Handball

„Vollzeit-Trainer - ein Privileg“

Sven Sörensen Sportredaktion
Sonderburg/Sønderborg
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Kasper Christensen und sein Team tüfteln immer an neuen Ideen. Foto: Sven Sörensen

Mitten in der berühmt-berüchtigten Skansen Arena hat SønderjyskE-Trainer Kasper Christensen sein Büro. Hier sitzt er zusammen mit seinem Trainerteam - und brütet über Aufstellungen, Trainingsmethoden und die Weiterentwicklung der jungen Talente.

Hier trifft ihn „Der Nordschleswiger" zum Interview.

Mit dem bisherigen Saisonverlauf 2018 ist er generell zufrieden.
„Wir liegen innerhalb des Realistischen. Wir haben leider einige Ergebnisse auf unsere Spielzettel, mit denen wir nicht ganz zufrieden sein können. Wir haben gute und weniger gute Leistungen gezeigt“, so der Trainer.

Andere Meinungen

Kasper Christensen ist einer der Trainer, der sich der Wichtigkeit der Meinung erfahrener und altgedienter Spieler ist.
„Natürlich ist unser Sport, wie auch alle Sportarten einer, der an den Punkten gemessen wird. Für mich als Trainer bei SønderjyskE ist das Zwischenmenschliche sehr wichtig. Wir involvieren gerne Spieler in einige unserer Entscheidungsprozesse. Spielern wie Chris Holm Jørgensen, Rasmus Bertelsen und Frederik Børm höre ich natürlich gerne zu und nehme ihre Meinungen sehr ernst.“


Der SønderjyskE-Trainer ist überhaupt, wie viele seiner Kollegen, ein Mensch mit zwei Gesichtern. „Überhaupt nicht zufrieden bin ich, wenn Spieler nicht hundert Prozent beim Training geben. Und wenn ich vor der Trainerbank während eines Spieles stehe, dann kann ich natürlich etwas aufgebracht erscheinen. Das liegt aber nur daran, dass ich der Meinung bin, dass mein Team ungerecht behandelt wird. Ich bin aber auch ein reflektierender Mensch.“

Kasper Christensen lebt für den Sport und für den Posten als Trainer.
„Ich habe den besten und den schlimmsten Job. Es gibt kein besseres Gefühl, als zu gewinnen. Verliert das Team, spürt der Trainer den sofortigen Gegenwind. Dennoch fühle ich mich sehr privilegiert, die Beschäftigung als Vollzeit-Trainer ausüben zu dürfen. Ich liebe den Handball“, schwärmt er.

Playmaker

Der 33-Jährige war selbst auch aktiver Handball-Spieler. Unter anderem bei Skjern Håndbold, Lemvig Håndbold, Fredericia HK Elite, TM Tønder Håndbold. Bei seiner letzten Station als Spieler bei TMT war er spielender Trainer. Seine Position beim Handball war die des Spielmachers. Eine Rolle, die ihn auch für sein jetziges Amt als Trainer viel mitgegeben hat.


„In mir steckte schon immer irgendwie das Trainer-Gen. Viele der heutigen Trainer waren in ihrer aktiven Spielzeit auch Spielmacher in ihrem Verein. Vielleicht liegt es einem Spielmacher irgendwie im Blut.“


Kasper Christensen ist nicht so vermessen, nicht über den eigenen Trainer-Tellerrand zu schauen.
„Ich habe mich immer in den Trainern gespiegelt, die ich über all die Jahre hatte. Wenn man sich für die Taktik dieses Sports interessiert, schaut man natürlich auch, was andere Trainer machen.“

