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Solarbranche in Schleswig-Holstein boomt – auf bescheidenem Niveau

Solarbranche in Schleswig-Holstein boomt – auf bescheidenem Niveau

Solarbranche in SH boomt – auf bescheidenem Niveau

Margret Kiosz/shz.de
Flensburg
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Schleswig-Holstein meldet das größte Wachstum an Solaranlagen unter den Flächenländern. Foto: Patrick Pleul

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Eine Solarpflicht für alle Gebäudedächer in Schleswig-Holstein würde rund 25.000 Megawatt bringen. Eine Gemeinde im Kreis Steinburg liegt bei den Zuwächsen im bundesweiten Vergleich auf Platz zwei.

Noch vor zehn Jahren meinten Energiemanager, die Förderung von Solarparks in Nordeuropa sei „so sinnvoll wie in Alaska Ananas zu züchten“. Hierzulande sei die Sonnenausbeute viel zu gering. Die Zeiten haben sich geändert – nicht zuletzt dank des technischen Fortschritts. Dass man mit den glitzernden Paneelen inzwischen auch bei uns Geld verdienen kann, bezeugen nicht nur die riesigen Solarparks entlang der Autobahnen.

Auch ein Blick in die Statistiken der Bundesnetzagentur zeigt, dass der Norden aufholt. Schleswig-Holstein war im vergangenen Jahr das Flächenland mit dem stärksten prozentualen Zubau von Solaranlagen. Der Bestand hat sich 2022 um 20,1 Prozent erhöht, in Bayern nur um zehn Prozent, in Baden-Württemberg gerade mal um elf. Trotzdem liegen die beiden Südländer im Vergleich zum Norden nach wie vor weit vorn.

Beide kommen auf jeweils etwa eine Viertelmillion Photovoltaik-Anlagen. Schleswig-Holsteins letztjähriger Kraftakt hat den Bestand auf bescheidene 18.600 erhöht. Selbst wenn Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ihre Wachstumsraten beibehalten (20 und 11 Prozent), würde das nördliche Bundesland auch nach 20 Jahren noch um eine runde Million Anlagen hinter dem Südwesten liegen.

Krempe im Kreis Steinburg bundesweit Zweiter

Für 2050 Gemeinden in Deutschland hat Selfmade Energy, ein Vergleichsportal für Solaranlagen, die Fotovoltaik-Zuwächse ausgewertet. Ohne Berücksichtigung von sogenannten Balkonanlagen landete die Gemeinde Krempe im Kreis Steinburg mit einem Ausbauplus um 57 Prozent im bundesweiten Ranking auf Platz zwei, berichtet Welt-Online. Besser war nur Creuzburg in Thüringen mit 106 Prozent.

Kiel und Lübeck unter ferner liefen

Beim Vergleich der installierten Leistung pro Einwohner in den 70 größeren Städten rangieren allerdings Kiel und Lübeck laut Bundesnetzagentur unter ferner liefen. In der Landeshauptstadt zum Beispiel sind nur 80 Watt pro Einwohner per Sonnenenergie erzeugt worden. Zum Vergleich: In Kaiserslautern waren es 2022 mehr als 660 Watt.

„In den Städten hat sich die Anzahl der Photovoltaik-Anlagen pro Einwohner innerhalb der letzten vier Jahre mehr als verdoppelt“, sagt Tim Rosengart von Selfmade Energy. Und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) meldet, 2022 habe die Photovoltaik um rund 28 Prozent zugelegt.

Nach einer Repräsentativbefragung des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des BSW liebäugeln drei Viertel aller privaten Hausbesitzer, die über ein geeignetes Dach verfügen, mit einer eigenen Solaranlage, jeder Fünfte plant diese sogar bereits in den kommenden 12 Monaten. „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, wir erwarten einen länger anhaltenden Solarboom – getragen vor allen von Privathaushalten“, freut sich BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Mehrwertsteuer für kleinere Anlagen entfällt

Kein Wunder: Für Installationen bis 30 Kilowattpeak (kWp) Leistung wird seit Jahresanfang keine Mehrwertsteuer mehr fällig. Auch die Einspeisevergütung darf man steuerfrei kassieren. Für 2023 rechnet der BSW deshalb bei der Photovoltaik mit einem Marktwachstum von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2022: 7,7 Gigawatt, 2021: 6 GW neu installierte PV-Leistung).

Solarplatten auf sämtlichen Parkplätzen?

Auch Verbraucherschützer im Norden können sich kaum retten vor Anfragen zur Beratung zum Thema Photovoltaik. Die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) sieht ein „gigantisches Ausbaupotenzial“. Chef Klaus Wortmann hält „eine Vervielfachung der Stromerzeugung auf privaten Hausdächern für möglich“. Eine Verdoppelung der jetzigen PV-Fläche sei allein schon aus Klimaschutzgründen nötig.“ Dabei würde eine Solarpflicht für alle Gebäudedächer rund 25.000 MW bringen, Solarplatten auf sämtlichen Parkplätzen mit mehr als 100 Stellplätzen gut 1000 MW.

Umweltminister Tobias Goldschmidt freut sich derweil über den Etappensieg. „Windland sind wir schon, PV-Land wollen wir werden. Der aktuelle Spitzenplatz zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Doch wir wissen auch um die Herausforderungen, die noch vor uns liegen“, sagt der Grüne. Man arbeite mit Hochdruck an guten Lösungen.

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