Thema der Woche: Deutsch in Dänemark

Deutsche Spuren in der Hauptstadt

Deutsche Spuren in der Hauptstadt

Deutsche Spuren in der Hauptstadt

Kopenhagen
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Die Hirschsprungsche Sammlung im Park Østre Anlæg Foto: Walter Turnowsky

In dieser Woche bearbeiten wir beim „Nordschleswiger“ das Thema Deutsch-Dänisch. Daher besuchen wir diesmal bei unserem Rundgang durch Kopenhagen einige Orte, die einen deutschen Bezug haben.

Deutschland und Deutsche haben über die Jahrhunderte in vielfältiger Weise Dänemark und vor allem die Hauptstadt geprägt und beeinflusst. Bei unserem Rundgang durch Kopenhagen besuchen wir diesmal eine kleine Auswahl von „deutschen“ Orten.

Der logische Ausgangspunkt für einen solchen Rundgang ist die Sankt Petri Kirche im Herzen der Stadt. Die Lage fast direkt gegenüber des Kopenhagener Doms deutet schon an, welche Bedeutung die Kirche und die deutsche Gemeinde in ihrer langjährigen Geschichte gehabt haben.

Die Petri-Kirche: Symbol der langen deutschen Geschichte in Kopenhagen Foto: Walter Turnowsky

Die Sankt Peders Kirke ist im 13. Jahrhundert gegründet worden. 1304 wird sie zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Deutsch als Sprache der Macht

1585 hat König Frederik II. die Kirche der deutschen Gemeinde übertragen. Die Gemeinde ist vermutlich zehn Jahre älter. Die Kirche trägt von da an ihren heutigen Namen.

Sie entwickelte sich schnell zu einem Sammelpunkt der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Elite Kopenhagens. Denn in diesen Kreisen, wie auch am Königshof, sprach man Deutsch.

Im 17. Jahrhundert erteilte Christian IV. der Kirche weitere Privilegien, sodass sie den übrigen Kirchen gleichgestellt wurde. Jedoch wurde sie nicht auf eine Kirchengemeinde abgegrenzt.

Die Kirche war Treffpunkt der Reichen und Mächtigen. Foto: Walter Turnowsky

Die Bedeutung des Deutschen – und damit auch der Status der Kirche – hat nach dem Krieg 1848 bis 1850 deutlich abgenommen. Die meisten Deutschen im dänischen Staatsdienst verlassen das Land.

Heute ist die Petrigemeinde die deutsche Gemeinde der dänischen Volkskirche. Der Haderslebener Stefan Reinel ist Vorsitzender des Kirchenrates.

Schule mit Tradition

Direkt neben der Kirche und eng mit ihrer Geschichte verwoben liegt die Petrischule. Sie ist die älteste deutsche Auslandsschule überhaupt.

Die Petrischule geht auf ihr 450. Jubiläum zu. Foto: Walter Turnowsky

In vier Jahren kann sie ihr 450-jähriges Bestehen feiern. Gegründet wurde sie nämlich bereits 1575 als Sankt Petri Chorschule. 1771 kam dann eine Mädchenschule dazu.

Heute ist sie ähnlich wie die dänische Volksschule mit einem 0. bis 9. Jahrgang aufgebaut. Die Petrischule bietet auch einen gymnasialen Überbau an.

Bomben und empfindliche Akten

Nun müssen wir aber allmählich weiter. Wir begeben uns in Richtung S-Bahnhof Vesterport und stoßen an der Ecke Kampmannsgade/Vester Farimagsgade auf ein Gebäude, das eine düstere Seite der deutschen Geschichte in Dänemark symbolisiert. Es ist das Shellhaus. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1951, doch ursprünglich wurde hier ein Gebäude 1932 als Firmenwohnsitz für Shell Dänemark gebaut.

Das „neue“ Shellhaus aus dem Jahr 1951 Foto: Walter Turnowsky

1944 wurde das Gebäude von der Gestapo beschlagnahmt und diente dem Nazi-Geheimdienst als Hauptquartier in Dänemark. Hier hatte er zentrale Akten über den dänischen Widerstand gesammelt.

Genau diese Akten waren das Ziel, als die britische Royal Air Force am 21. März 1945 drei Staffeln mit insgesamt 18 Bombern losschickte. Um 11.45 Uhr begann das Präzisionsbombardement des Shellhauses.

Die Akten wurden zerstört, was die Gestapo in den letzten Wochen des Krieges lähmte. Doch der Preis für den Widerstand war hoch: Die Gestapo hatte in Erwartung eines Angriffes 26 inhaftierte Widerstandskämpfer im obersten Stockwerk untergebracht. Acht von ihnen starben bei dem Angriff. Eine Gedenktafel erinnert an sie.18 konnten, fast wie ein Wunder, in den Wirren entkommen. Unter ihnen war der spätere Minister der Befreiungsregierung und Rektor der Kopenhagener Universität, Mogens Fog.