SønderjyskE-Handball hat viele Kooperations-Partner Foto: Sven Sörensen

Weiterentwicklung

Eine der schwierigsten Aufgaben eines jeden Trainers, ist es, Spieler und Team ständig weiterzuentwickeln.
„Unsere Aufgabe ist es, die vielen Dinge zu optimieren. Die Spieler müssen auch beim Training hundert Prozent geben. Einige Spieler insbesondere die jungen Spieler sollten sich immer weiterentwickeln, damit ihr Spiel stabiler wird.“
Der SønderjyskE-Trainer versucht natürlich seinem Team seine Handball-Philosophie zu vermitteln.
„Unser Angriffsspiel soll um unsere Kreisspieler aufgebaut sein. Deshalb haben wir auch drei Kreisläufer, um der gegnerischen Deckung immer Paroli bieten zu können. Ich liebe es auch, breit zu spielen, das bedeutet, dass man sehr gute Außen haben muss. Diese Saison hat Chris Holm Jørgensen immer wieder unseren Rückraum-Shooter Aaron Mensing in Szene gesetzt. Unser Publikum mag es, wenn wir schnell und mutig in der Offensive spielen.“

Talentschmiede

Erst kürzlich hat sich SønderjyskE die Dienste des schwedischen Talents Oskar Sunnefeldt sichern können. Sollte der 20-Jährige gleich mit Topleistungen bei den Hellblauen aufwarten, könnten relativ schnell internationale Top-Klubs bei SønderjyskE anklopfen. Doch darüber macht sich Kasper Christensen keine Sorgen – ganz im Gegenteil.
„Es ist ja nicht nur Oskar Sunnefeldt, der über ein großes Potenzial verfügt, sondern auch Spieler Christian Jensen, Frederik Ladefoged und Aaron Mensing können alle in ihrer Karriere weiterkommen. SønderjyskE hat kein Problem damit, das Sprungbrett für die Karriere junger Spieler zu sein. Für den Verein ist das eine gute Eigenwerbung, wenn wir unsere Spieler an internationale Top-Klubs weitergeben.“

Inspiration

Die Handball-Weltmeisterschaft im Januar nächsten Jahres wird Kasper Christensen natürlich auch anschauen. Er hätte sogar Karten für eines der Halbfinale-Spiele in Hamburg.
„Auch hier kann man sich Inspiration als Trainer holen. Die Nationalmannschaft ist die Creme de la Creme. Dennoch wird hier nicht unbedingt der beste Handball gespielt. Denn im Verein haben wir mehr Zeit, raffinierte Sachen einzustudieren. Dazu fehlt dem National-Coach natürlich die Zeit.“
Seine Freundin spielt selbst Handball. In der 1. Division bei SønderjyskE, und sie hat daher vollstes Verständnis für den zeitaufwändigen Beruf ihres Freundes.
„Natürlich denkt man 24 Stunden am Tag an Handball . Aber im Vergleich zu den Divisions-Spieltagen haben wir aufgrund der TV-Übertragungen häufig mehr Spiele unter der Woche, somit auch mehr „freie“ Wochenenden. Aber beizeiten ist es ein Job, der sehr anstrengend ist.“

Gute Stimmung

Wie das Jahr 2019 verlaufen wird, kann der SønderjyskE-Trainer nur schwer vorhersehen.
„Mit unserer Mischung aus jungen und älteren Spielern möchten wir schon gerne die Endrunden-Spiele der Liga erreichen. Und die Mannschaft ist hungrig.“
Die Stimmung im Team scheint zu stimmen. Und neben dem Handball treffen sich einige Spieler im Café in Sonderburg oder genehmigen sich ein Bier nach einem Sieg zusammen in der Umkleide. Das letzte Spiel 2018 war das Auswärtsspiel am 22. Dezember in Ringsted. Jetzt haben die Spieler erstmal frei. Kasper Christensen gibt seinen Spielern etwas lockere Zügel.


„Sie sollen sich ausruhen und einfach mal nicht an Handball denken. Meinetwegen dürfen sie auch trinken und essen, was sie wollen. Aber natürlich werden wir ihnen sicherlich ein physisches Programm mitgeben. Denn in der zweiten Woche im Januar geht es wieder los.“


Kasper Christensen selbst wird ein paar Tage bei seiner Familie in Skjern verbringen und ins Sommerhaus mit seiner Freundin fahren. Einfach mal den Stecker ziehen und den Handball ruhen lassen.

Aber nur kurz…

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