Deutsche Minderheit

Entscheidung gefallen: Minderheit schließt Rapstedt und betreibt Lunden weiter

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Für die Kinder in der Deutschen Schule Rapstedt endet ihr Schulalltag an der Schule mit dem Ende des laufenden Schuljahres.

Die deutschen Institutionen in Rapstedt werden geschlossen, Schule und Kindergarten in Lunden bleiben erhalten. Wie der DSSV und der BDN ihre Entscheidung begründen.

Der DSSV (Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig) wird die deutsche Schule und den deutschen Kindergarten in Rapstedt (Ravsted) mit Abschluss des laufenden Schuljahres nicht weiter betreiben und hat die Vorstände aufgefordert, die notwendigen Schritte für eine geordnete Beendigung des Betriebs einzuleiten.

Die deutschen Institutionen in Lunden bleiben erhalten. Das teilten DSSV und der übergeordnete BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) am Dienstagabend zunächst den Eltern der Institutionen und anschließend in einer Pressemitteilung mit. 

Lunden: Trotz baulicher Herausforderungen stabile Voraussetzungen

In der Pressemitteilung am späten Dienstagabend begründen DSSV und BDN die Entscheidung wie folgt: Die Auswertung der eingereichten Zukunftskonzepte habe gezeigt, dass Lunden trotz baulicher Herausforderungen über stabile Voraussetzungen für einen langfristig tragfähigen Betrieb verfüge. 

Die strukturellen und personellen Rahmenbedingungen ermöglichten es, sowohl Kindergarten als auch Schule in guter Qualität weiterzuführen. Der DSSV und der BDN empfehlen daher, beide Einrichtungen in Lunden zu erhalten und den Standort für die kommenden Jahre zu stärken.

Das eingereichte Zukunftskonzept aus Rapstedt zeige zwar großes Engagement und enthalte ein interessantes Entwicklungsprojekt. Bei der Bewertung sei jedoch deutlich geworden, dass die Umsetzung nur mit weiteren Zuschüssen realisierbar wäre, die derzeit nicht als tragfähig gelten. 

Gleichzeitig lasse sich die langfristige personelle und organisatorische Stabilität vor Ort nicht sichern. Der DSSV und der BDN empfehlen daher, sowohl die Schule als auch den Kindergarten in Rapstedt zu schließen.

Kinder erhalten Plätze an den umliegenden DSSV-Schulen

Der DSSV will laut Mitteilung sicherstellen, dass für alle Kinder tragfähige Lösungen bereitstehen. Deshalb stehen für die Kindergartenkinder aus Rapstedt Plätze im Kindergarten Bülderup (Bylderup) zur Verfügung. Auch für alle Schulkinder sichern die Verantwortlichen Plätze an den umliegenden DSSV-Schulen zu.

Die Verantwortlichen setzen die Entscheidung in zwei Schritten um. Die Schule in Rapstedt schließt zum Ende des laufenden Schuljahres. Der Kindergarten schließt in Absprache mit dem Vorstand der DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade), der sich hierzu zeitnah trifft.

Kerstin Jürgensen sagt als Hauptvorsitzende des DSSV: „Die eingereichten Konzepte zeigen, wie engagiert und verantwortlich die lokalen Akteure gearbeitet haben. Dieses Engagement verdient Anerkennung – auch wenn die strukturellen Rahmenbedingungen zu einer anderen Entscheidung geführt haben.“

Beide Verbände betonen, dass das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Minderheit in Rapstedt weitergehen muss und weitergehen soll. DSSV und BDN wollen deshalb lokale Initiativen aktiv unterstützen, darunter traditionell wichtige Veranstaltungen wie das Pfingstturnier sowie weitere passende Aktivitäten für die deutsche Minderheit vor Ort.

Der DSSV hatte als Dachverein aller deutschen Schulen und Kindergärten in Nordschleswig Ende September empfohlen, in Rapstedt und Lunden sowohl die Kindergärten als auch die Schulen zu schließen. Daraufhin hatten Eltern, Institutionsleitungen und Vorstände vor Ort wochenlang um den Erhalt der Institutionen gekämpft und für jeden Standort ein Konzept erarbeitet, das die Zukunftsfähigkeit der Institutionen darlegte. 

Wir wissen, dass die Schließung eines Standorts Sorgen auslöst. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass dieser Schritt notwendig ist.

Hinrich Jürgensen

Nachdem Vertreterinnen und Vertreter beider Standorte am Montagabend ihr Konzept präsentiert hatten, teilten DSSV und BDN am Dienstagabend ihre Entscheidungen vor Ort in Lunden und anschließend in Rapstedt mit. 

„Wir wissen, dass die Schließung eines Standorts Sorgen auslöst. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass dieser Schritt notwendig ist, um langfristig Qualität, Stabilität und Entwicklung zu sichern. Wir tragen Verantwortung für die Zukunft der gesamten Minderheit – nicht nur für einzelne Standorte“, unterstreicht Hinrich Jürgensen, Vorsitzender des BDN. 

Die Enttäuschung über die bevorstehende Schulschließung war den Lehrkräften in Rapstedt am Mittwoch deutlich anzumerken.

Der DSSV will den Standort Lunden in den kommenden Jahren eng begleiten. Ziel bleibe es, im engen Austausch mit dem Team vor Ort die pädagogische Qualität zu stärken und die positive lokale Entwicklung sowie die ökonomischen Voraussetzungen gemeinsam zu sichern.

Parallel führt der DSSV der Mitteilung zufolge schnellstmöglich ein finanzielles Zuteilungsmodell mit klaren Richtlinien und Steuerungsmechanismen für alle Schulen ein. Diese Struktur soll Transparenz schaffen und langfristige Sicherheit für die Einrichtungen der Minderheit bieten.