Wort zum Sonntag

„Mit der Hoffnung rechnen!“

Mit der Hoffnung rechnen!

Mit der Hoffnung rechnen!

Pastorin Dorothea Lindow
Dorothea Lindow
Tondern/Tønder
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Das Wort zum Sonntag, 23.06.2024, von Pastorin Dorothea Lindow, Tondern.

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
stöhnt der Fußballfan, als die gegnerische Mannschaft kurz vor Spielende zum Ausgleich trifft. In einem Wechselbad der Gefühle bangt und hofft er, schreit, jubelt, jammert. Wird es gelingen? Wird sich die Hoffnung erfüllen?

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
sagt sich immer und immer wieder der schwer kranke Mann, während er im Krankenhaus auf den Arzt wartet: „Hoffentlich springe ich dem Tod noch einmal von der Schippe!“

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
fleht die junge Frau. So lange schon verliebt, ob es noch funkt zwischen ihnen beiden? Jeden Blick von ihm deutet sie, jede Berührung elektrisiert sie. Habe ich eine Chance bei ihm? Soll ich den Anfang machen?

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
sagen sich so viele, gucken gebannt in den Himmel, in die Wettervorhersagen. Nachdem nun schon das Knivsbergfest ausfallen musste, doch nicht auch noch Sankt Hans! Wird das Wetter halten?

Die Hoffnung stirbt zuletzt, behauptet doch tatsächlich dieses Sprichwort. 
Ein Leben ohne Hoffnung ist vermutlich kaum zu ertragen. Denn ein Leben ohne Hoffnung rechnet nicht mit einer (guten) Zukunft.

Was hält mich noch, wenn die Hoffnung gestorben ist? Was hält mich, wenn ich keine Hoffnung mehr in mir spüre?

Diese Frage stellt sich für den Apostel Paulus nicht. Denn er behauptet steif und fest: 
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. (1.Kor 13,13a),  

Paulus‘ Überzeugung fußt auf seiner eigenen Lebenserfahrung. Er hat so viel durchgemacht, das würde bequem für zwei reichen. Zunächst hatte er voller Engagement Christen verfolgt. Doch dann erlebte Paulus sein Damaskus. Im wörtlichen Sinn war es für ihn umwerfend, ist zum Sprichwort geworden für etwas, was alles auf den Kopf stellt, was bisher galt. Paulus wurde durch sein Damaskuserlebnis zum Christ, mit einer Vehemenz, die allumfassend war. Schiffbruch, Verfolgung, Gefängnis wurde Teil seines Lebens, immer in dem Bemühen, Menschen für Christus zu begeistern. 
Selbst, wenn Paulus ganz unten war, die Hoffnung gab er nie auf.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, das gibt das Erleben mancher Menschen wieder. Wie traurig muss das sein, wie groß die Verzweiflung, wenn ich keine Hoffnung mehr spüre.

Mit der Hoffnung darf man rechnen. So sah Paulus das. 

In den Momenten meines Lebens, in denen meine Hoffnung verschüttet ist, wünsche ich mir, dass Paulus sich in meine Gedanken einmischt und mir immer und immer wieder zuflüstert:

„Dorothea, mit der Hoffnung kannst Du rechnen. Denn ich sage dir: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.“

Und ich schaue auf mein Leben mit allem, was es reich macht, und ich hoffe.

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