Deutsche Minderheit

Mehr Bewegung, mehr Kreativität: DJN bringt Heidelberger Ballschulkonzept nach Nordschleswig

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Freies Spielen fördert bei Kindern motorische, kreative und soziale Fähigkeiten.

Kinder spielen seltener frei als früher – mit spürbaren Folgen für Motorik und Koordination, wie Studien belegen. Der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig will gegensteuern und wird zum Ballschulzentrum in Dänemark.

„Das ist genau das, was wir wollen. Eine fertige, wissenschaftlich fundierte Anleitung, mit der wir strukturell den Sportunterricht in der Minderheit verbessern können“, sagt der Leiter des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig (DJN), Thore Naujeck über das Ballschulkonzept aus Heidelberg, das künftig auch in Nordschleswig zum Einsatz kommt.

Dieses orientiert sich am Straßenspiel, sprich dem Spiel von Kindern auf Bolzplätzen, Hinterhöfen, Spielplätzen oder der Einfahrt vor dem eigenen Haus: selbst ausgedachte Spiele, mit eigenen Regeln und ohne Vorgaben. Dieses unorganisierte Spiel hat im Gegensatz zum organisierten Spiel (Vereinssport) einer in Deutschland durchgeführten Studie nach in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen. Mit dramatischen Folgen: Die Koordination, Motorik und kognitiven Fähigkeiten sind bei Kindern und Jugendlichen heute deutlich unausgereifter als sie es noch Anfang der 2000er-Jahre waren.

„Das sind zwar Studien, die in Deutschland durchgeführt wurden, allerdings sehen wir diese Entwicklung hier bei unseren Kindern natürlich auch deutlich“, sagt Jugendverbandsleiter Thore Naujeck.

Darum ist freies Spiel so wichtig

Warum unorganisierter Sport für Kinder so wichtig ist, weiß auch Christian Flader. Der DJN-Mitarbeiter kennt das Ballschulkonzept bereits aus seiner beruflichen Zeit in Deutschland. „Es steigert einfach ungemein die Lernfähigkeit und Kreativität, wenn sich Kinder eigene Spiele ausdenken, die sie nach ihren eigenen Regeln spielen. Neben den motorischen Fähigkeiten, die durch ein freies Spiel gefördert werden, gibt es bei dem Ganzen natürlich auch eine soziale Komponente, weil die Kinder lernen, sich untereinander auf bestimmte eigene Vorgaben zu einigen, an die sich dann alle halten, damit das Spiel Spaß macht“, sagt Flader.

Dadurch, dass sich Kinder und Jugendliche nach der Schule immer weniger draußen zum Spielen treffen, hängen viele in all diesen Fähigkeiten ihrem Alter hinterher, was vor allem im Bereich der Motorik ein großes Problem ist. „Es gibt leider einige Dinge, die im zunehmenden Alter immer schwerer zu lernen sind, deshalb ist es so wichtig, dass man früh anfängt“, so Christian Flader.

Wir haben viele Angebote, wie Vereine, Schulen oder auch SFOs, wo wir das Konzept direkt super anwenden können

Christian Flader

Das Ballschulkonzept

Da setzt das Konzept der Ballschule Heidelberg an. Kinder sollen von Beginn an in die Welt der Sportspiele mit der Hand, dem Fuß und dem Schläger eingeführt werden. Eingeteilt in fünf Stufen, startet es mit der U3- und der Mini-Ballschule. „Da geht es noch gar nicht um spezielle Ballsportarten wie Fußball oder Handball, sondern generell darum, wie fühlt sich ein Ball an, wie rolle oder fange ich ihn und wie bewegt er sich“, erklärt Christian Flader. In den höheren Stufen gibt es später dann auch Konzepte, die auf bestimmte Sportarten spezialisiert sind.

Schulen und Kindergärten freuen sich auf das Konzept

Jugendverbandsleiter Thore Naujeck hat das Ballschulkonzept vor Kurzem den Schul- und Kindergartenleiterinnen und -leitern vorgestellt und durchgehend positives Feedback bekommen, wie er sagt.

Im ersten Schritt werden Christian Flader und eine weitere Sportlehrkraft des Jugendverbandes im Februar ein Wochenende nach Heidelberg fahren und sich im Ballschulkonzept ausbilden lassen. Das erworbene Wissen geben sie dann im Anschluss in Workshops an die Lehr- und Pädagogikkräfte der deutschen Schulen und Kindergärten weiter.

Jugendverband wird Ballschulzentrum in Dänemark

Anschließend ist geplant, sogar noch einen Schritt weiterzugehen, indem der Jugendverband zum Ballschulzentrum in Dänemark wird. Das heißt, dass künftig auf dem Knivsberg auch Aus- und Fortbildungen für Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher und Übungsleitende aus Dänemark und Schleswig-Holstein angeboten werden.

„Dieses Konzept hat einfach eine hohe Qualität, die perfekt zu uns passt. Wir haben viele Angebote, wie Vereine, Schulen oder auch SFOs, wo wir das Konzept direkt super anwenden können“, sagt der angehende Ballschulausbilder, Christian Flader.