Bundestagswahl

Nach Wahlstress: Wie schnell ist die Post zwischen Nordschleswig und Deutschland?

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Postnord Briefträger Postzustellung Brief Briefkasten
Post aus Deutschland ist trotz Grenznähe nicht schneller in Nordschleswigs Briefkästen als in denen in anderen Landesteilen (Symbolfoto).

Auslandsdeutsche bangten bei der Bundestagswahl: Wurde die eigene Stimme nun mitgezählt oder nicht? Die Recherchen zeigen, dass, wer rechtzeitig informiert war, auch die Stimme hat abgeben können. Doch manche Verzögerung bleibt unerklärt.

Kommt mein Stimmzettel rechtzeitig an oder nicht? Für viele Auslandsdeutsche rund um die Welt – und auch in Nordschleswig – wurde die Bundestagswahl kürzlich auch deshalb zur Zitterpartie. Doch laut Postnord und Deutscher Post hätte die fristgerechte Zustellung kein Problem sein sollen.

„Wenn die Bürgerin oder der Bürger die Briefwahlunterlagen rechtzeitig nach Deutschland zurückgeschickt hat, kam die Briefwahl auch am Wahltag am 23. Februar 2025 an“, so Postnord-Pressechefin Isabella Beck Jørgensen zum „Nordschleswiger“.

Für unseren Leser Hanns Peter Blume hat der Stress mit der Briefwahl aus Dänemark dennoch nicht nur mit der knapp anberaumten Bundestagswahl zu tun. Er vermutet strukturelle Probleme bei der Postzustellung: „Schon bei der Wahl 2021 wurde es knapp. 2025, vier Tage vor der Wahl, sind die Unterlagen aus meiner Heimatstadt Lübeck immer noch nicht eingetroffen, und sollten sie noch vor der Wahl kommen, reicht die Zeit für den Rückweg nicht“, schrieb er kürzlich in einem Leserbrief.

Blume hat zwar, wie uns bekannt ist, auch dieses Jahr gerade noch wählen können – doch es war wieder knapp. „Das Wahlamt der Hansestadt hat mir schriftlich per Mail bestätigt, dass es die Unterlagen am 5. Februar dieses Jahres an mich abgesendet hat, also vor 14 Tagen abgeschickt und noch nicht eingetroffen!“, schrieb er noch am 19. Februar – kurz vor dem Wahlsonntag am 23. Februar.

Stadt Flensburg: Die Ursache liegt woanders

Clemens Teschendorf (Archivfoto)

Wer in diesem Fall schuld ist, ist kaum zu klären. Fest steht jedoch, dass die vereinbarte Laufzeit für Briefe hier offensichtlich nicht eingehalten wurde. Die beträgt von Deutschland nach Dänemark nämlich 5 bis 7 Werktage – also maximal 9 Tage.

Für Clemens Teschendorf, Pressesprecher der besonders häufig für Auslandsdeutsche aus Dänemark zuständigen Stadt Flensburg (Flensborg), ist es „eine Problematik, die überall auftritt“. Dass die Wahlunterlagen spät, teilweise zu spät bei Wahlberechtigten im Ausland eintreffen, bedaure er.

„Wir sind nicht glücklich damit, dass diejenigen, die aus Dänemark wählen wollen, das in einigen Fällen nicht tun können“, sagt er zu Berichten des „Nordschleswigers“. Schon als der Wahltermin festgelegt wurde, sei klar gewesen, dass die Teilnahme an der Wahl nicht für alle Wahlberechtigten möglich sein werde. „Sobald eine Post da länger benötigt, wird es schwer“, sagt Teschendorf.

