Serie: Die gute Nachricht

Lisa Thietje: Meine schönste Erinnerung an 2023

Lisa Thietje: Meine schönste Erinnerung an 2023

Lisa Thietje: Meine schönste Erinnerung an 2023

Nordschleswig
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Heute achtet Lisa Thietje besser auf sich. Foto: Karin Riggelsen

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In unserer Serie „Meine schönste Erinnerung an 2023" teilen Personen aus der Minderheit die Erlebnisse mit uns, die sie positiv auf das vergangene Jahr blicken lassen. Dieser Beitrag erzählt Lisa Thietjes Geschichte.

Dass etwas mit ihr nicht stimmt, bemerkte ein Bekannter, ein Stress-Coach, der gleichzeitig als Leitungs-Coach die Apenrader Kindergärten betreut, in denen Lisa Thietje als Entwicklungsleiterin arbeitet. Die 36-Jährige aus Asserballe hatte zwar festgestellt, dass irgendetwas nicht ganz so läuft, wie es sollte, dass ihr „die Dinge entglitten“, wie sie es rückblickend benennt. Was aber hinter ihrem Zustand steckte, erkannte der Stress-Coach dann sehr schnell: Stress. Das war im Herbst 2022.

Zunächst die Talfahrt

Auf die Einsicht folgte zunächst eine Talfahrt – Lisa Thietje kam endlich zur Ruhe, hielt inne – und bekam jetzt mit voller Wucht die Konsequenzen ihres Lebensstils zu spüren, in dem sie sich kaum Zeit zum Innehalten gegönnt hatte. Sie habe durchgehend unter Strom gestanden, auch im Privaten. Immer wollte sie für alle da sein und allem gerecht werden. „Ich habe die Klatsche dafür bekommen, dass ich nicht ordentlich auf mich aufgepasst habe“, resümiert sie.

Sie habe vorher nicht gewusst, was Stress bedeuten kann. „Ich bin einfach nur müde gewesen, war fürchterlich schlapp, antriebslos und konnte einfach nichts mehr“, erinnert sich die gebürtige Bad Segebergerin. Dadurch, dass sie sich keine Pausen gönnte, habe sie gar nicht gemerkt, wie schlecht es ihr eigentlich ging. Das kam erst, als sie endlich innehielt. 

„Da herauszukommen, war richtig harte Arbeit.“ Ihr Coach sei ihr eine große Hilfe dabei gewesen, so schnell wieder in die Bahn zu finden, wie sie sagt. Auch auf ihre Familie habe sie zählen können: „Sie war eine wichtige Stütze für mich.“

Schritt für Schritt

Dann kam das Frühjahr 2023, und sowohl Lisa Thietjes Ärztin als auch ihr Stress-Coach waren sich einig: „Du bist genesen.“ Noch konnte Lisa Thietje das selbst jedoch nicht erkennen, und auch der Wiedereinstieg in den Alltag fiel ihr zunächst schwer. Mit der Zeit bemerkte sie dann, wie die Dinge, die ihr in der intensiven Zeit schwergefallen waren, wieder funktionierten – Schritt für Schritt. Unter-Menschen-Sein zum Beispiel. „Ich hatte unter der Krankheit eine regelrechte Angst vor Menschen entwickelt, sodass ich, wenn mir auf dem Gehweg eine Person entgegenkam, ich die Seite gewechselt habe“, berichtet sie. „Und irgendwann ging das dann wieder. Das habe ich aber erst im Nachhinein bemerkt, als ich schon nicht mehr in der Situation war.“ Bis zu diesem Moment habe sie aber viel üben müssen, indem sie sich den für sie schwierigen Situationen stellte und diese dann aushielt.

Heute passt sie besser auf sich auf. „Ich achte darauf, mir nicht zu viel vorzunehmen.“ Insbesondere das Spazierengehen sei ihr ein hilfreiches, schönes Mittel, um zur Ruhe zu kommen.

Ihre Situation öffentlich zu machen, fällt Lisa Thietje schwer. Aber: „Ich finde es wichtig, dass das Thema mehr publiziert wird. Deshalb teile ich meine Geschichte.“  

Heute gehe es ihr „richtig gut“. „Ich habe wieder Spaß an meiner Arbeit, und ja, Spaß am Leben“, erzählt sie mit einem Lächeln in der Stimme.

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