Demokratie

Deutscher Botschafter versichert Dänen: Deutsche Demokratie nicht in der Krise

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Pascal Hector
Pascal Hector verwies auf die „stabile Mitte in der deutschen Politik“ (Archivbild).

Unter der Überschrift „Quo Vadis, Deutschland und Europa“ wurde an der Kopenhagener Universität über die bevorstehende Bundestagswahl diskutiert. Deutschlands Botschafter Pascal Hector zeigte sich fest davon überzeugt, dass es nach der Wahl eine handlungsfähige Regierung geben wird. In der Mitte und im Herzen Europas.

Der deutsche Botschafter in Dänemark, Professor Pascal Hector, hat energisch bestritten, „dass sich die deutsche Demokratie in einer Krise befindet.“ Dies erklärte er bei einer „deutschen Wahlveranstaltung“ in der Kopenhagener Universität, die von „Det Udenrigspolitiske Selskab“ (DUS) gemeinsam mit der deutschen Botschaft und dem Fernsehsender „DK4“ durchgeführt wurde. Der Botschafter: „Gerade in diesen Wochen erleben wir eine funktionsfähige und lebendige Demokratie mit einer vielseitigen Diskussion über die Zukunft des Landes, auch mit unterschiedlichen Lösungsvorschlägen. Das ist Demokratie.“

Pascal Hector verwies auf die „stabile Mitte in der deutschen Politik“, die nach seiner Ansicht am 23. Februar „auch die größte Zustimmung finden wird“. „Obwohl es heute eine größere Herausforderung ist als vor 25 Jahren, eine Mehrheit zu etablieren, bin ich fest davon überzeugt, dass es nach der Wahl eine handlungsfähige deutsche Regierung geben wird.“

Dänemark Nachbar, Alliierter und Freund

Podiumsdiskussion zur Frage „Quo vadis, Deutschland und Europa“ vor der Bundestagswahl an der Kopenhagener Universität mit Marc-Christoph Wagner, Jesper Vind und Siegfried Matlok unter der Leitung von Charlotte Flindt Petersen (von links nach rechts).

In seiner Orientierung über die Lage der deutschen Politik unterstrich der Botschafter gegenüber dem zahlreich erschienenen Publikum, es gehe darum, dass Deutschland die Probleme – er nannte dabei die Migrationsfrage, die Schuldenbremse und den Ukraine-Krieg – gemeinsam mit seinen Nachbarn in Europa lösen muss. „Und wir haben das Glück, dass wir nicht nur Nachbarn sind, sondern auch Alliierte und Freunde. Das deutsch-dänische Verhältnis steht am 23. Februar nicht zur Abstimmung“, so der Diplomat, der sich – ungeachtet des Wahlergebnisses – eine Fortsetzung der engen und guten deutsch-dänischen Zusammenarbeit wünscht, trotz der Herausforderungen der internationalen Rechtsordnung durch Großmächte. Aktuell fügte er hinzu: „Unser Verhältnis zu unseren alten Alliierten steht vor einer Bewährungsprobe.“

Botschafter: Die EU so wichtig wie nie zuvor

Besonders erfreut zeigte sich der Botschafter darüber, dass Dänemark in den vergangenen Jahren „immer enger ins europäische Zentrum gerückt sei“. Das gelte nicht nur für die Regierung, sondern auch für die dänische Bevölkerung, und deshalb zog der Botschafter als Fazit: Die EU ist heute so bedeutsam wie nie zuvor. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig festzustellen, dass alle Parteien, die eine realistische Chance auf eine Regierungsbeteiligung haben, sich so stark für ein arbeitsfähiges Europa einsetzen. „Deutschland wird unverändert eine offene und starke Demokratie in der Mitte Europas, im Herzen Europas bleiben“, versicherte der Botschafter seinen Zuhörern unter Beifall.

Anschließend gab es unter der Leitung von DUS-Direktorin Charlotte Flindt Petersen eine lebendige Diskussion über die deutsche Politik vor und nach der Bundestagswahl zwischen dem Deutschland-Experten von „Weekendavisen“, Jesper Vind, dem langjährigen ARD-Korrespondenten in Skandinavien, Marc-Christoph Wagner, heute Redakteur des Louisiana-Channels, und dem früheren Chefredakteur Siegfried Matlok, auch als Ratsmitglied der Außenpolitischen Gesellschaft.