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Marfelt ist sportlich und mental wieder obenauf

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Hadersleben/Haderslev
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Nicholas Marfelt ist unter Glen Riddersholm wieder aufgeblüht. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Der 24-jährige SønderjyskE-Kicker hat den ersten Tiefpunkt seiner Karriere überwunden und sieht sich im mentalen Bereich besser gerüstet.

Zwei bemerkenswert schwache Leistungen mit kapitalen Aussetzern und massive Kritik warfen zu Saisonbeginn Nicholas Marfelt völlig aus der Bahn. Der Linksverteidiger von SønderjyskE wurde aussortiert und hatte lange an dem ersten echten Tiefpunkt seiner Karriere zu knabbern, hat aber die negativen Gedanken in den Griff bekommen und ist unter dem neuen Trainer wieder aufgeblüht.

Zwei Jahre lang ging es für den 24-Jährigen nur bergauf, und zwar steil bergauf. Im Sommer 2016 wechselte er vom damaligen Zweitdivisionär Hvidovre IF zu Helsingør IF, und nach nur einem halben Jahr in der 1. Division wurde er bei SønderjyskE mit einem Profi-Vertrag ausgestattet. Ein halbes Jahr später stand er für Sparta Rotterdam in der niederländischen Ehrendivision auf dem Rasen. Marfelt absolvierte als Leihspieler sieben Begegnungen für Sparta, rutschte aber auf die Bank und wurde nach der Entlassung von Trainer Alex Pastoor von Nachfolger Dick Advocaat auf die Tribüne verbannt. Das Auslands-Abenteuer endete nach einem halben Jahr, war aber sehr lehrreich und hatte in Sachen Selbstvertrauen nur für kleine Kratzer gesorgt. Die großen Kratzer sollten erst ein halbes Jahr später folgen.

„Nach meiner Rückkehr aus Holland haben Simon Poulsen und ich uns die Spiele geteilt, und ich habe mich auf einem guten Weg gesehen. Zur neuen Saison hatte ich ganz klar das Gefühl, dass man auf mich bauen wollte. Ich habe einen guten Start erwischt, aber dann kam dieses AGF-Spiel, das mich härter traf, als ich erwartet hatte“, sagt Nicholas Marfelt, der am vierten Spieltag zum vierten Mal in der Startelf stand, aber bei der 0:1-Niederlage gegen AGF eine Hauptrolle spielte: „Ich habe einen individuellen Fehler gemacht, der zum 0:1 führte, und kurz darauf eine große Torchance vergeben. Die Kritik war danach hart. Ich war in einer Situation gelandet, die ich so noch nie erlebt hatte, und hatte das Gefühl, dass ich gegen eine Wand gelaufen war. Ich bin immer sehr selbstbewusst gewesen, aber das hat mich sehr getroffen. Ich hatte plötzlich Angst, welches Bild von mir geschaffen wird. Claus (Trainer Claus Nørgaard, d. Red.) sagte mir, dass es nur ein schlechtes Spiel sei, und dass er massenhaft Vertrauen in mich hat. Es folgte das Spiel gegen Esbjerg, und ich bin wieder schlecht vom Start weggekommen. Ich war plötzlich dort, wo es keinen Spaß mehr machte. Ich bekam Angst, wieder dort zu landen wie im AGF-Spiel, und Angst, die gleichen Dinge über mich lesen zu müssen. Das hat mich wahnsinnig beeinflusst. Ich wurde in der Halbzeitpause ausgewechselt und hatte einen Tiefpunkt erreicht.“

Nicholas Marfelt hat seit dem Randers-Spiel Probleme mit dem linken Knie, konnte aber gegen Esbjerg damit spielen. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Bereits am Tag nach dem Esbjerg-Spiel sagte der damalige SønderjyskE-Trainer dem Linksverteidiger, dass er ihn aus der Mannschaft nehmen würde.

„Claus hat mir gesagt, dass ich Zeit brauche, aber das, was ich am meisten nötig hatte, war zu lernen, wie ich mit der Situation umgehen konnte. In meiner Karriere ist alles sehr schnell gegangen, und in den zwei Jahren von Hvidovre in der 2. Division über Helsingør, SønderjyskE und Holland hatte ich nie eine Phase, wo es bergab ging. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen musste, und anstatt einfach einen neuen Anlauf zu nehmen, hatte ich Angst davor, diesen neuen Anlauf zu nehmen.“

Der 24-Jährige nahm Kontakt zu einem Coach auf.

„Das war eine Erleichterung für mich, das in Worte fassen zu können, wovon der Kopf voll war. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt die Lust am Fußball spielen verloren, aber es wurde mir ein Stein von den Schultern genommen, als Claus mir sagte, dass er mir eine Pause gibt. Der Druck war weg, ich musste nicht mehr meine Leistung bringen, sondern nur trainieren, und ich hatte meinen Kopf frei, mit den Dingen zu arbeiten. Anfangs machte es mir nichts aus, die Spiele von außen zu verfolgen, aber nach drei Spielen wollte ich gerne wieder zurück. Da war das Rennen jedoch gelaufen und das Vertrauen in mich nicht mehr da.“

Marfelt stellte sich nach vier Monaten ohne Einsatz und nur zwei Kurzeinsätzen im Dezember langsam darauf ein, dass seine sportliche Zukunft vielleicht woanders liegt.

Nicholas Marfelt fühlt sich im mentalen Bereich besser gerüstet. Foto: Karin Riggelsen

„Ich hatte mich zu keinem Zeitpunkt aufgegeben und bin auch von Claus gelobt worden, dass ich mich nicht habe hängen lassen, aber ich hatte mich langsam damit abgefunden, dass es vielleicht nicht hier sein würde. Als Claus entlassen wurde, habe ich gedacht, dass ich vielleicht doch eine Rolle bekommen könnte. Die neue Chance wollte ich nutzen.“
Die neue Chance hat er im vierten Spiel unter Glen Riddersholm bekommen. Mit Marfelt als Linksverteidiger hat SønderjyskE zwei Siege in Folge gefeiert, und die Zuschauer im Sydbank Park haben einen Spieler zu sehen bekommen, der im mentalen Bereich zugelegt hat.

„Die Gespräche mit dem Coach haben mir sehr geholfen. Ich habe die Werkzeuge bekommen, die verhindern, dass ich nach einem Fehlpass wieder in einer Negativspirale lande. Ich habe in den vergangenen fünf, sechs Monaten nicht gelernt, wie man gegen den Ball tritt, sondern habe meine Gefühle und meine Gedanken in den Griff bekommen. Es waren keine Angstzustände, sondern Gedankenfehler. Ich habe in meinem Kopf Selbstgespräche geführt, die ich nicht hätten führen dürfen. Ich habe herausgefunden, dass meine Toleranzzone relativ klein ist. Es war leicht, mich gefühlsmäßig aus der Balance zu bringen. Die Toleranzzone ist größer geworden.“

Der SønderjyskE-Profi, der bei den Hellblauen einen Vertrag bis Mitte 2020 besitzt, ist mental stärker geworden und fühlt sich gewappnet, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen.

„Ich habe mich im mentalen Bereich sehr entwickelt. Ich habe herausgefunden, dass ich in diesem Aspekt nicht gut genug war. Da musste ich mich verbessern. Ich habe mich von einer jungenhaften Mentalität hin zu einem Verständnis dafür bewegt, worum es im Fußball geht. Ich weiß, dass es in einer Karriere Höhen und Tiefen geben wird, aber ich weiß jetzt, wie man damit umgeht“, sagt Marfelt.

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