Rückgabewelle

Wenn das Haustier zu teuer wird

Wenn das Haustier zu teuer wird

Wenn das Haustier zu teuer wird

Lorcan Mensing
Apenrade/Aabenraa
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Jährlich werden mehrere tausend Haustiere an die Tierheime von „Dyrenes Beskyttelse" abgegeben. Foto: Ritzau Scanpix/Free

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Die Inflation zwingt bereits jetzt etliche Tierhalterinnen und -halter zu schmerzhaften Sparmaßnahmen. Tierheime in ganz Dänemark stehen aufgrund eines rapiden Anstiegs an Tieraufnahmen vor großen Herausforderungen.

Viele Tierheime in Dänemark befinden sich am Rand ihrer Kapazitäten. Aufgrund der Corona-Pandemie und der Inflation stehen die Heime vor großen Herausforderungen und weiterhin werden immer mehr Haustiere abgegeben. Die zehn Tierheime von „Dyrenes Beskyttelse“ müssen laut einer Pressemitteilung der Tierschutzorganisation vor allem immer mehr Katzen aufnehmen. Gleichzeitig ist das Interesse potenzieller Adoptionsfamilien an den Haustieren vielerorts gesunken. So warten die abgegebenen Katzen inzwischen immer länger darauf, adoptiert zu werden.

Etliche Katzen suchen ein neues Zuhause

„Wir haben immer ein paar Plätze für Notfälle, aber unsere Tierheime in Roskilde, Fuglebjerg und auf Fünen sind mittlerweile so voll, dass dort keine weiteren Katzen aufgenommen werden können. Auch in unseren Tierheimen in Nordjütland und Brande haben wir inzwischen über 100 Katzen, weshalb wir mächtig unter Druck stehen“, berichtet die besorgte Tierheimchefin von „Dyrenes Beskyttelse“, Karina Fisker.

Haustiere werden zu teuer

Die größte Sorge der Tierschutzorganisation ist laut Fisker, dass die Rückgabewelle in den kommenden Wochen und Monaten noch größer wird. Aufgrund des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine sind die Lebenshaltungskosten in Dänemark gestiegen. Die Kosten für Futtermittel oder Tierarztbesuche wollen und können einige Tierhalterinnen und -halter deshalb nicht mehr stemmen.

Wenn sich Familien oder Menschen ein Haustier wünschen, wäre es sehr wichtig, wenn hierbei an das lokale Tierheim gedacht wird.

Karina Fisker, Tierheimchefin von „Dyrenes Beskyttelse“

„Zukünftig könnten noch mehr Menschen ihre Haustiere aus finanziellen Gründen abgeben. Die Preise steigen überall und die Anschaffung und Haltung eines Haustiers ist auch nicht gerade günstig. Wenn sich Familien oder Menschen ein Haustier wünschen, wäre es deshalb sehr wichtig, wenn hierbei an das lokale Tierheim gedacht wird“, sagt Fisker.

Zunehmende Rückgabewelle auch in Nordschleswig bemerkbar

Auch in Nordschleswig wurden zuletzt immer mehr Haustiere abgegeben, wie der Vorsitzende von „Dyrenes Beskyttelse“ in Nordschleswig, Hans Jørn Frisk, berichtet. Die augenblickliche Rückgabewelle scheint Frisk zufolge vor allem einer unbedachten Anschaffung von Haustieren während der Sommerferien oder während der „Lockdowns“ durch die Corona-Pandemie geschuldet zu sein.

Neben Katzen werden auch besonders viele Kaninchen und Meerschweinchen abgegeben. Foto: Ritzau Scanpix/Free

„Das Problem gilt nicht nur hinsichtlich der Katzen. Bei uns werden auch sehr viele Kaninchen und Meerschweinchen abgegeben. Halterinnen und Haltern muss geholfen werden, damit sie nicht dazu gezwungen sind, die Tiere aus finanziellen Gründen abzugeben. Zudem erleben wir jährlich, dass etliche Jungtiere nach den Sommerferien abgegeben werden. Wenn die Arbeit wieder losgeht, erkennen die Menschen plötzlich, dass sie doch nicht genug Zeit für die Haustiere haben, die sie sich während der Ferien unüberlegt angeschafft haben“, meint Frisk.

Sammelstellen in Nordschleswig haben alle Hände voll zu tun

In Nordschleswig selbst hat „Dyrenes Beskyttelse“ kein eigenes Tierheim, aber mehrere Sammelstellen für Tiere. Abgegebene Tiere werden im Moment mehrfach pro Woche von diesen Sammelstellen nach Brande und Fünen gefahren, wo sie einen Platz in den Tierheimen bekommen.

Tiervermittlungen bisher häufig erfolgreich

„Das sind richtig, richtig viele Tiere. Mein Gefühl ist aber, dass es uns bisher gut gelingt, neue Halterinnen und Halter für die Tiere zu finden. Der Vorteil ist ja auch, dass die Tiere bereits von einer Tierärztin oder einem Tierarzt untersucht wurden. Bevor wir die Tiere wieder abgeben, werden sie immer geimpft, registriert und bekommen einen Chip. Deshalb ist es uns bisher sehr gut gelungen, diese Tiere weiterzuvermitteln“, meint Frisk.

„Müssen Lösungen finden“

Auch laut dem Vorsitzenden von „Dyrenes Beskyttelse“ in der Region Nordschleswig könnte eine Zunahme bei der Rückgabewelle in Zukunft jedoch die Kapazität vieler Tierheime übersteigen.

„Wir müssen Lösungen finden. Bisher ist uns das gelungen. Hoffentlich denken die Menschen aber fortan noch genauer nach, ehe sie sich ein Tier anschaffen. Ich hoffe und glaube, dass sich zukünftig noch mehr Personen bei der Suche nach einem neuen Haustier in Tierheimen umsehen“, so Frisk.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“