Grüne Umstellung

Dänische Biogasfirma möchte mit deutschem Know-how den Weltmarkt erobern

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Biocirc COO Kenneth Christian Hansen in der Anlage in Favrskov

Die Firma Biocirc betreibt in Hadersleben und sieben weiteren Standorten in Dänemark Biogasanlagen. Im vergangenen Jahr hat sie den Anlagenbauer North-Tec in Bredstedt zwischen Husum und Niebüll gekauft. Das vereinte Wissen gibt der Firma international eine einzigartige Position.

Wenn der Direktor der Biogasanlage in Favrskov bei Aarhus in den Feierabend geht, braucht niemand im Dienst zu bleiben, um die Anlage zu überwachen.

Sämtliche Prozesse werden von Bredstedt (Bredsted) aus ferngesteuert. Das gilt auch für die Anlage in Hadersleben (Haderslev) sowie für die übrigen sechs in Dänemark. 

„Dadurch schonen wir unser Personal und eröffnen die Möglichkeit für ein Exportabenteuer“, sagt Kenneth Christian Hansen, operativer Geschäftsführer (COO) von Biocirc, bei einem Besuch in Favrskov. 

Kauf von deutscher Firma ist zentral für Entwicklungspläne

Biocirc hat 2024 die Firma North-Tec in der Stadt zwischen Husum und Niebüll (Nibøl) gekauft und die eigene Firma integriert. Während Biocirc Anlagen betreibt, hat der deutsche Betrieb sie gebaut – zu einem kostengünstigen Preis. Das war einer der Gründe für den Kauf.

„Der andere Grund ist, dass sie eine Software hatten, auf der wir weiter aufbauen konnten“, so Hansen. 

Es ist die Weiterentwicklung dieser Software, die es der Biocirc-Abteilung in Bredstedt ermöglicht, die dänischen Biogaswerke fernzusteuern. Doch das ist bei Weitem nicht das Einzige, was sie kann. Der Geschäftsführer spricht von „Biogas 2.0“, bei dem Beschlüsse in höherem Maß von Daten gesteuert werden.

„Das gilt für die Wartung unserer Anlagen, Steuerung der Energieeffektivität wie auch die Überwachung der Bakterien in den Tanks.“

Einzigartiges Wissen

Und damit wären wir auch bei dem Grund dafür, dass Kenneth Christian Hansen an ein Exportabenteuer glaubt. North-Tec hat die Grundlage für die Software und das Know-how, wie man hochwertige Biogasanlagen baut, mitgebracht.

„Wenn wir die Kompetenzen auf der deutschen Seite mit unserer Erfahrung bei Betrieb und der Wartung von Anlagen kombinieren und eine gemeinsame Plattform einbauen, dann haben wir ein Wissen, das wir in die Welt hinaustragen können.  Dieses Wissen gibt es kaum woanders als in Dänemark.“

Biocirc setzt auf Nordamerika und Asien

Hansen sieht das Biogas neben Sonne und Wind als das dritte Standbein der Energiewende. Es ermögliche die notwendige Flexibilität in der Produktion.

„Das Gas kann für Zeiten ohne Sonne und Wind gespeichert werden. Und es kann in einer Reihe von Industrien sowie dem Transportsektor eingesetzt werden.“ 

Nach Hansens Einschätzung kann die Schifffahrt eine treibende Kraft für eine globale Nachfrage nach Biogas sein. Es sei nämlich die kostengünstige Alternative zu fossilen Brennstoffen, die bereits von der EU beschlossen ist. 

Kenneth Christian Hansen sieht eine gute Zukunftsmöglichkeiten für Biocirc.

„Ich denke, wir werden in Asien, Nordamerika und Europa präsent sein.“

Fernsteuerung öffnet neue Möglichkeiten

Dabei kommt Biocirc die von der Firma entwickelte Fernsteuerung zugute. Sie ermöglicht die Errichtung von Anlagen auch in entlegeneren Gegenden.

„Damit benötigen wir nicht unbedingt hochausgebildetes Personal vor Ort“, sagt der Geschäftsführer.

Anzeige in Hadersleben

Doch nicht überall ist die Biogasfirma gleich willkommen. Die Kommune Hadersleben wirft ihr vor, in der Anlage in Sode doppelt so viel Biomasse angenommen zu haben, als ihr genehmigt worden ist. Die Kommune hat sie deswegen angezeigt. Jetzt versichert Biocirc, man habe gelernt. Man müsse sich den lokalen Verhältnissen und Vorgaben anpassen. 

„Wir müssen auch kommunizieren, was wir lösen. Die Gülle muss unter allen Umständen vom Stall aufs Feld transportiert werden. Und da ist es schlauer, sie vorher durch eine Biogasanlage zu schicken“, so der COO. 

Die Deutsch-Dänische Handelskammer hat Biocirc 2025 den Preis „German-Danish Newcomer of the Year“ verliehen.