Spannungen in der Arktis

Grönländische Abgeordnete: Wir brauchen einen Marathon an internationaler Unterstützung

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Aaja Chemnitz beantwortet Fragen beim Neujahrsempfang der grönländischen Vertretung in Kopenhagen am Donnerstag.

Ein Besuch des deutschen Außenministers Johann Wadephul in Grönland wäre ausgesprochen willkommen. Das sagt das Folketingsmitglied Aaja Chemnitz. Unterstützung aus dem größten EU-Staat sei in der derzeitigen Situation entscheidend.

Die Folketingsabgeordnete Aaja Chemnitz von der linken Partei Inuit Ataqatigiit kommt in diesen Tagen kaum zur Ruhe. Presseanfragen jagen Sitzungen und Gespräche. 

„Es geht hoch her“, sagt sie am Donnerstagnachmittag dem „Nordschleswiger“ und wirkt dabei noch erstaunlich gelassen

Zwischen Terminen und Interviews muss sie auch die Nachrichten verfolgen. So ist es ihr auch nicht entgangen, dass die deutsche Botschafterin in Dänemark, Anke Meyer, sich in einer Videobotschaft hinter das Königreich Dänemark stellt.

„Das bedeutet wirklich viel für uns. Ich war regelrecht gerührt“, sagt sie, und man merkt ihr an, dass es keine hohle Phrase ist. 

Ein Besuch Wadephuls wäre willkommen

Seit mehr als einem Jahr stemmen sich die 56.000 Menschen in Kalaallit Nunaat, dem Land der Grönländer, gegen Donald Trumps Großmachtfantasien. Jede Geste der internationalen Unterstützung nehmen sie dankend an.

Daher freut es sie auch zu hören, dass der deutsche Außenminister Johann Wadephul nach Informationen des „Nordschleswigers“ erwägt, Grönland zu besuchen. Das Auswärtige Amt sagt auf Anfrage, dass es noch keine konkreten Pläne gäbe. 

Chemnitz meint, dass der Besuch des Außenministers des größten EU-Staates ein wichtiges Signal der Solidarität wäre. Und sie ist überzeugt, dass Wadephul warm empfangen werden würde. „Das grönländische Volk ist ja sehr gastfreundlich und wir haben ein schönes Land.“

„Nichts über Grönland, ohne Grönland“

Vor Ort könne er etwas von der Lebenswirklichkeit der Kalaallit mitbekommen, die seit Jahrhunderten in dem arktischen Klima ihres Landes leben und überleben. „Ich denke, man bekommt erst ein Verständnis von Grönland, wenn man es erlebt.“

Und dieses größere Verständnis ist ihrer Ansicht nach zentral. In ihrer gesamten politischen Laufbahn hat sie sich dafür eingesetzt, dass Grönland eine deutlichere politische Stimme bekommt. „Nichts über Grönland, ohne Grönland“ hat sie als Motto ausgegeben. 

Chemnitz wünscht sich Ausdauer

Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben verdeutlicht, dass die internationale Unterstützung nicht nur kurzfristig entscheidend ist. Bereits vor seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr forderte Trump, Grönland zu übernehmen – zur Not auch mit Macht. Am Mittwoch haben die grönländische Naalakkersuisoq (Ministerin) für Äußeres Vivian Motzfeld und der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen mit dem US-Kollegen Marco Rubio und Vizepräsident J. D. Vance vereinbart, dass ein hochrangig besetzter Ausschuss die sicherheitspolitischen Fragen erhörten soll. 

Doch das grönländisch-dänische Duo musste feststellen, dass die Differenzen über die Zukunft Grönlands bestehen. Kurz nach der Begegnung wiederholte der US-Präsident die Forderung, Grönland „zu übernehmen“. 

Chemnitz wünscht sich daher eine anhaltende internationale Unterstützung: „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon.“ In den ruhigeren Zeiten, während Trump sich anderen Fragen widmet, müsse man Kräfte sammeln, um dann in Krisenzeiten eine geeinte Front zu bilden.

Zusammenhalt im Königreich

Der grönländische Premierminister Jens Frederik Nielsen von der liberalen Partei Demokraatit sagt bei einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Grönland hier und jetzt Teil des Königreichs bleiben möchte. Auch Chemnitz vertritt diese Auffassung. 

Das langfristige Ziel eines selbstständigen Grönlands besteht jedoch bei sämtlichen grönländischen Parteien. Und auch wenn die ebenfalls im Folketing vertretene Partei Naleraq möglichst bald einen eigenständigen grönländischen Staat anstrebt, hat auch sie keinen Wunsch, Teil der USA zu werden.

Aaja Chemnitz meint, dass Europa und seine großen Staaten auch im Eigeninteresse Grönland langfristig unterstützen sollten. 

„Jetzt geht es um Grönland. Gelingt es jedoch, das internationale Recht und den Respekt vor Landesgrenzen zu zerstören, dann betrifft das nicht nur Grönland, sondern ganz Europa.“