Abwasser

Ungehorsame Bürger sparen Geld

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Tondern/Tønder
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In den vergangenen Jahren wurden lange Abwasserleitungen im ländlichen Raum – auf dem Foto bei Dahler-Osterby – verlegt. Foto: Volker Heesch

Die Kommune Tondern hatte 2017 von Hausbesitzern in Drawitt eine verbesserte Abwasserklärung gefordert – den Vorgaben des Umweltministeriums entsprechend. Doch die Hauseigentümer, die rasch Klärtechnik installieren ließen, dürften sich jetzt ärgern.

Seit Jahren ist die Abwässerklärung für die vielen Häuser und Grundstücke in der Kommune Tondern, die außerhalb von Ortsbereichen liegen, ein heißes Eisen. Rund 600 Grundstücke sollten an das Kanalisationsnetz angeschlossen werden. Bei weiteren, meist abgelegenen Häusern, erhielten die Besitzer die Auflage, zur Reinigung ihrer Hausabwässer individuelle Klärsysteme anzuschaffen. Die Kommune hatte 2017 auch gegenüber 17 Hausbesitzern im Bereich Drawitt bei Lügumkloster eine verbesserte Abwasserklärung angeordnet – entsprechend den Vorgaben des Umweltministeriums. Doch die drei Hauseigentümer, die rasch gehorchten und Klärtechnik für über 50.000 Kronen installieren ließen, dürften sich jetzt ärgern. Die Kommune hat nämlich vom Umweltministerium den Bescheid erhalten, dass man in der Kommune Tondern Gewässerschutzpläne als Konsequenz des von Regierung und DF vereinbarten „Landwirtschaftspaketes“ ändern wolle. Aus diesem Grunde werde die Grundlage für eine Verbesserung der Abwasserreinigung im Bereich Drawitt entfallen, wo bisher Abwässer in den Ellehusgrøft und den Draved Mosegrøft gelangten.

Wenn die Änderung des Gewässerschutzplanes in Kraft tritt, entfällt die Grundlage für die Anordnung zur Verbesserung der Abwassertechnik bei den 14 „ungehorsamen“ Bürgern, die der Aufforderung von 2017 nicht nachgekommen sind.
„Es ist dumm, dass jetzt wahrscheinlich die gehorsamen Bürger finanziell bestraft werden“, so der Vorsitzende des Ausschusses für Technik und Umwelt, Bo Jessen (Venstre), nach der Sitzung des Gremiums, das im Rahmen der Anhörung zu den Änderungen im Gewässerschutzplan keine Einwände anmelden wird. „Wir stehen in dieser Angelegenheit auf der Seite der Bürger, aber wir haben aufgrund der Gesetzeslage keine Möglichkeit, den gehorsamen Bürgern in Drawitt Geld zurückzuerstatten“, so Jessen.

Um weitere Bürger vor im Nachhinein unnötigen Kosten zu bewahren, hat die Verwaltung der Kommune 119 Hausbesitzer, die Abwasserauflagen noch nicht nachgekommen sind, informiert, dass bei ihnen die Pflicht zu verbesserter Abwassertechnik entfallen könnte. Auch durch ein Gerichtsurteil in Roskilde, so Jessen, könnten Bürger auf dem Lande künftig von strengen Auflagen zur Abwasserreinigung entlastet werden. Für den Großteil der Kommune wird es aber keine Lockerungen bei der Pflicht zur Verbesserung der Abwasserklärung samt Kostenbelastung geben. Weitere Gebiete kommen ans Kanalisationsnetz.

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