Nordschleswig

Drei Behandlungen pro Monat: Hausarzt Kley ordnet die Zecken-Gefahr ein

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Laut Statens Serum Institut erkrankten 2024 in Dänemark 17 Menschen nach Zeckenstichen an Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Impfungen dagegen haben sich in zwei Jahren vervierfacht.

Zecken gelten als gefährliche Krankheitsüberträger. In der Praxis des Allgemeinmediziners Hans-Iver Kley aus Hadersleben landen etwa drei Betroffene pro Monat nach einem Biss. Wie hoch ist das tatsächliche Gesundheitsrisiko in Nordschleswig, und wann ist Vorsicht geboten?

Ein Sommertag im Wald, der Hund rennt durchs hohe Gras – und plötzlich sitzt da dieser winzige schwarze Punkt auf der Haut. Kaum größer als ein Stecknadelkopf, sorgt er bei vielen Menschen für große Sorgen.

Behandlung von Zeckenbissen: Alltag in der Haderslebener Praxis

„Wir haben laufend Personen, die zu uns kommen, weil sie von einer Zecke gebissen wurden und sich ein Ausschlag entwickelt hat“, sagt Hans-Iver Kley. Der Hausarzt betreut in Hadersleben rund 6.000 Patientinnen und Patienten – und sieht in der Zeckensaison (Sommerhalbjahr) etwa drei solcher Fälle pro Monat.

Oft handelt es sich um Borreliose-Verdacht. „Wenn wir es nicht ausschließen können, behandeln wir ziemlich schnell mit einer Penicillinkur“, so Kley.

Nur etwa sieben Prozent der Zecken tragen tatsächlich Borrelien-Bakterien in sich. Gefährlich wird es aber nur, wenn die Zecke lange genug saugt: „Erst nach 20 bis 24 Stunden scheiden die Tiere das Bakterium aus. Wer sie rechtzeitig innerhalb eines Tages entfernt, hat ein sehr geringes Risiko.“

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Erkennt man Borreliose frühzeitig, lässt sie sich nach Kleys Erfahrung zudem zuverlässig behandeln. „Eine Penicillinkur genügt, und die Patientinnen und Patienten sehe ich danach meist nicht wieder“, erklärt er. In seltenen Fällen erlebt er allerdings auch schwerere Fälle: „Dann entwickelt sich eine Neuroborreliose, die ins Nervensystem übergreift. Auch das können wir heute mit Antibiotika erfolgreich behandeln.“

Winzig klein, aber gefürchtet: Zecken können Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen. Borreliose tritt in Nordschleswig nur selten auf, während FSME hier keine Rolle spielt.

FSME? In Nordschleswig kein Thema

Anders als auf Bornholm oder in Schweden spielt die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), in Dänemark TBE genannt, in Nordschleswig hingegen keine Rolle. Die Virusinfektion kann direkt beim Biss übertragen werden – sie sitzt in der Spucke der Zecke.

„FSME gibt es bei uns nicht“, betont Kley. Wer hier lebt und viel draußen ist, brauche deshalb keine Impfung. Er habe zwar schon einen Patienten mit schwerem Verlauf behandelt – aber der hatte sich im Ausland angesteckt.

„Nur wer häufig nach Schweden und in andere Risikogebiete reist, kann über eine Impfung nachdenken. Für Nordschleswig sehe ich keine Notwendigkeit”, sagt der erfahrene Allgemeinmediziner.

Die Furcht ist zum Teil durch die Impfstofffirma geschürt worden.

Hans-Iver Kley

Dass die Angst vor FSME trotzdem groß ist, hat aus seiner Sicht auch mit Marketing zu tun: „Die Furcht ist zum Teil durch die Impfstofffirma geschürt worden. In den allermeisten Fällen verläuft die Infektion mild – sieben Tage Fieber, dann ist man wieder gesund.“ Nur ein kleiner Teil erleidet schwerere Folgen.

Eine Impfung gegen Borreliose existiert dagegen nicht. Doch Kley beruhigt: „Borreliose ist weit verbreitet, aber wenn sie rechtzeitig erkannt wird, können wir sie sehr gut behandeln.“

Schutz im Alltag

Zecken haften an Gräsern oder Farnen und warten auf einen Wirt, also ein Tier oder einen Menschen. Ab einer Temperatur von etwa fünf Grad werden die Parasiten aktiv. Wer sich häufig in Wald, Wiesen oder Gärten bewegt, sollte auf lange Kleidung und festes Schuhwerk achten. „Und am besten den Körper absuchen, wenn man nach Hause kommt“, rät der Haderslebener Arzt.

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Mit einer einfachen Zeckenzange lassen sich die Tiere selbst entfernen. Wichtig: nicht quetschen, sondern dicht an der Haut fassen und langsam herausziehen. Danach die Stelle desinfizieren – und beobachten. „Ein Zeckenbiss allein ist noch kein Grund, die Praxis aufzusuchen. Entscheidend ist, wie sich die Hautstelle danach entwickelt“, sagt Kley. „Wenn sie anschwillt, sich entzündet oder ein typischer roter Ring entsteht, sollte man zum Arzt gehen.“

Hans-Iver Kley, Hausarzt in Hadersleben, Kommunalpolitiker der Schleswigschen Partei und aktives Mitglied der deutschen Minderheit (Archivbild)

Zecken kein Grund zur Panik

Dass Zeckenstiche bei vielen Menschen Sorgen auslösen, kann Kley nachvollziehen – hält die Angst aber für überzogen. Laut dänischen Gesundheitsinformationen führt nur etwa jeder 50. Zeckenbiss zu einer Borreliose – und noch deutlich weniger zu einer Hirnhautentzündung durch FSME.

Für Nordschleswig gelte deshalb: Wachsam sein ja, Panik nein.

Zeckenkrankheiten in Dänemark

Borreliose

FSME / TBE (Frühsommer-Meningoenzephalitis)