Sport

Bewegend: Wie Tischtennis Körper und Sprache trainiert

Veröffentlicht Geändert
Bernd Lorenzen (links) und Markus Herschbach, der eigentlich vom Tennis kommt. Tischtennis geht aber nicht so auf die Knochen, sagt er.

Gerade jetzt zum Jahresbeginn wollen viele ihre guten Vorsätze für mehr Sport umsetzen. Der eine oder die andere ist da schon weiter und spielt zum Beispiel Tischtennis im MTV in Apenrade. Dort trainieren verschiedene Generationen. Wie der Ballsport Jugendliche und Ältere verbindet, warum die Gruppendynamik im MTV besonders ist und weshalb Tischtennis sogar die Sprache trainiert.

In der Turnhalle ist ein stetiges Ping-Ping zu hören, asynchron, denn gespielt wird an fünf Tischtennisplatten. Sie stehen nebeneinander aufgereiht in der Halle. Immer wieder Gelächter: Triumphierend, wenn ein Ball besonders gut war. Fröhlich, weil einer eine lustige Grimasse schneidet. Oder einfach, weil sie hier beim Tischtennistraining eine gute Zeit haben.

Man fühlt sich fast ein bisschen zurückversetzt in die Jugendzeit. Als im Hobbykeller oder im Garten eine Tischtennisplatte stand, an der man sich mit Familie und Freunden die Zeit vertrieb und einfach Spaß hatte.

Was auffällt: Die Erwachsenen-Sparte im Tischtennis des MTV (Mein Turnverein Apenrade) ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe. Auch Jugendliche dürfen mittrainieren, zwei sind an diesem Abend dabei. Einen Aspekt, der sie verbindet, fasst Bernd Lorenzen zusammen; groß, drahtig, graue Locken, offenes Gesicht.

„Es gibt hier kein Konkurrenzdenken. Man freut sich auch, wenn der Gegner einen guten Ball schlägt. Das ist eine tolle Truppe hier“, erzählt er zwischen Aufwärmen und Bälle vom Boden einsammeln. Ein Gute-Laune-Sport sei das, sagt er.

Der sportliche Aspekt ist es auch, der den 63-jährigen Tom Sander zum Tischtennis gebracht hat. Er stammt aus der dänischen Mehrheitsbevölkerung, ist 1996 von Kopenhagen nach Nordschleswig gezogen. Die Frage unserer Reporterin, ob er Deutsch oder Dänisch sprechen möchte, beantwortet er zunächst etwas zurückhaltend: „Lieber Dänisch.“

Teilweise zischen die Bälle so schnell über die blauen Tische, dass man sie mit einer normalen Kamera kaum einfangen kann.

Der sportliche Aspekt ist ein weiterer, der die Vereinsmitglieder hierher treibt – wenngleich die Gründe unterschiedlicher Natur sind. Tom Sander hat früher Fußball gespielt. Der Podologe will nach der Arbeit etwas machen, was ihm Spaß und ihn in Bewegung bringt. „Deswegen“, sagt Tom Sander mit einem Augenzwinkern und deutet mit dem Finger auf seine Körpermitte.

Gespielt wird immer wieder in neuen Zweier-Teams: hier trainieren Tom Sander und die 12-jährige Thea Schubert.

„Ich habe auch Linedance probiert und Schwimmen. Hier bin ich hängengeblieben“, erzählt der 63-Jährige.

Seiner Trainingspartnerin Thea Schubert geht es ähnlich: Auch sie hat verschiedene Sportarten ausprobiert. Darunter Handball und rhythmische Sportgymnastik. „Da war es dann aber so, dass ich mich bei einigen Übungen nicht getraut habe. Und dann wird es schnell langweilig“, sprudelt es aus der Schülerin der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA) heraus. Zu Beginn wollte sie gar nicht erzählen.

Das fällt auch bei Tom Sander auf. Während des Trainings spricht er dann doch immer häufiger Deutsch: mit seiner Trainingspartnerin und mit unserer Reporterin. „Deshalb bin ich ja auch hier, um Deutsch zu trainieren und zu praktizieren.“ Und ganz offenbar nimmt ihm das Tischtennistraining nach und nach die Hemmschwelle: Die schwere deutsche Sprache geht ihm plötzlich ganz leicht über die Lippen.

Thea gefällt an der Tischtennis-Gruppe, dass sie altersmäßig gut gemischt ist und man immer wieder mit anderen trainiert und von ihnen lernen kann, wie sie sagt.

Neuanfang beim Tischtennis

Während Tom Sander und Thea Schubert an der Platte abwechselnd Grimassen schneiden und sich gegenseitig ordentlich auf Trab halten, schlägt am anderen Ende der Halle Kurt Seifert mit konzentriertem Blick Bälle über das Netz. Er ist 74 Jahre alt und hat diverse Erkrankungen, wie er erzählt, und ist zum zweiten Mal beim Tischtennis dabei. „Jan hat gesagt, ich soll doch mal vorbeikommen. Das hier bringt den Puls hoch und das ist, was ich brauche“, sagt Kurt Seifert.

Jan, das ist Jan Peters, der sich unter anderem ehrenamtlich im Vorstand des MTV engagiert, die Tischtennis-Sparte dort aufgebaut hat und die Gruppe normalerweise trainiert. „Es ist ein sehr attraktiver Sport, der gut für die Motorik und die Koordination ist. Und ein Sport, den man bis ins hohe Alter betreiben kann“, erklärt Jan Peters. 

Beobachtet man die Trainierenden, dann wird schnell klar: Tischtennis ist nicht nur ein Gute-Laune-Sport. Er bringt alle auch ordentlich ins Schwitzen. 

Kurt Seifert reicht es dann auch nach einer Stunde: Genug für den Anfang, sagt er. Er schaut den anderen aber zu.

Kurt Seifert hat früher Badminton gespielt. Jetzt probiert er Tischtennis aus.

Nach etlichen Gesprächen zwischen Top-Spin – einer der komplexesten Schläge beim Tischtennis – Trippeln an der Platte und Bälle einsammeln wird deutlich, was diese Gruppe auszeichnet: Egal welches Alter, sie können alle voneinander lernen. Sich zusammen bewegen und Spaß haben. Ja, sogar besser in einer Fremdsprache werden.

Am Ende fasst es Tom Sander so zusammen: „Mit den Menschen in dieser Gruppe hier würde ich so im normalen Leben ja nicht zusammenkommen. Verschiedenen Generationen – das ist cool!“