Deutsche Minderheit

Das sind die Herausforderungen für deutsche Vereine in Sonderburg

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Die BDN-Bezirksvorsitzende Ruth Nielsen bei ihrem Jahresbericht im Deutschen Museum Sonderburg 2025

In Sonderburg wächst die deutsche Minderheit, doch bei vielen Veranstaltungen sitzen fast nur noch Mitglieder über 60 Jahre im Saal. Ruth Nielsen berichtet, wie Vereine trotzdem um Familien werben, warum Lunden ein Schlüsselort bleibt und was die Gemeinschaft zusammenhält.

Ruth Nielsen ist Bezirksvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und blickt zuversichtlich auf die deutsche Minderheit in der Kommune Sonderburg. Im Gespräch erklärt sie, warum jüngere Mitglieder bei Veranstaltungen fehlen, wie die drohende Schulschließung in Lunden die Gemeinschaft prägte, und warum sie sich weiterhin engagieren will.

Mitgliederzahlen explodieren, junge Gesichter fehlen

Der BDN Ortsverein Sonderburg verzeichnete im vergangenen Jahr einen massiven Zuwachs. „Im BDN-Ortsverein Sonderburg haben wir rund 500 Mitglieder mittlerweile. Das ist explodiert", sagt Nielsen. Die neuen Mitglieder seien überwiegend Zugezogene, vor allem Eltern, deren Kinder die Deutsche Schule Lunden besuchen. „Da hat die Schulleitung in Lunden sehr großen Einsatz gezeigt, und die Eltern haben bewiesen, wie sehr sie hinter ihrer Einrichtung stehen“, erklärt die Vorsitzende. 

Doch trotz steigender Mitgliederzahlen kämpfen die insgesamt elf deutschen Vereine in der Kommune Sonderburg mit einem Problem. „Bislang waren wir meist 60 plus bei Veranstaltungen, mittlerweile sind wir fast 70 plus. Und da fehlen halt einfach neue, jüngere Leute“, beschreibt Nielsen die Situation. 

Für eine Veranstaltung im Naturcenter auf Kjer Vestermark hätten sich vergangenen Sommer beispielsweise nur zwei Familien angemeldet. „Die Veranstaltung sollte um 17 Uhr beginnen und war auf Familien zugeschnitten. Aber sie fand am Ende wegen zu wenig Anmeldungen nicht statt.“

Familien haben andere Prioritäten

Beim Sommerfest der deutschen Vereine in Sonderburg informiert Ruth Nielsen zusammen mit anderen BDN-Mitgliedern über das Angebot der deutschen Minderheit (Archivbild).

Die Vorstandsmitglieder der elf deutschen Vereine in der Kommune diskutieren regelmäßig über die fehlende Beteiligung jüngerer Generationen. „Es ist schwierig. Wenn ich an Familie denke, weiß ich, die haben viel um die Ohren“, zeigt Nielsen Verständnis. Eltern müssten Beruf, Kinder und Fahrdienste unter einen Hut bringen und hätten wenig Zeit für Veranstaltungen am Nachmittag.

„Bei den Vorstandssitzungen und der Generalversammlung stellt sich immer die gleiche Frage: wie sprechen wir die Mitglieder an, damit Veranstaltungen mit mehr Teilnehmern durchgeführt werden können“, schildert die Bezirksvorsitzende. 

Die Vereine versuchen, durch neue Angebote und verstärkte Zusammenarbeit mehr Menschen zu erreichen. Der BDN Ortsverein Sonderburg organisiert beispielsweise mittlerweile gemeinsame Veranstaltungen mit dem BDN Fördekreis. 

Schulschließung schweißte Gemeinschaft zusammen

Die drohende Schließung der Deutschen Schule Lunden mobilisierte die deutsche Minderheit in der Kommune. „Als es darum ging, ob die Schule geschlossen werden soll oder nicht, da gab es einen Rückhalt ohnegleichen. Also das war richtig, richtig toll“, erinnert sich Nielsen.

