WAS TUN BEIM HUNDEBISS

Wenn Hund oder Katze zuschnappen: Auch bei kleinen Wunden lieber zum Arzt gehen

shz.de/Malin Lindenberg
Flensburg
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Foto: dpa

Der will doch nur spielen: Es muss nicht immer ein Angriff eines aggressiven Kampfhundes sein - auch beim Raufen kann es schnell zu kleinen Bisswunden am Körper von Frauchen oder Herrchen kommen. Das sollten sie dann tun.

Hat ein Hund oder eine Katze zugebissen, sollten Betroffene nicht gleich in Panik ausbrechen, sondern die Wunde zunächst desinfizieren und beobachten. Wird sie dick, werden die Wundränder rot oder tritt Schmerz auf, zeigt man sie besser einem Arzt. Denn dies sind Anzeichen für eine Infektion, die eventuell chirurgisch oder mit Medikamenten behandelt werden muss.

Immer wieder werden Ärzte mit Verletzungen durch Tierbisse konfrontiert: Jährlich ereignen sich in Deutschland etwa 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen. Genauere Zahlen gibt es nicht, da keine Meldepflicht besteht. Der größte Teil, etwa 60 bis 80 Prozent, geht auf das Konto von Hunden. Und in den allermeisten Fällen, in etwa 90 Prozent, ist der „Schnapper“ der eigene Hund oder zumindest ein bekanntes Tier. Aber auch Stubentiger beißen schon mal zu. An bis zu 30 Prozent aller Biss-verletzungen sind Katzen beteiligt. Der Deutsche Grüne Kreuz e.V. (dgk) erklärt, warum man auch bei scheinbar harmlosen Bissen desinfizieren und gegen Tetanus geimpft werden sollte.

Unterschätztes Risiko: Infektion durch Tierspeichel

Ein Hundebiss hinterlässt typische Spuren. Oftmals zeigen sich dann oberflächlich nur kleine Verletzungen, in der Tiefe können aber ausgedehnte Gewebereißungen oder Quetschungen vorhanden sein. Neben den mechanischen Schädigungen kann es auch zu Infektionen kommen und diese Gefahr wird von Menschen, die im Umgang mit Hunden unerfahren sind, häufig mal unterschätzt. Denn im Speichel der Hunde können sich Erreger befinden, die mit dem Biss in die Wunde gelangen und nicht selten zu Infektionen und Entzündungen führen können. „Der Speichel von Katzen ist, was das angeht, noch gefährlicher“, erklärt Dr. Ute Arndt, Immunologin beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. Die nadelspitzen Zähne transportieren einen gefährlichen Erreger-Cocktail in die Tiefe des Gewebes. „Die Bisswunden von Katzen entzünden sich in bis zu 50 Prozent der Fälle“, so Arndt.

Bisse an Händen und Füßen

Verletzungen im Bereich der Hand sollten besonders ernst genommen werden, denn hier können sich die Erreger rasch entlang der Bindegewebssepten über Sehnenscheiden, den Karpaltunnel oder Muskelkompartimente bis in den Unterarm ausbreiten. Ute Arndt nennt hier auch noch eine weiter Besonderheit: „An der Hand gibt es viel gefäßarmes Gewebe wie Knorpel, Bänder und Sehnen, wo das Immunsystem nur begrenzt wirksam werden kann.“ Das gleiche gilt auch für den Bereich der Füße, hier kommt es allerdings seltener zu Verletzungen als an den Händen oder an den Armen.

Tetanus durch Bisswunden

Es empfiehlt sich, bei kleineren Bisswunden auch deshalb den Arzt oder die Ärztin aufzusuchen, damit die Wunde gereinigt und desinfiziert werden kann. Gegebenenfalls sind dann auch weitere Maßnahmen erforderlich wie zum Beispiel eine Impfung gegen Tetanus, wie Ute Arndt weiter ausführt: „Normalerweise reicht bei Geimpften eine Tetanus-Auffrischung alle zehn Jahre. Liegen jedoch Wunden mit einer erhöhten Infektionsgefahr vor, sollte eine Tetanus-Impfung als Kombinationsimpfung mit Diphtherie und eventuell auch Keuchhusten bereits dann gegeben werden, wenn die letzte Impfung mehr als fünf Jahre vergangenen ist.“

Behandlung mit Antibiotika nicht zwingend erforderlich

Eine vorbeugende Behandlung durch Antibiotika wird zwar nicht generell empfohlen, dennoch sprechen sich viele Experten für diese medikamentöse Behandlung aus, wenn es sich um tiefe Verletzungen oder um Verletzungen an kritischen Körperregionen, wie zum Beispiel an Händen, Füßen, Gelenken, Gesicht oder Genitalien handelt. Auch Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko oder Herzklappen-Implantaten wird eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung empfohlen. Wer jedoch erst 24 Stunden nach der Bissverletzung ohne Anzeichen einer Infektion in die Praxis kommt, dem brauchen keine Antibiotika mehr verschrieben zu werden. Eine Vermehrung von Krankheitserregern ist dann nicht mehr zu erwarten.

Hundebisse vermeiden:

Kinder sollten:

• sich von fremden Hunden fernhalten,

• nicht ohne Aufsicht mit Hunden spielen,

• Hunde nicht beim Schlafen, Fressen oder bei der Betreuung des Nachwuchses stören.

• Kinder müssen lernen, dass der Hund auch mal Ruhe braucht, vor allem wenn er sich selbst zurückzieht.

• Auch beim Kneifen, Stupsen oder Ziehen am Schwanz muss den Kindern klargemacht werden: Das mag der Hund nicht!

Eltern sollten:

• die Kinder rechtzeitig belehren, wie sie mit dem eigenen Hund umgehen,

• wie sie sich bei Annäherung eines fremden Hundes verhalten sollen und

• das Kind nicht mit Hunden alleine lassen.

Tierbesitzer sollten Folgendes beachten:

• Hunde, aus deren Vorgeschichte aggressives Verhalten bekannt ist, gehören nicht in Haushalte mit Kindern.

• Eine gründliche Erziehung der Hunde (Hierarchie-Verhalten) ist notwendig.

• Aggressive Spiele mit den Hunden sollten vermieden werden.

• Tritt ein aggressives Verhalten des Hundes auf, sollte professionelle Beratung in Anspruch genommen werden.

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