Kultur

Anne Lildholdt Jensen schließt ihre Galerie in Apenrade – öffnet aber andere Türen

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Seit gut einem Jahr bittet die Apenrader Künstlerin Anne Lildholdt Jensen Interessierte in ihr Atelier. Im Dezember macht sie damit Schluss.

Seit mehr als 20 Jahren hat Anne Lildholdt Jensen sich und anderen Kunstschaffenden in Galerien und Ateliers in Apenrade einen Raum gegeben. Ihr Atelier in der Søndergade will sie im Dezember schließen: eine Reaktion auf die unsicheren Zeiten. Mit der Kunst soll aber nicht Schluss sein – allein schon wegen eines besonderen Kirchen-Projekts.

Anne Lildholdt Jensen steht vor einem Bücherregal in ihrem Atelier, in dem auch ihre Werkstatt ist. Das Regal ist deutlich höher als sie selbst. Meterweise Bücher stapeln sich dort. Die oberen kann sie nur mit einem Tritt oder einer Leiter erreichen. „Das muss ich alles durchsehen, aussortieren“, sagt die Künstlerin. Bis Ende Dezember hat sie dafür noch Zeit. Dann wird sie die Türen ihres Ateliers schließen.

Die Apenraderin ist erst seit dem vergangenen Jahr in der Søndergade. Zuvor hatte sie ihre Kunst und die anderer an anderen Standorten in Apenrade gezeigt: Seit mehr als 20 Jahren schon. Doch die geopolitische Lage, die Unsicherheit spürt Anne Lildholdt Jensen inzwischen deutlich. Zu deutlich. 

Ich habe immer viel für andere Künstlerinnen und Künstler getan. Jetzt ist es Zeit, mehr an mich selbst zu denken.

Anne Lildholdt Jensen

Sie hatte versucht, andere Kunstschaffende für ihr Atelier mit ins Boot zu holen. Doch das klappt nicht. „Die Leute sagen ja nicht, warum sie nicht wollen. Ich denke, es ist die Unsicherheit. Das ist auch ein Grund, warum die Leute weniger Kunst kaufen.“

Seit 1998 arbeitet Anne Lildholdt Jensen als freischaffende Künstlerin, sagt sie. Neben ihrem Job als Lehrerin am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN).  

Momentan zeigt Anne Lildholdt Jensen in ihrem Atelier Etch noch bis zum 8. November eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Ilka Habrich.

„Ich habe immer viel für andere Künstlerinnen und Künstler getan. Jetzt ist es Zeit, mehr an mich selbst zu denken“, erzählt sie. Auch für ihre Familie will sich die Künstlerin mehr Zeit nehmen. Ihr Mann ist vergangenes Jahr im November gestorben, ihre Schwester krank. 

Doch es gibt auch Grund zur Freude: „Meine jüngste Tochter ist wieder nach Apenrade gezogen. Im Februar nächstes Jahr erwartet sie ein Kind.“ Deshalb will sie jetzt flexibler, nicht mehr so an die Öffnungszeiten eines Ateliers gebunden sein. 

„Jetzt muss ich nur noch sehen, wohin mit all meinem Kram“, sagt sie und lacht. 

 

Ein bisschen wird sie das Atelier vermissen, erzählt Anne Lildholdt Jensen. Doch sie freut sich auch darauf, flexibler zu sein. Malen zu können, wann immer sie will. Und sie freut sich auf das, was im nächsten Jahr kommt: „Der Verband für Bildende Künstler hat ein Projekt mit sogenannten Straßenkirchen vorgeschlagen. Das sind Kirchen, die dicht an einer Straße liegen und oft andere Öffnungszeiten haben.“

Meterweise Bücher: Das Aussortieren fällt Anne Lildholdt Jensen schwer.

Was genau sie dazu machen will, weiß sie noch nicht. Klar ist: Die Apenraderin hat sich die Kirche in Loit (Løjt) als Projektionsfläche für ihre Kunst ausgesucht. Und überlegt, mit einer Jazz-Musikerin aus Berlin zusammenzuarbeiten. 

Pop-up und Finissage 

Doch erst mal gibt es noch viel zu tun im Atelier und der Werkstatt in der Søndergade. Die aktuelle Ausstellung „Spor og Ekko“ läuft noch bis zum 8. November. „Dann mache ich eine Finissage, und wir feiern ordentlich!“ Für ihre Skulpturen aus Ton will Anne Lildholdt Jensen eventuell im Hinterhof einen Pop-up-Store einrichten. 

Und so wie die Kunst ein Prozess ist, ist es auch ihr künstlerischer Weg: Nach unserem Gespräch informiert Anne Lildholdt Jensen den „Nordschleswiger“, dass ihr Vermieter ihr die Räumlichkeiten zu einem günstigeren Preis angeboten hat. Das Atelier will die Künstlerin trotzdem schließen. Vielleicht aber kann sie ihre Werkstatt erst mal  behalten. Die sei ihr immer besonders wichtig gewesen.