Deutsche Minderheit

Bewusstsein schaffen für mehr Deutsch

Bewusstsein schaffen für mehr Deutsch

Bewusstsein schaffen für mehr Deutsch

Apenrade/Aabenraa
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Die deutschen Kindergärten in Nordschleswig stehen in Sachen Sprachvermittlung vor einer besonderen Herausforderung. Foto: Karin Riggelsen

Wie bringt man Kinder am besten dazu, im Kindergarten Deutsch zu sprechen, wenn sie zu Hause meist nur das Dänische nutzen? Um diese Frage künftig bestmöglich beantworten zu können, arbeitet der DSSV mit dem UC Syd an einem Forschungsprojekt.

Sprache lernen, verstehen und nutzen, das ist gerade im Kindergarten ein wichtiges Thema. In einer Region wie dem deutsch-dänischen Grenzland, wo viele Kinder zweisprachig aufwachsen, ist eine gute frühe Sprachvermittlung umso wichtiger. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV), der für den Betrieb der deutschen Kindergärten verantwortlich ist, gemeinsam mit Camilla Hansen, Leiterin des Instituts für Minderheitenpädagogik am University College Syd (UC Syd), das Forschungsprojekt „Sprachliches Bewusstsein bei Pädagogen und Kindern“ gestartet.

Das Ziel, so erklärt Maike Minor, pädagogische Konsulentin im Kindergartenbereich des DSSV, ist es, dass die Kinder in den Institutionen möglichst viel Deutsch sprechen. Die Herausforderung dabei: Viele Kinder in Nordschleswig, die die deutschen Kindergärten besuchen, sprechen zu Hause oft nur Dänisch. Auch wenn einige vielleicht einen deutschen Elternteil haben und sie die deutsche Sprache teilweise verstehen, nutzen sie im Alltag zu Hause hauptsächlich das Dänische.

Doch wie bringt man diese Kinder nun im Kindergarten dazu, Deutsch zu sprechen?

Durch Zwang beziehungsweise Vorschriften nach dem Motto „Sprich Deutsch!“, wie es zum Teil früher der Fall war, jedenfalls nicht.

Eigenes Bewusstsein schaffen

„Wir wissen aus der Forschung bereits, dass die Sprachvermittlung gegenüber Kindern deutlich besser funktioniert, wenn die Pädagogen, die die Kinder betreuen, sich zunächst selbst ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sie selbst Sprache gelernt haben, wie sie sie nutzen und wann sie welche Sprache gebrauchen“, erklärt Maike Minor.

An diesem Punkt setzt auch das Forschungsprojekt an. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den DSSV-Kindergärten haben dafür an Workshops beim UC Syd teilgenommen. Nach der Schärfung des Bewusstseins für den eigenen Umgang mit der Sprache werden praktische Umsetzungsmöglichkeiten entwickelt, die die Mitarbeiter in ihren Einrichtungen ausprobieren, um sich anschließend gemeinsam mit den Kollegen und den Forschern über ihre Erfahrungen auszutauschen und so herauszufinden, welche Methoden in der Praxis gut funktionieren.

Doch wie sehen diese Methoden genau aus? Welche Ansätze wählt man, um Kindern, deren erste Sprache Dänisch ist, dazu zu ermutigen, im Kindergarten Deutsch zu sprechen?

Spielerische Ansätze

Eine Lösung lautet: spielerisch.

„Eine Möglichkeit ist es, Spiele wie beispielsweise ‚Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser‘ oder ‚Kopf, Schulter, Knie und Fuß‘, die die Kinder vielleicht auch aus dem Dänischen kennen, mit ihnen zu spielen, und sie so einfach dazu zu bringen, die deutsche Sprache zu nutzen. Ein weiterer Ansatz, den wir wählen, ist das sogenannte Sprachsofa. Auf diesem lesen die Pädagogen mit den Kindern ein Buch oder lassen sie zum Beispiel Bilder beschreiben, sodass sie auf spielerische Art und Weise Sprache nutzen“, sagt die pädagogische Konsulentin des DSSV.

Auch können die Pädagogen durch das Schaffen von Routinen, wie sie unter anderem beim Essen, an der Garderobe oder beim Busfahren regelmäßig vorkommen, dafür sorgen, dass die deutsche Sprache sich parallel zur dänischen gut entwickelt.

Was sich ebenfalls als großer Sprachförderer etabliert hat, ist das Benennen der eigenen Tätigkeiten.

Dies ist so simpel wie effektiv, verrät Maike Minor.

Sagen, was ich tue

„Um das Bewusstsein der Kinder für die Sprache zu fördern, hilft es ungemein, wenn die Pädagogen gegenüber den Kindern einfach immer aussprechen, was sie gerade tun. In dem Moment bieten sie den Kindern eine gute Möglichkeit, selbst Deutsch zu sprechen. So erhöht sich auch die Chance, dass bei den Kindern Routinen entstehen, sodass sie das Deutsche nutzen, ohne darüber nachzudenken“, so Minor.

Das Ziel des Forschungsprojektes für den DSSV ist, viele neue Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie bei Kindern das Bewusstsein für Sprache gefördert werden kann und diese Ergebnisse anschließend an alle Mitarbeiter in den deutschen Kindergärten weiterzugeben.

Ein wichtiger Part des Projektes fehlt aufgrund der Corona-Pandemie allerdings noch. Neben den Erfahrungsberichten der teilnehmenden DSSV-Mitarbeiter werden auch die Forscher selbst in den Kindergärten vor Ort sein, um eigene Beobachtungen zu machen. Dies soll geschehen, sobald das Infektionsgeschehen in Dänemark dies wieder zulässt und die Behörden wieder grünes Licht geben.

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