grenzland und der deutsch-dänischen Beziehungen verstehen wollen.

Das Team vom Deutschlandfunk schafft es in nicht einmal 45 Minuten, die wichtigsten Aspekte der Befreiung im Mai 1945 lebendig und greifbar zu erzählen. Dabei hilft der Umstand, dass Moderator Jörg Biesler das Publikum auf seiner Lernreise an die Hand nimmt und immer wieder zu den wichtigsten Aspekten zurückkehrt.

Nonchalante Kommentare des Experten Thomas Wegener Friis tragen ihren Teil zum Lerneffekt bei. Etwa, wenn er die Illusionen, die sich große Teile der deutschen Minderheit zu Zeiten des Dritten Reichs machten, nüchtern einordnet: „Es geht auch nicht mal um eine Grenzrevision. Obwohl die deutsche Minderheit in Nordschleswig sich das sehnlichst wünscht und am Straßenrand mit ihren Hakenkreuzfähnchen steht, als die Deutsche Wehrmacht vorbeisaust, bekommt sie das nicht. Berlin sagt, nee, wir wollen hier Ruhe. Wir brauchen keine neue Grenze.“
Cornelius von Tiedemann

Robert Hauspurg
Robert Hauspurg ist Teil des Teams von „Der Rest ist Geschichte“.

„Ich fand es faszinierend, wie wenig ich wusste. Man denkt ja dann doch, dass man über die Zeit eine gewisse Allgemeinbildung hat, man hat schon tausend Folgen dies produziert und tausend Folgen das gemacht und inhaltlich darüber und hierüber gesprochen“, sagt Hauspurg zum „Nordschleswiger“.

Doch „jetzt, wo wir uns so intensiv noch mal beschäftigt haben mit den Nachbarländern, ist mir aufgefallen, dass unsere Perspektive doch sehr eingeengt ist“, so Hauspurg.

Der Überfall auf Polen, der Feldzug im Osten. „Zu Dänemark wird’s dann schon schwierig oder enger, was die Auswahl angeht. Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 spielt in Deutschland ja zum Beispiel keine Rolle. Herr Wegener Friis hat uns erklärt, warum das in Dänemark ein wichtiger Aspekt ist – und das werde ich nie vergessen.“

Die Folge „Der 8. Mai: Versöhnung auf Dänisch“ ist in der ARD-Mediathek, in allen gängigen Podcast-Apps oder unter diesem Link direkt beim Deutschlandfunk zu hören.

Ab Freitag, 9. Mai, berichtet Robert Hauspurg in Folge 69 unseres Podcasts „Mojn Nordschleswig“, was ihn beim Produzieren dieser Folge besonders herausgefordert – und wie sich sein Bild von Dänemark und Nordschleswig durch das neue Wissen verändert hat.