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Dänemarks zweitgrößter Bahnbetreiber vor dem Aus

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Der Bahnbetreiber GoCollective bedient rund 25 Prozent des dänischen Schienennetzes und befördert etwa zehn Millionen Fahrgäste pro Jahr (Archivbild).

Die Regierung greift durch: Transportminister Thomas Danielsen will den Vertrag mit GoCollective kündigen. Betroffen ist auch die Verbindung Esbjerg – Tondern – Niebüll, die für Pendelnde und Reisende in Nordschleswig eine zentrale Rolle spielt. Welche Gründe hinter der Entscheidung stehen, und wie es jetzt weitergeht.

GoCollective (bis 2023 unter dem Namen Arriva bekannt) betreibt rund ein Viertel des dänischen Schienennetzes – darunter die Westküstenlinie Esbjerg – Tondern (Tønder) – Niebüll (Nibøl). Wegen wiederholter Verspätungen und Ausfälle hat Transportminister Thomas Danielsen (Venstre) nun angekündigt, den Vertrag mit dem Unternehmen zu beenden und die Züge an DSB (Dänische Staatsbahnen) zu übergeben.

„GoCollectives Zugbetrieb ist äußerst unzureichend. Meine Zuversicht, dass das Unternehmen seine Probleme in den Griff bekommt, ist weg“, so Danielsen. Laut dem Transportminister laufen bereits Verhandlungen über eine „friedliche Übertragung“ der Verträge – ein kostspieliger Prozess, der den Staat „viele Hundert Millionen Kronen“ kosten könnte. Andere Verkehrsverträge von GoCollective, etwa Bus- oder Hafenbuslinien, bleiben unberührt.

GoCollective – ein wichtiger Player auch für Nordschleswig

GoCollective transportiert jährlich etwa zehn Millionen Fahrgäste. Das Unternehmen betreibt mehrere Strecken in Mittel-, Süd- und Westjütland sowie auf Fünen. Die Linie Esbjerg–Tondern–Niebüll ist die einzige direkte Zugverbindung von Jütland nach Nordfriesland südlich der Grenze.

Probleme bei Pünktlichkeit und Ausfällen

GoCollective steht seit Langem in der Kritik wegen Verspätungen und Zugausfällen. Nach Unternehmensangaben lag die „Operatørpunktlighed“ – also die Pünktlichkeit bei Verspätungen, die GoCollective selbst zu verantworten hat – 2024 im Landesdurchschnitt bei 96,3 Prozent. Die „Kundepunktlighed“, die auch externe Faktoren wie Bauarbeiten, Signalstörungen oder Unwetter berücksichtigt, war mit 86,2 Prozent deutlich niedriger.

Auf der Westküstenstrecke von Esbjerg nach Niebüll war die operative Pünktlichkeit 2024 stabil über 96 Prozent und leicht besser als im landesweiten Schnitt. Nur im Juni 2025 rutschte sie mit 94,8 Prozent unter den Vorjahreswert – lag aber immer noch über der landesweiten Pünktlichkeit von 93,8 Prozent. Allerdings mussten auf Teilabschnitten der Strecke auch in diesem Jahr mehrfach Ersatzbusse („Togbusser“) eingesetzt werden, vor allem wegen Materialschäden.

Minister hofft auf schnellen Übergang

GoCollective beschäftigt über 2.000 Menschen und ist seit 1997 Teil des dänischen Nahverkehrs. Der Konzern gehört seit 2023 der deutschen Beteiligungsgesellschaft Mutares, die ihn von der Deutschen Bahn übernommen hat. Jakob Bro, Sprecher der Lokführenden bei GoCollective, zeigte sich überrascht von den Zukunftsplänen: „Wir wissen, dass wir derzeit nicht liefern, was wir sollen. Aber wir leisten enorme Arbeit, und unsere Probleme – vor allem beim Material – sind auf dem Weg, sich zu bessern.“

Transportminister Danielsen nannte bislang kein Datum für die Übernahme durch DSB, hofft aber auf eine möglichst schnelle Umsetzung.

Fakten zur Strecke Esbjerg–Tondern–Niebüll