Musik

Neujahrskonzerte: „Unterhaltung im besten Sinne”

Jens Uwe Jessen
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Dirigent David Riddel führte mit viel Humor durch einen abwechlungsreichen Abend. Foto: Karin Riggelsen

Das Sønderjyllands Symfoniorkester hat unter der Leitung von David Riddell das neue Jahr begrüßt – mit viel Humor und einer Klatscherziehung.

Mit viermaliger Aufführung seines beliebten Neujahrskonzerts erheiterte ein festlich gestimmtes Sønderjyllands Symfoniorkester in der vergangenen und gegenwärtigen Woche die zahlreichen Besucher in Sonderburg, Kolding, Apenrade und Tondern.

Unter der altbewährten und humorvollen Leitung des mitlerweile fast dazugehörigen Dirigenten David Riddell spielte das Orchester eine bunte Vielfalt musikalischer Willkommensgrüße an das gerade begonnene neue Jahr. Wie gewohnt standen wieder zwei Vokalsolisten, Philippa Cold (Sopran) und Frederik Paevatalu Rolin (Bariton), mit glanzvollen Kostproben aus Oper, Operette und Musical im Mittelpunkt. Schon die neujahrsmäßig ausstaffierte Bühne und die mit bunten Silvesterhüten bekleideten Musiker versetzten das Publikum in eine vergnügliche Erwartung.

Philippa Cold (Sopran) und Frederik Paevatalu Rolin (Bariton) Foto: Karin Riggelsen

Der Spaß begann dann auch prompt, als David Riddel nach Betreten des Podiums seinen ebenfalls urigen Hut lüftete und eine stattliche künstliche Haarlocke auf seinem Kopf zutage trat. Gut aufgelegt eröffneten darauf die Musiker das Programm mit Antonin Dvoráks schwungvoller Karneval-Ouvertüre, op. 92. Mit einer Reihe von Kostproben aus bekannten Opern ging es im ersten Konzertteil weiter. Mit dramatischer stimmlicher Entfaltung und gewaltigen Tonsprüngen ihre Treue beschwörend gestaltete Philippa Cold Fiordiligis Arie ,Come scoglio‘ aus Mozarts Oper Cosi fan tutte vollauf überzeugend. Frederik Paevatalu Rolin ließ sich als Erstes mit Rezitativ und Arie des Grafen aus Mozarts Die Hochzeit des Figaro hören. Herrlich wohltönend klang seine Baritonstimme, und seine schauspielerische Begabung war vom ersten Augenblick an erkennbar.Ausgesprochen gut kleideten die Stimmen der beiden Solisten einander im Duett „Là ci darem la mano“ aus Mozarts Don Giovanni. Im Wechsel zwischen lyrischem und dramatischem Ausdruck ließ die Sopranistin Micaëlas Arie „Je dis que rien ne m’épouvante“ aus Bizets Oper Carmen folgen, und die Begeisterung erreichte einen Höhepunkt, als der nach Aufforderung David Riddels bereits bei seinem Auftritt umjubelte Frederik Rolin das berühmte Torerolied „Votre toast, je peux vous le rendre“, ebenfalls aus Carmen, beendet hatte.

David Riddell hatte beidseitig zu tun. Er dirigierte nicht nur das Orchester, sondern auch das Publikum. Foto: Karin Riggelsen

Der zweite, zunehmend spaßige Konzertteil, bot überwiegend neuere und leichtere Kompositionen. Die beiden Solisten ließen als weitere Darbietungen zwei Stücke aus Arthur Sullivans Operette The Pirates of Penzance folgen. Im Walzertakt sang Philippa Cold „Poor Wand‘ring One“ mit grandiosen Koloraturen, unerwarteten Staccati und strahlender Höhe beim Schlusston. Frederik Rolin, angetan mit Dreispitz und in selbstgefälliger Pose, bot mit dem Lied „I Am the Very Model of a Modern Major General“ eine Parlandonummer von unglaublichem Tempo.Als talentierter Komiker zeigte sich David Riddell in Verbindung mit seiner eigenen Komposition Martial Variations. Hierbei versuchte er sich erfolglos in der Handhabung der Becken, nachdem er bemüht war, sie nach dem „a“ der Oboe zu stimmen. Dann ließ er das Orchester schräge spielen, sodass es klang wie das Radio in einem alten Volvo. Als zuletzt die Notenblätter durch das gesamte Orchester flogen, war der Lacherfolg beim Publikum enorm.

Foto: Karin Riggelsen

Vorm Ende des offiziellen Programms sangen die Vokalisten noch einmal überaus wohlklingend, der Bariton „On the Street Where You Live“, und die Sopranistin „I Could Have Danced All Night“ aus My Fair Lady. Urkomisch ganz zum Schluss noch ihr Duett „Anything You Can Do, I Can Do Better“ aus „Annie Get Your Gun“, bei dem es darum ging, wer lieblicher, lauter, schneller oder höher singen kann.

Bei den Zugaben durfte natürlich der Radetzky-Marsch nicht fehlen. Allerdings war das begleitende Mitklatschen bei den Besuchern nicht ohne Probleme, was den unzufriedenen David Ridell zu einer erheiternden peinlich genauen Klatscherziehung veranlasste. Letztendlich damit zufrieden gab er die Bühne frei für zwei abschließende Zugaben. Zu dem Walzer „Tanzen möcht ich, Jauchzen möcht ich“ aus Kálmáns Csárdásfürstin sangen und tanzten die beiden Solisten miteinander bis es Zeit war für Lumbyes unentbehrlichen Champagne Galop.

Mit fliegenden Korken und Sektverteilung der Solisten an das Publikum endete das Neujahrskonzert 2019 – das wieder einmal das Prädikat „Unterhaltung im besten Sinne“ verdient hat.

Es war ein farbenfroher Abend. Foto: Karin Riggelsen
Mehr lesen