Der Zusammenhalt zeigte sich auch im Bezirksvorstand. Die Diskussionen seien sachlich und konstruktiv gewesen. „Wir haben uns schon überlegt, was passiert, wenn die Schule geschlossen werden würde. Was gäbe es dann auf Nordalsen noch?“, beschreibt sie die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Situation. Die Rettung der deutschen Institutionen in Lunden durch ein gutes Konzept habe für die Minderheit große Bedeutung.

Ruth Nielsen blickt im Interview auch auf die Rolle der Schleswigschen Partei (SP) und die Situation im Stadtrat in Sonderburg. Seit Januar 2026 hat die deutsche Minderheit nur noch einen Sitz, statt drei Sitze im Stadtrat. „Wir haben damit gerechnet, dass wir weniger Stimmen erhalten. Jetzt haben wir mit Kirsten Bachmann eine engagierte SP-Frau im Stadtrat, und die breite politische Einigung im Stadtrat ist nicht zuletzt ein Verdienst der SP.“ 

Alle Beteiligten gehen optimistisch an die Sache heran. Wenn Probleme auftreten, reden wir darüber und packen sie gemeinsam an.

Ruth Nielsen

Die Zusammenarbeit innerhalb der SP Sonderburg sei gut, „und das trägt auch dazu bei, dass wir hier eine so gute deutsche Gemeinschaft haben“, betont Nielsen. 

Optimismus und gute Zusammenarbeit als Erfolgsrezept

Nielsen sieht mehrere Gründe für das Gedeihen der deutschen Minderheit in Sonderburg. „Alle Beteiligten gehen optimistisch an die Sache heran. Wenn Probleme auftreten, reden wir darüber und packen sie gemeinsam an.“ 

Verschiedene Vereine hätten sich erfolgreich weiterentwickelt. „Wenn ich an TS Sonderburg denke, die haben sich enorm erneuert, damals mit Rhönrad und jetzt mit der Tischtennis-Sparte“, nennt Nielsen ein Beispiel. Auch die Zusammenarbeit zwischen Sozialdienst und Förderkreis funktioniere gut. 

Jubiläum und Musical als Höhepunkte

Die 70-jährige Bezirksvorsitzende lebt in Sonderburg und hat bis 2019 als Redakteurin und Journalistin für den „Nordschleswiger“ in Sonderburg gearbeitet.

Für 2026 plant die deutsche Minderheit in Sonderburg mehrere Veranstaltungen. Die Deutsche Schule Sonderburg feiert im Oktober ihr 80-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest. „Das ist einer der Höhepunkte“, freut sich Nielsen. Die deutschen Vereine beteiligen sich an dem Fest.

Ein weiterer Höhepunkt sei der Besuch des Musicals „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg. „Es ist jetzt drei Jahre her, dass wir eine Fahrt zu einem Musical organisiert haben“, sagt Nielsen. Für 950 Kronen seien Transport, Aufführung und Essen inklusive. Die Fahrt findet am 25. April statt.

Die Generalversammlung des BDN Bezirks Sonderburg beginnt am 19. März um 19 Uhr im Deutschen Museum in Sonderburg.

Freude an Gestaltung und Zusammenarbeit

Nielsen ist seit 2020 BDN-Bezirksvorsitzende. Sie möchte sich bei der Generalversammlung erneut zur Wahl stellen. Ein letztes Mal. „Das macht mir einfach Freude, so mitzugestalten“, begründet sie ihre erneute Kandidatur. Die Arbeit sei zeitlich manchmal sehr aufwendig gewesen, besonders im letzten halben Jahr wegen der drohenden Schulschließung. 

„Zeitaufwändig ist es. Ja. Aber es macht mir wirklich Freude, zusammenzuarbeiten", erklärt Nielsen ihre Motivation. Sie schätze es, zu wissen, was in anderen Vereinen passiert und wie die Minderheit in Sonderburg gedeihe. „Zu wissen, was in anderen Vereinen vor sich geht: Vielleicht ist das so die alte journalistische Nase, die noch in einem steckt“, beschreibt sie ihre Antriebskraft.