Deutsche Minderheit

360 Grad Nervenkitzel: Junger Magier greift nach den Karten

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Kjell Müller ist verzaubert von der Zauberei. Mit einem Weihnachtszauberkasten hat alles angefangen.

In der Deutschen Schule Hadersleben kennt man ihn als den Jungen mit den flinken Fingern: Kjell Müller aus Sommerstedt ist leidenschaftlicher Zauberer. An der Supermarktkasse lässt er Münzen verschwinden – und auf der Bühne Herzbuben sprechen. Jetzt bereitet er sich auf seine größte Herausforderung vor.

Kjell Müller ist kein gewöhnlicher Teenager, sondern ein Meister der Illusion. Angefangen hat alles mit einem Zauberkasten zu Weihnachten in seinem Heimatdorf Breckerfeld in Nordrhein-Westfalen. Seit dreieinhalb Jahren lebt Kjell nun mit seiner Familie in Sommerstedt und besucht die Deutsche Schule Hadersleben (DSH). Die Magie ist mit ihm nach Dänemark eingewandert – und längst zur Leidenschaft geworden.

Magie ohne Ende

Zaubern ist für Kjell mehr als ein Hobby. „Ich übe, wann immer mir danach ist.“ Täglich mehrere Stunden. Selbst in der Schulpause zückt er die Karten – oder lässt beim Warten an der Supermarktkasse die Münzen tanzen und verschwinden.

Vom Kartentisch auf die große Bühne

Sein Herz schlägt für die „Close-up-Magie“-Tricks, bei denen die Zuschauenden ganz nah dran sind und trotzdem nichts durchschauen. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Vorjahr in Landau trat Kjell in dieser Kategorie an. Einen Platz auf dem Treppchen gab es (noch) nicht. „2025 ist meine letzte Chance, danach bin ich zu alt“, sagt er. Und als wäre das nicht Herausforderung genug, plant er für 2027 seine erste abendfüllende Soloshow im Raum Köln.

Der allererste Auftritt ist allerdings schon eine Weile her. Kjell war damals zwölf und zauberte auf der Hochzeit seiner Schwester. „Ich stand in der Mitte, umgeben von Publikum – 360 Grad. Ein Horrorauftritt!“ sagt er rückblickend. „Das Kartenspiel ist mir heruntergefallen.“ Was er daraus gelernt hat: Mit Fehlern umzugehen.

Drei bis fünf Stunden übt der DSH-Schüler – täglich. Wo er geht und steht.

Deutsch denken, Deutsch zaubern

In Dänemark hat Kjell sich als Zauberer noch keinen Namen gemacht. „Ich habe es mal auf Dänisch versucht, aber das fühlte sich nicht richtig an.“ Lieber zaubert er auf Deutsch – oder Englisch, wenn’s sein muss. Seine Zielgruppe: eher Teenager und Erwachsene. 

Kjell macht sein eigenes Ding

Kjells Familie unterstützt den „Zauberlehrling“ aus Leidenschaft. „Meine Eltern fahren mich durch ganz Deutschland“, sagt er. Besonders wichtig: der jährliche Jugendworkshop des Magischen Zirkels in Bielefeld – eine Art Hogwarts-Wochenende, allerdings ohne fliegende Besen. Dort tauscht sich Kjell mit anderen Nachwuchszauberern aus, lernt Tricks von Profis – und gibt selbst Tipps. Ein Vorbild hat er nicht. Das hat seinen Grund. „Ich möchte meinen eigenen Stil finden.“

Manchmal trifft Kjell mit seiner Magie mitten ins Herz. Bei einem seiner Kunststücke für Paare – mit Herzdame und Herzkönig, die zu einer Karte verschmelzen – reagierte eine ältere Dame mit Tränen in den Augen. „Das war schon ein besonderer Moment.“

Magischer Alltag

Ob Bühne oder Pausenhof, ob Kartentrick oder Münzillusion – für Kjell Müller ist die Magie Alltag. Wer weiß: Vielleicht heißt die nächste große Zaubersensation ja nicht Copperfield, sondern Kjell.

Die Close-up-Magie hat den 16-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen von Kindesbeinen an fasziniert.