Handarbeit

Ilse strickt Tauftücher für die Täuflinge in der Christkirche

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Ilse Christensen hat bereits 75 Tauflappen gestrickt.

Für die Kinder und ihre Eltern gibt es mit dem gestrickten Modell ein Andenken an die kirchliche Handlung am Taufbecken. Wie ein Kirchturm auf 53 Strickmaschen Platz findet.

Wer in der Christkirche in Tondern von der deutschen Pastorin Dorothea Lindow oder ihren dänischen Kolleginnen getauft wird, dem wird am Taufbecken der Kopf mit einem besonderen Tuch abgetrocknet.

Seit rund einem halben Jahr handelt es sich dabei um ein gestricktes Modell, das die Täuflinge und ihre Eltern anschließend als Andenken mit nach Hause bekommen.

Das Strickmuster hat Ilse Christensen entworfen. „Das war eine spannende Aufgabe. Dann kriegt man wieder die grauen Zellen in Gang, um herauszufinden, wie der Auftrag umgesetzt wird, damit es gebraucht werden kann“, sagt sie lachend.

Eine neue, maßgeschneiderte Lösung

Das mit geklöppelten Spitzen besetzte Tauftuch der Christkirche, mit dem alle Kinder abgetrocknet wurden, litt an Verschleißerscheinungen. Daher suchte der Gemeinderat nach einer neuen Lösung.

Die deutsche Gemeinderatsvertreterin Anke Haagensen dachte dabei an ihre Schwester Ilse, die für Ankes Enkelkinder Tauftücher gestrickt hatte.

Anfängliches Kopfzerbrechen

Das Muster erstreckt sich über 57 Maschen.

Ilse musste nicht lange überlegen. Anfangs bereitete es ihr jedoch etwas Kopfzerbrechen, wie sie die große Christkirche auf den kleinen Lappen bekommen sollte.

Daher war sie etwas erleichtert, als es sich im weiteren Verlauf herauskristallisierte, dass es das Logo mit der Turmspitze sein sollte. „Dann bekam ich im Kirchenbüro im Brorsonhaus das Logo in Originalgröße, das ich dann auf kariertes Papier überführt habe“, erzählt Ilse.

Jedes Kästchen ist eine Masche. Sie hat bereits als Jugendliche Strickmuster auf kariertem Papier gezeichnet.

Der Prozess von klobig bis spitz

Das Logo der Christkirche mit der Turmspitze
So sieht der Kirchturm gestrickt aus. Das glatt Gestrickte, das den Kirchturm umgibt, wird von manchen als Engelsflügel aufgefasst.

„Der erste Entwurf mit dem Kirchturm erschien ziemlich klobig. Dann fing ich noch einmal an und machte ihn spitzer, das passte ganz gut. Anke bekam die drei gestrickten Probelappen zu einer Gemeinderatssitzung mit. Das dritte Modell haben sie gleich gutgeheißen und jetzt darf ich nichts mehr daran ändern“, sagt sie.

Nun passt das Logo, dessen Effekt durch linke und rechte Maschen erzielt wird, auf 53 Maschen. Gestrickt wird mit der Nadelstärke 2,5 in weißer Baumwolle. Nach der Reihe 77 wird abgekettet.

Ein konzentriertes Arbeiten

„Ich habe mich um ein einfaches Muster bemüht, das müsste man eigentlich auch als Anfängerin hinbekommen können“, so Ilse.

Bislang hat sie selbst 75 Tauflappen gestrickt. Strickende Unterstützung gab es auch von Cathrine von Qualen Christensen. „Sie hat jetzt leider nicht mehr Zeit“, bedauert Ilse.

„Wenn ich konzentriert arbeite, dann dauert es um die drei bis vier Stunden, bis ich einen Lappen fertig habe. Ich arbeite mit Maschenmarkierern, die man öffnen kann. Das ist eine Vereinfachung im Vergleich zu früher, als es die nicht gab“, sagt sie.

Stickmuster als Strickvorlage

Ilse Christensen arbeitet mit Maschenmarkierern.

Ilse erzählt, dass es im Internet auch Muster und Strickanleitungen der dänischen Volkskirche für Tauflappen mit Kreuz, Herz und Anker als Symbole für Glaube, Liebe und Hoffnung gibt. Der Gemeinderat wünschte sich aber eine eigene Ausgabe.

Früher habe sie auch nach Stickmustern gestrickt. Das Stricken hat sie bei ihrer Oma väterlicherseits gelernt. „Sie brachte mir auch das grobe Häkeln bei. Das feine Häkeln habe ich bei Muttis Tante gelernt“, so die Tonderanerin.

Ilse strickt seit ihrem fünften Lebensjahr. „Das sind ein paar Jahre her“, sagt die 67-Jährige mit einem verschmitzten Lachen.

Eine generationsübergreifende Vorliebe

Nachdem sie nach einer landwirtschaftlichen Grundausbildung in der Landwirtschaft tätig gewesen war, bildete sie sich von 1987 bis 1989 am damaligen Handarbeitsseminar in Hoyer (Højer) mit Weben als Hauptfach als Handarbeitslehrerin aus.

Von der Leidenschaft fürs Stricken haben sich auch ihre Tochter und einer der beiden Söhne anstecken lassen. „Sie stricken am liebsten frei nach Schnauze. Ich bevorzuge ein Muster“, sagt Ilse, während sie wieder die Tauflappen mitsamt Stricknadeln in ihren Strickkorb packt.