Deutsche Minderheit

Minderheitenbeauftragter: Zeitgemäßes Internat macht Minderheit konkurrenzfähiger

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Bernd Fabritius (2.v.l.) wirft einen Blick von außen auf das alte Internat des DGN.

Beim Termin in Apenrade machte Bernd Fabritius deutlich, wie zentral der Campus für kommende Minderheitengenerationen ist. Der Zustand des alten Internats bestätigt für ihn den Handlungsbedarf.

„Da brauchen wir gar nicht drüber reden“, sagte der neue und alte Minderheitenbeauftragte Bernd Fabritius (CSU) am Dienstagvormittag beim Besichtigungstermin des Internats am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig.

Das Internat ist in die Jahre gekommen. Seit einiger Zeit warb die Deutsche Minderheit für einen Neubau innerhalb eines Campus Apenrade. Mitte November kam die frohe Botschaft aus Berlin: Der Campus kann Realität werden, die Bundesrepublik fördert den Campus, in dem auch die beiden deutschen Kindergärten in Apenrade zusammengelegt ihren Platz finden sollen (wir berichteten).

Für die deutsche Minderheit ist dieses Projekt insgesamt von Wichtigkeit. „Wir verlieren Schülerinnen und Schüler“, sagt Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). Jens Mittag, Rektor am DGN, betrachtet die Sache von der anderen Seite: Er sieht zukünftige Möglichkeiten: „Wir können mehr Schülerinnen und Schüler von der Westküste gewinnen.“ Es gelte, die Attraktivität der Minderheit zu steigern, sind Hinrich Jürgensen und Uwe Jessen, BDN-Generalsekretär, überzeugt.

Was Interessierte abschrecken könnte, wird bei einem Blick ins Innere deutlich: Gemeinschaftsbäder versprühen den Charme einer Jugendherberge aus dem vergangenen Jahrhundert. „Ich will das nicht schlechtreden, aber das ist nicht mehr zeitgemäß“, so Fabritius, der sich über den herzlichen Empfang vieler Würdenträgerinnen und -träger am Dienstagvormittag sehr freute. Und darüber, dass das „Geschenk“ aus Berlin geschätzt und gewürdigt wird.

Begleiten den Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung (v.l.n.r.): DGN-Rektor Jens Mittag; Kurt Andresen, Ausschussvorsitzender des Gymnasiums, Kerstin Jürgensen, Hauptgeschäftsführerin DSSV, BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptgeschäftsführer Bernd Søndergaard und Bernd Fabritius

Konkurrenzfähiges Angebot

Der Minderheitenbeauftragte hatte die Friesen und die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein besucht, nach einem Aufenthalt in Kopenhagen schaute er in Apenrade bei der Deutschen Minderheit vorbei. Sein Eindruck von der Reise: Die Dänen sind eine lebendige Minderheit in Deutschland, mit mustergültigen Schulen, davon konnte ich mir in Flensburg ein Bild machen. Auch das dänische Schulsystem ist gut, das heißt, die Schulen der deutschen Minderheit müssen konkurrenzfähig sein. Deshalb sind Investitionen in Bildung wichtig. Wer in kommende Generationen investiert, sichert den Fortbestand der Minderheit. Deshalb sind Angebote vom Kindergarten bis zur Hochschule wichtig.“

Wie geht’s mit dem Campus weiter? Das weiß Uwe Jessen. Seinen Worten nach sollen im Januar Koordinierungsgespräche starten mit dem Ziel, möglichst viel Campus aus den 14 Millionen Euro herauszubekommen. Dann wird es einen Architektenwettbewerb geben, der EU-weit ausgeschrieben wird. Wie das neue Internat dann tatsächlich aussehen wird, steht also nicht fest. „Die Skizze ist nur eine Skizze“, stellt Uwe Jessen fest. Geplant ist außerdem, erst das neue Internat zu bauen, dann das alte abzureißen.