Deutsche Minderheit

Freudentränen in Lunden: „Dankbar, dass wir die Chance kriegen“

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Die Angestellten und die Kinder der Deutschen Schule Lunden haben am Mittwoch den Erhalt ihrer Institution gefeiert.

Eltern, Kinder, Mitarbeitende und Leitungen in der Deutschen Schule Lunden und im Deutschen Kindergarten Lunden reagieren mit Erleichterung und großer Freude auf die Entscheidung gegen die Schließung. Nach Wochen der Unsicherheit feiern sie den Erhalt ihrer Einrichtung, berichten von Tränen, schlaflosen Nächten und einem starken Zusammenhalt in dieser Zeit.

Die Deutsche Schule Lunden und der Deutsche Kindergarten Lunden bleiben bestehen, nachdem der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) und der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) nach einer zunächst ausgesprochenen Schließungsempfehlung Ende September eine gegenteilige Entscheidung getroffen haben.

Am Tag nach der Nachricht feiern Angestellte und Kinder der Schule die Entscheidung mit einem gemeinsamen Frühstück.

Elias Christian Hindrichs zeigte sich am Mittwochmorgen erleichtert, dass seine Schule bestehen bleibt. „Meine zwei kleinen Geschwister gehen nebenan in den Kindergarten, und meine Eltern und ich wünschen uns, dass sie auch in die Schule gehen dürfen. Darüber freuen wir uns jetzt. Die Schule hat so viel Außenfläche und außerdem die grüne Flagge, die Schule ist einfach toll.“

Schüler Elias freut sich, dass in den kommenden Jahren auch seine Geschwister die Deutsche Schule Lunden besuchen dürfen.

„Ich finde gut, dass die Schule nicht geschlossen wird, sonst könnte ich nicht mit meinen Freunden spielen. An der Schule mag ich am liebsten, dass ich Freunde habe“, sagt Schülerin Ibbala Agushi.

Die Entscheidung fiel am Dienstagabend, als eine Gruppe von DSSV und BDN in die Schule kam, wo Schulleiterin Marion Petersen, Kindergartenleiterin Marlene Elneff und Vorstandsmitglieder auf die Entscheidung warteten.

Ibbala Agushi freut sich, dass sie weiterhin mit ihren Freundinnen und Freunden zusammen zur Schule gehen kann.

Marion Petersen beschreibt den Moment der Entscheidungsverkündung als „ein bisschen surreal“. „Weil Gesichtsausdrücke und Inhalt zunächst nicht zusammenpassten. Es war total still im Raum, es dauerte zunächst etwas, bis wir begriffen, was Kerstin als DSSV-Vorsitzende uns da gerade gesagt hatte.“ 

Nach dem klaren Signal für Lunden setzte „unfassbare Erleichterung ein“, sagt Petersen. Die Entscheidung blieb zunächst unter Verschluss, weil am selben Abend auch die Deutsche Schule Rapstedt (Ravsted) auf die Entscheidung des DSSV wartete.

„Da muss das Vertrauen Schritt für Schritt wachsen“

Marion Petersen ist seit fünf Jahren Schulleiterin an der Deutschen Schule Lunden.

Der DSSV teilte in seiner Entscheidung mit, dass man die Deutsche Schule Lunden eng begleiten will. Wie sieht die Schule diesem Prozess entgegen? Die bisherige Zusammenarbeit beschreibt die Schulleiterin in den vergangenen Jahren auch im Rahmen der Konzept-Erarbeitung als gut. 

Gleichzeitig spricht sie davon, dass der Prozess rund um die Schließungsempfehlung Narben hinterlassen habe. „Der Start des Prozesses hat Kratzer hinterlassen. Wir hätten uns eine andere Herangehensweise gewünscht, die Gespräche um unsere Zukunftsfähigkeit hätten schon viel früher beginnen können. Die Empfehlung, unsere Schule zu schließen, kam sehr plötzlich. Da muss das Vertrauen erst wieder Schritt für Schritt wachsen.“

Heidi Fraefel, Mutter von zwei Schulkindern und Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Schule Lunden, blickt nach der Entscheidung gegen die Schließung auf eine emotional sehr intensive Zeit zurück. Sie bezeichnet den Bescheid „als das Schönste, was 2025 bisher passiert ist“.

Das Schulgebäude und der Schulhof in Lunden

Im Gespräch schildert Fraefel den gesamten Verlauf rund um die drohende Schließung als überwältigenden Prozess, der viele Gefühle auslöste. Für sie, andere Eltern und Vorstandsmitglieder ging es um eine Herzensangelegenheit.

Gleichzeitig betont Fraefel, dass sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter in dieser Phase das Verhältnis zum DSSV bewusst konstruktiv gestaltet hätten. „Wir haben in dem ganzen Prozess klar festgehalten, dass wir Partner und keine Gegner sind. Und ich glaube tatsächlich, dass uns das geholfen hat.“

Wir haben in dem ganzen Prozess klar festgehalten, dass wir Partner und keine Gegner sind. Und ich glaube tatsächlich, dass uns das geholfen hat.

Heidi Fraefel

Diese Haltung nahm aus ihrer Sicht Druck aus der Situation. Fraefel berichtet, dass der Vorstand keine Energie auf negative Gefühle gegenüber dem Träger richtete, sondern sich auf die inhaltliche Arbeit für die Schule konzentrierte. „So blieb der Blick auf das gemeinsame Ziel gerichtet, die Einrichtung zu sichern und für die Kinder eine verlässliche Perspektive zu schaffen.“

Kindergartenleiterin Marlene Elneff beschreibt die vergangenen Wochen als „extrem belastend“ und gleichzeitig als tief bewegend. „Die Aussicht auf eine Schließung hat uns viele schlaflose Nächte gekostet.“ Zugleich zeigt sie sich dankbar dafür, „dass wir die Chance gekriegt haben, weiterarbeiten zu dürfen“.

Kindergartenleiterin Marlene Elneff am Mittwochmorgen in Lunden. 17 Kinder besuchen aktuell die Einrichtung.

Sie unterstreicht: „Es ist unglaublich fantastisch, was wir alle gemeinsam erreicht haben. Dafür will ich mich bei allen Beteiligten, bei Kindern, Eltern, Personal und allen anderen Unterstützerinnen und Unterstützern von ganzem Herzen bedanken.“

Elneff beschreibt die Erleichterung darüber, dass das Team „jeden Tag weiterhin die Kinder entgegennehmen“ kann und als Einheit hinter der Einrichtung steht. Besonders bewegt sie der Moment nach der Entscheidung, als die Eltern am Morgen „mit einem breiten Lächeln in den Kindergarten kamen und deutlich zeigten, wie viel ihnen der Ort bedeutet“.

Jetzt freuen wir uns, dass wir unseren Alltag fortsetzen dürfen.

Marlene Elneff

Elneff war dabei, als die Entscheidung fiel. „Die Tränen sind gekullert“, sagt sie über den Moment der Erleichterung, als klar ist, dass der Kindergarten bleibt. 

Das Gebäude des Deutschen Kindergarten Lunden

Die Freude verbindet sich für sie mit dem Bewusstsein, wie viel Herzblut sie in die Einrichtung steckt. Seit fünf Jahren arbeitet sie dort und lobt ausdrücklich „einen richtig guten Kindergarten, ein richtig gutes Team, gute Eltern“ und natürlich „super Kinder. Jetzt freuen wir uns, dass wir unseren Alltag fortsetzen dürfen.“