„Die Ursache liegt woanders als in Flensburg. Wir haben keinen Einfluss darauf, sind als Grenzstadt aber besonders betroffen.“

Postnord: Wer rechtzeitig abgeschickt hat, konnte auch wählen

In einer schriftlichen Antwort an den „Nordschleswiger“ schreibt Postnord-Pressechefin Isabella Beck Jørgensen: „Briefe mit Dokumenten werden als Briefe mit Dokumenten versandt und folgen den dortigen Servicezielen. Die Zustellzeit beträgt 4 bis 6 Werktage in die nordischen Länder und nach Europa. Wir haben Wahlkarten an Deutsche in Dänemark verteilt, und wenn die Bürgerin oder der Bürger die Briefwahlunterlagen rechtzeitig nach Deutschland zurückgeschickt hat, kam die Briefwahl auch am Wahltag am 23. Februar 2025 an.“

In Flensburg seien die Wahlzettel für Briefwählerinnen und Briefwähler im Ausland umgehend nach Erhalt verschickt worden, sagt derweil Stadtsprecher Teschendorf. Also um den 5. Februar. Dabei sei nicht zwischen Dänemark und anderen Ländern unterschieden worden. „Doch bei zweieinhalb Wochen bis zur Wahl kann es schwierig werden. Deshalb haben wir allen, die grenznah wohnen, auch in der deutschen Minderheit, empfohlen, mit den Wahlunterlagen über die Grenze zu fahren, hier zu wählen und sich so den Postrücklauf zu sparen.“

In Dänemark Zustellung innerhalb von 5 bis 7 Tagen

Doch wie schnell erreicht ein Brief, der aus Flensburg in Deutschland verschickt wird, sein Ziel zum Beispiel in Apenrade (Aabenraa)? Also wie viel Zeit blieb für den „Rücklauf“?

„Das ist eine Frage, die Deutschland beantworten muss, aber ein Brief mit Dokumenten nach Dänemark wird innerhalb von 5 Tagen nach Ankunft im dänischen Auslandskontor zugestellt. In dieser Zeit muss der Brief einen nationalen und einen regionalen Sortier- und Transportprozess durchlaufen, bevor er die Zustellstelle erreicht und dann zugestellt wird“, erklärt Postnord-Sprecherin Beck.

Ein wichtiger Faktor wird dabei von manchen nicht mitgerechnet: Wochenenden sind bei Postnord produktionsfreie Tage. „Wenn die Sendung also auf dem Weg ein Wochenende überquert, verlängert sich die Lieferzeit um 2 Tage. Das Gleiche gilt für Feiertage“, sagt die Pressechefin.

Grenznähe bei der Post kein Vorteil

Ob aus Köln oder Flensburg – die Post nach Nordschleswig hat dieselbe Laufzeit (Symbolfoto).

Laut Postnord spielt es dabei keine Rolle, wo in Dänemark die Post abgeschickt oder wo in Deutschland sie zugestellt wird – und umgekehrt. Die Grenznähe ist also kein Vorteil. „Die Post wird zentral abgeholt, zentral in das Zielland geschickt und von dort aus in nationaler Logistik verteilt“, so Jørgensen. In Dänemark gibt es heute nur noch ein Zentrum dafür: Taastrup bei Kopenhagen. Heißt: Alle Post, auch nach Nordschleswig, muss erst einmal in die Hauptstadtregion.

Briefwahl – in Dänemark ein teures Recht

Für Briefe, die nicht verfolgt werden, kann kein bestimmtes Zustelldatum angegeben werden. Dafür muss bei Postnord ein Barcode-Produkt (REK, Varebrev til udlandet oder Paket) erworben werden. Während der gewöhnliche Brief nach Deutschland bereits 50 Kronen (6,70 Euro) kostet, kosten der REK-Brief 170 Kronen (22,80 Euro) und der Brief als Paket 211 Kronen (28,29 Euro).

Wurde meine Stimme denn nun mitgezählt?

Überprüfen, ob die eigene Briefwahlstimme gezählt wurde, können Wählerinnen und Wähler grundsätzlich nicht. Allerdings sorgen zahlreiche Sicherheits- und Transparenzmechanismen dafür, dass bei Wahlen in Deutschland alle rechtzeitig eingegangenen Stimmen auch gezählt werden. Die Sicherheit, dass der Stimmzettel rechtzeitig ankommt, erhöht sich durch die oben genannten kostspieligen Versandvarianten als Einschreiben (REK) oder verfolgbares Paket.