Gedenken an die acht Widerstandskämpfer, die bei dem Angriff starben Foto: Walter Turnowsky

Erbstreit

Während wir diese Informationen verdauen, begeben wir uns den Seen entlang Richtung Nørrebro. Hier finden wir die Rantzausgade. Heute eine typische Straße des Viertels mit Cafés und Kneipen, Pizzerien und Kebabshops, auf dem Weg von heruntergekommen zu hip.

Die Rantzausagade ist typisch für Nørrebro. Foto: Walter Turnowsky

Doch deshalb sind wir heute nicht hier, sondern wegen des holsteinischen Adelsgeschlechts Rantzau, das der Straße den Namen verliehen hat.

In Dänemark war vor allem Feldherr Johann Rantzau (1492-1565) bekannt. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein als Frederik I. den dänischen Thron nach einem Erbstreit übernehmen konnte.

Unbeliebte Reformen

In unmittelbarer Nähe der Rantzausgade finden wir die deutlich ruhigere Struensegade. Doch so ruhig die Straße auch sein mag, die Begebenheiten um ihren Namensgeber waren alle andere als das.

Der 1737 in Halle geborene Johann Friedrich Struense könnte royaler Leibarzt, Staatsreformer, königlicher Liebhaber und Intrigant in seinen Lebenslauf schreiben. Ein Lebenslauf, der ihn am Ende zum Schafott führte.

Die Struensegade ist eine ruhige Straße. Das Leben von Johann Friedrich Struense war alles andere als das. Foto: Walter Turnowsky

Er kam als Arzt des absolutistischen und vermutlich schizophrenen Königs Christian VII. an den dänischen Hof. Recht bald wurde er Liebhaber von Königin Caroline Mathilde.

Struense leitete als Kind der Aufklärung umfassende Reformen am Hof und in der Gesellschaft ein. Unter anderem führte er die Druckfreiheit ein, oder wie wir heute sagen würden: die Meinungsfreiheit.

Wenig überraschend machte er sich damit nicht nur Freunde im Adel und beim Militär. Das Verhältnis zur Königin und seine Rolle als „Schattenregent“ machten die Sache nicht besser.

1772 wurden er und sein Mitstreiter Enevold Brandt nach einem Palastputsch verhaftet. Beide wurden kurze Zeit später hingerichtet.

Förderer der Kunst

Nun können wir wohl einen etwas längeren Spaziergang vertragen, der uns in Richtung friedlichere Ereignisse führt. Wir erreichen Østre Anlæg, und uns empfängt das imposante Gebäude von Statens Museum for Kunst. Doch das ist nicht unser Ziel, sondern die wesentlich kleinere Hirschsprungske Samling direkt gegenüber.

Der deutsch-jüdische Heinrich Hirschsprung übernahm 1858 gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard die Tabakfabrik seines Vaters, Abraham Marcus Hirschsprung.

In der Hirschsprungschen Sammlung kann man die Werke einer ganzen Reihe von namhaften dänischen Malern ansehen. Foto: Walter Turnowsky

Heinrich war Kunstsammler und kaufte Werke von prominenten dänischen Malern wie C. W. Eckersberg und damals jungen Malern wie P. S. Krøyer, Anna Ancher, Michael Ancher, Frederik Zahrtmann und Vilhelms Hammershøj.

1902 vermachten Heinrich Hirschsprung und seine Frau Pauline die Sammlung dem dänischen Staat mit der Bedingung, dass für sie ein Museum gebaut werden sollte. Selbst hat er das Gebäude nicht mehr erlebt.

Deutsch im Königshaus

Wir beenden unseren Spaziergang beim Schloss Amalienborg. Wie erwähnt, verhalf Rantzau dem in den Herzogtümern Schleswig und Holstein aufgewachsenen Herzog Friedrich an die Macht. Frederik I. machte seine Muttersprache zur Hofsprache, welches sie jahrhundertelang blieb.

Wachablöse vor Frederik VII. Palais oder Brockdorffs Palais Foto: Walter Turnowsky

Die ursprünglichen Namen der vier Palais des königlichen Schlosses sind: Moltke, Brockdorff, Levetzau und Schack nach den Adelsfamilien deutscher oder holsteinischer Abstammung, die sie erbauen ließen.

Der Gesamtentwurf für Amalienborg stammt von Hofbaumeister Nicolai Eigtved. Er ist auf dem Friedhof von Sankt Petri begraben.

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