Bilingualität

Studie: Können sich mehrsprachige Personen besser einschätzen?

Studie: Können sich mehrsprachige Personen besser einschätzen?

Können sich mehrsprachige Personen besser einschätzen?

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Für eine bevorstehende Studie zur Mehrsprachigkeit werden etwa 60 Probandinnen und Probanden aus der deutschen Minderheit gesucht. Foto: Adobe Stock

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes setzt sich der Wissenschaftler Mikhail Ordin mit den Vorzügen der Mehrsprachigkeit auseinander. Für seine Studie zur Wechselwirkung zwischen der Mehrsprachigkeit, der menschlichen Denkweise und dem Entscheidungsverhalten ist der Forscher auf der Suche nach Probandinnen und Probanden aus der deutschen Minderheit, die sowohl dänisch als auch deutsch sprechen.

Der Forschungsprofessor und Wissenschaftler Mikhail Ordin möchte in der deutsch-dänischen Grenzregion untersuchen, wie sich zweisprachige und einsprachige Menschen beim Erlernen neuer Sprachen und beim Lösen verschiedener Aufgaben unterscheiden.

„Vom 1.September bis zum 30. November bin ich Gastwissenschaftler in Flensburg, wo ich im Zentrum für kleine und regionale Sprachen beschäftigt sein werde“, sagt Ordin, der als Forschungsprofessor und Wissenschaftler am Coimbra Institut for Biomedical Imaging in Portugal angestellt ist.

Unterschiedliche Lern- und Denkstrategien?

Die bevorstehende Studie des Gastwissenschaftlers setzt sich mit der Wechselwirkung zwischen Sprache, Metakognition und dem menschlichen Entscheidungsverhalten auseinander. Die von Ordin vertretene Hypothese besagt, dass Bilingualität die menschliche Denkweise und das Entscheidungsverhalten auf einer metakognitiven Ebene beeinflusst. „Dies möchte ich mit meiner Studie genauer untersuchen, und deshalb habe ich Interesse daran, das Projekt im zweisprachigen deutsch-dänischen Raum durchzuführen“, so Mikhail Ordin.

Doch was ist Metakognition?

„Metakognition und Kognition sind nicht dasselbe. Metakognition bezeichnet die Fähigkeit, kognitive Prozesse richtig einzuordnen. Ein einfaches Beispiel: Sie nehmen an einem Mathetest mit fünf Aufgaben teil und müssen anschließend einschätzen, ob Sie die jeweiligen Aufgaben richtig gelöst haben. Wenn Sie sagen, dass Sie die Aufgaben richtig beantwortet haben, und dies tatsächlich der Fall ist, haben Sie eine gute Metakognition. Wenn Sie sagen, dass Sie schlecht in dem Test gewesen sind, und dies wahr ist, ist Ihre kognitive Leistung gering, aber Ihre metakognitive Fähigkeit ist gut, da Sie ihre Leistung richtig eingeordnet haben. Menschen mit einer guter Metakognition besitzen also die Fähigkeit, ihre Leistung bei kognitiven Aufgaben richtig einzuordnen und zu bewerten”, erklärt der Professor.

Ich würde mich sehr über viele Zusagen freuen. Das wäre eine große Hilfe für die Studie.

Mikhail Ordin

Mehrsprachigkeit stärkt die metakognitiven Fähigkeiten

Die metakognitive Ebene könne laut dem Wissenschaftler unter anderem durch die Mehrsprachigkeit gestärkt werden. Mitglieder der deutschen Minderheit, die beispielsweise von klein auf sowohl mit der dänischen als auch der deutschen Sprache aufwachsen, trainieren demnach kognitive Prozesse, die mit der Verarbeitung der ersten und zweiten Sprache verbunden sind.

„Dies bedeutet eine doppelte Belastung bei der metakognitiven Überwachung und somit doppeltes Training. Zweisprachige Menschen haben deshalb wahrscheinlich bei bestimmten Aufgaben verbesserte metakognitive Fähigkeiten, die dabei helfen, eine Situation richtig einzuschätzen. Und wenn Sie die metakognitiven Fähigkeiten mit der Hilfe der Mehrsprachigkeit trainieren, kann sich dies zudem auch auf die kognitive Leistung in nicht sprachlichen Aufgaben auswirken“, so Ordin, laut dem die Leistung, sich bei bestimmten Aufgaben richtig einzuschätzen, womöglich auch das Entscheidungsverhalten prägen kann.

„Das werden wir uns mithilfe von Sprach- und Verhaltensexperimenten näher anschauen. Die Teilnehmenden werden während des Experiments neue Wörter lernen, sich mit einer ihnen unbekannten Sprache auseinandersetzen, Rätsel lösen und vieles mehr. Wir haben viele Spiele und Aufgaben vorbereitet, und die Experimente werden pro Person etwa zwei Stunden dauern“, berichtet Mikhail Ordin, der die Untersuchungen auch in Flensburg mit Personen durchführen wird, die sowohl deutsch als auch friesisch sprechen. 

Zweisprachige aus der deutschen Minderheit gesucht

Der Gastwissenschaftler hofft, dass sich etwa 60 Personen aus der deutschen Minderheit als Probandinnen und Probanden für die Studie zur Verfügung stellen werden. Die einzigen Voraussetzungen für die Teilnahme sind ein Mindestalter von 16 Jahren und dass die oder der Teilnehmende sowohl deutsch als auch dänisch fließend spricht und von beiden Sprachen täglich Gebrauch macht.

20 Euro als Vergütung

„Ich werde für die Teilnahme 20 Euro als kleine Danksagung und Vergütung geben. Die Experimente werden wahrscheinlich immer mit drei Personen gleichzeitig durchgeführt. Hier wählen wir nach Absprache gemeinsam den Ort und den Zeitpunkt, der für die Teilnehmenden am geeignetsten ist. Ich würde mich sehr über viele Zusagen freuen. Das wäre eine große Hilfe für die Studie“, so Ordin.

Bei Interesse und um einen passenden Termin zu vereinbaren, kann man sich per E-Mail oder über Whatsapp an Mikhail Ordin wenden.

Mikhail Ordins E-Mail-Adresse: 

mikhail.ordin@gmail.com

Mikhail Ordins Handynummer:

+34 – 634444522

Mehr lesen

Deutsche Minderheit

Sommerausflug ins Kunstmuseum: Mit Kurator Carstensen durch die Ausstellung

Tondern/Tønder „Res Publica“ – auf Deutsch: Die öffentliche Sache – ist der Name einer Sonderausstellung im Tonderner Kunstmuseum. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Kunst und Öffentlichkeit. Wer erfahren möchte, wie und warum der deutsch-dänische Künstler und Kunstprofessor Claus Carstensen die Werke ausgesucht hat, ist bei einer besonderen Museumsführung der deutschen Vereine in Tondern bestens aufgehoben.