Rudern

Ein Finne mit goldenen Träumen

Sven Sörensen Sportredaktion
Sonderburg/Sønderborg
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Joel Naukkarinen ist ein passionierter professioneller Ruderer und ein ehrgeiziger Medizinstudent. Foto: Sven Sörensen

Der Deutsche Ruderverein Germania Sonderburg freut sich derzeit über einen Gast aus Finnland. Den 25-jährigen Joel Naukkarinen darf oder besser gesagt muss man als Bilderbuch-Ruderer bezeichnen.

Alles für den Traum

Ein Profi, der alles für seine Ziele und Träume tut, um diese zu verwirklichen. Wie und warum er nun gerade hier in Sonderburg gelandet ist, erläutert er recht plausibel.
„Den Kontakt zu meinem jetzigen Coach, Marc-Oliver Klages, habe ich schon etwas länger. Ich erhoffe mir hier vor Ort besseres Training und gute technische und taktische Voraussetzungen. Dazu kommt, dass der finnische Winter nicht unbedingt praktisch für einen Ruderer ist“, so Joel Naukkarinen, der durch seinen Sport viele andere Länder besucht und schätzen gelernt hat.

Anfänge
Angefangen hat er mit dem, was man als Doppelzweier bezeichnen kann, und hat etliche Rennen mit seinem Partner gewonnen. Dann stieg er in den olympischen Einer um und konnte sich voll auf seine eigenen Trainingsmethoden konzentrieren. Vier bis sechs Stunden Training täglich dürfen es dann auch sein. Wenn er über sein Training spricht, und er wählt die Worte sehr mit Bedacht, kann man erahnen, was dieser Sport für ihn bedeutet.


„Nachts schlafe ich in einer Art von Zelt, hier lässt sich das Höhentraining sehr gut simulieren. Das erfordert natürlich sehr viel sportmedizinisches Wissen“, äußert sich der Medizin-Student von der Universität im finnischen Kuopio.

Auch wenn er alles für seine Ziele macht. Ein Lächeln hat er immer übrig. Foto: Sven Sörensen

Training, Training, Training

Sein tägliches Training besteht aus Rudern am Ergometer, Krafttraining und natürlich ordentlich Meter-Machen mit seinem Boot. Sein Einer wiegt 14 Kilogramm, ist 8,1 Meter lang und kostet rund 15.000 Euro. Damit geht er dann während des Trainings dicht an das Renn-Tempo ran. Ein Tempo, das über die olympische Strecke von 2.000 Metern gut 18 km/h betragen kann. Joels Bestzeit liegt bei 6,54 Minuten.


Die höchste Geschwindigkeit, die er nur einige Züge durchhalten kann, beträgt 25 km/h. Für sein Ziel, bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 Gold zu holen, trainiert er eigentlich jeden Tag. „MOK (Spitzname für Trainer Marc-Oliver Klages, Anm. d. Red.) hat für viele Situationen den perfekten Spruch. Einer davon ist ,Miles make Champions‘. Da gebe ich ihm vollends recht. Viele meiner Konkurrenten führen Buch über ihre Kilometerleistung über das Jahr gesehen. Ich zähle keine Kilometer, ich rudere sie“, erklärt er mit einem Lächeln.

Tolle Erfolge

Er, der vor Kurzen im September bei den norddeutschen Meisterschaften in Hamburg zur Überraschung vieler Anwesenden die Silber-Medaille erruderte. Einer seiner bis dato tollsten Erfolge ist die Bronze-Medaille bei den World University Rowing Championships in Shanghai im August dieses Jahres. Oder die Silber-Medaille bei den World Rowing Indoor Championships in Alexandria, Virginia. Bei dem Wettkampf sitzen die Konkurrenten am Ergometer.

Ernährung

Für diese Erfolge sind nicht nur die Trainingseinheiten, sondern ist auch die Ernährung wichtig. Wenn der muskulöse Finne vor einem steht, denkt man sofort an fleischhaltige Kost. Doch weit gefehlt. Er versucht, Fleisch zu vermeiden und ernährt sich hauptsächlich von Pasta (obwohl er diese nicht so gerne mag), Obst, Müsli und dunkler Schokolade. Er braucht so zwischen 5.000 und 8.000 Kalorien pro Tag.

Ziel Tokio
Welches Rennen bisher das härteste war, kann er nicht sagen. „Es gibt so viele verschiedene Rennen, und sie hängen von so vielen Dingen ab. Jedes Rennen hat seinen Reiz“, erklärt Joel Naukkarinen. Aber was Rudern für ihn als Person bedeutet, weiß er: „Rudern ist Inspiration und Motivation zugleich. Ich versuche, mich Tag für Tag zu verbessern, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen“, schwärmt er, der dann auch gleich Krafttraining als sein Hobby angibt.


Das Ziel Olympische Spiele in Tokio setzt nicht nur hartes Training voraus, sondern auch das Bestehen einiger Teil-Etappen. So muss er nächstes Jahr nicht nur seinen auf nationaler Ebene stärksten finnischen Widersacher schlagen, sondern dann auch mindestens einen neunten Platz bei den Weltmeisterschaften in Österreich herausrudern.
Das Training, die Wettkämpfe, die Sponsorensuche, das Studium und seine Verlobte zu Hause in Finnland – ziemlich viel für eine Person. Doch Joel Naukkarinen braucht diese Herausforderungen. „Wenn Dinge mich nicht herausfordern, bin ich schnell gelangweilt“, erklärt er.

Passion Rudern
Der 25-jährige Finne ist Ruderer mit Herz und Leidenschaft, denn warum auch sonst sollte er sich für einen Sport quälen, der ihm keine Reichtümer bescheren wird.
„Es ist ein sehr teurer Sport, und es ist sehr schwer, immer wieder Sponsoren zu finden. Du musst praktisch dein eigenes Geld mitbringen, um deinen Sport ausüben zu können. Daher bin ich sehr dankbar für die Unternehmen, die mich wirklich unterstützen“, sagt er, dem eigentlich so recht keine Vorbilder innerhalb des Sportes einfallen. Er fokussiert lieber auf sich und seine Leistungen.


Wenn er und sein Coach Marc-Oliver Klages über den Sport fachsimpeln, sitzen sie oft lange zusammen.
„Eigentlich ist das doch der perfekte Sport, du sitzt, während du schwitzt“, witzelt Trainer Klages. Für Joel Naukkarinen ist es eher „der härteste Sport und die beste Intensität während man sitzen kann“.
Die Sonderburger, die unten am Verdens Ende spazieren gehen, werden sicherlich öfter einen Finnen über das Wasser gleiten sehen. Joel Naukkarinen wird bis Ende Januar noch dem Deutschen Ruderverein Germania erhalten bleiben und mit hartem Training sein Ziel Tokio nicht aus den Augen verlieren.


Er wird natürlich auch ab und zu mal in die Heimat fliegen, um nicht nur seine Verlobte in den Arm zu nehmen, sondern auch seine Kurse an der Uni zu pflegen. Doch für einen Sportler, für den Entwicklung, Verbesserung, Motivation und der Versuch, Perfektion zu erreichen, Schlagwörter sind, sollte das alles kein Problem sein.

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