Erneuerbare Energie

Testwindräder: „Lärmbelästigung wird erschreckend groß sein“

Testwindräder: „Lärmbelästigung wird erschreckend groß sein“

Testwindräder: „Lärmbelästigung wird erschreckend groß sein“

Hoyer/Højer
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Das Wattenmeer ist Nationalpark und UNO-Weltnaturerbe. Foto: Nationalpark Wattenmeer

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Eine Notiz bringt die Alarmglocken bei den Verantwortlichen des Nationalparks Wattenmeer und des Naturschutzbundes zum Läuten. Angeblich soll die Ballumer Marsch der einzige Standort sein, wo die bis zu 450 Meter hohen Windkraftanlagen stehen können.

Der Vorstand des Nationalparks Wattenmeer und der Dänische Naturschutzverband (Danmarks Naturfredningsforening) versuchen mit vereinten Kräften, den Bau eines Testzentrums für bis zu 450 Meter hohe Windräder zu verhindern. Daher haben sie unter anderem die vier Bürgermeister der Wattenmeerkommunen Tondern, Esbjerg, Fanø und Varde zu einem Treffen eingeladen.

Den Verantwortlichen des Nationalparks ist eine Notiz der Zentralverwaltung an Folketingsmitglieder in die Hände gefallen, die die Alarmglocken zum Läuten bringen.

Nur Ballumer Marsch eignet sich

Demnach soll die Ballumer Marsch als einziger Standort als Testzentrum für Windkraftanlagen von immenser Höhe infrage kommen. Ballum und die Tonderner Marsch bei Hoyer sind zwei Möglichkeiten, wo bis zu 450 Meter hohe Prototypen getestet werden könnten.

Alle sechs möglichen Standorte in Dänemark – darunter drei entlang des Nationalparks Wattenmeer – sind untersucht worden. Alle wurden als problematisch eingestuft, weswegen eine Entscheidung vertagt wurde.

Mit Danmarks Naturfredningsforening sind jetzt unter anderem Folketingsmitglieder und Kommunalvertreter am Dienstag zu einem Treffen in Ripen (Ribe) eingeladen. Dort sollen sie darüber informiert werden, dass die vorliegenden Werte für die von den Testwindrädern ausgehende Lärmbelästigung angeblich nicht stichhaltig sind.

Beim Nationalpark geht man davon aus, dass man den von den Testwindmühlen verursachten Lärm in einem weit größeren Radius hören kann. Foto: Nationalpark Wattenmeer

„Obwohl wir keine wissenschaftlich belegten Zahlen haben, schätzen wir den Lärmpegel erheblich größer ein. Er ist abschreckend hoch und wird einen weit größeren Raum betreffen als erwartet“, erklärt der Vorsitzende des Nationalparks, Flemming Just.

In besagter Notiz der Zentralverwaltung soll der von den Windrädern verursachte Lärm im Fall von Ballum bis zu 1,8 Kilometer reichen und damit weniger als 30 Haushalte betreffen. Das reicht nach Ansicht des Nationalparks nicht aus, der eigene Berechnungen angestellt hat.

Doch größere Windkraftanlagen lärmen mehr, und der Wind würde den Lärm weiter tragen als bei kleineren Modellen.

Flemming Just, Vorsitzender des Nationalparks Wattenmeer

Als Vergleichswert wurde Planungsmaterial für einen Offshorepark mit 300 Meter hohen Windrädern vor der Küste bei Hirtshals herangezogen. Dieses Material wurde auf Ballumer Verhältnisse umgerechnet, wo die Windgiganten mit einem Sicherheitsabstand von 500 Metern zu bestehenden Straßen so weit gen Westen und so weit entfernt von Scherrebek (Skærbæk) stehen sollen.

In Hirtshal waren die Anlagen 300 Meter hoch, bei Ballum sind Modelle von einer Höhe von bis zu 450 Metern im Gespräch. „Größere Windkraftanlagen lärmen mehr, und der Wind würde den Lärm weiter tragen als bei kleineren Modellen. Daher wird der erlaubte Lärmpegel in Scherrebek und außerhalb des Ortes mit mehr als 100 Haushalten überschritten“, sagt Flemming Just.

„Ich will aber unterstreichen, dass die von uns erarbeitete Karte rein illustrativen Zwecken dient. Sie ist weder wissenschaftlich noch technisch fundiert“, unterstreicht er.

Das Wattenmeer ist Dänemarks wichtigster Naturraum

„Für uns gibt es viele Argumente, keine riesige Industrieanlage wie ein Testzentrum im wichtigsten Naturraum Dänemarks mit einzigartigen landschaftlichen Werten zu bauen. Falls unsere Lärmberechnungen auch nur halbwegs stimmen, dann müsste die Politik die Pläne aufgeben, ein Testzentrum beim Nationalpark Wattenmeer und dem UNO-Weltnaturerbe zu bauen.“

Für das Treffen in Ripen haben sich mehrere politische Gäste angemeldet. Darunter befindet sich auch Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei), der einen anderen wichtigen Termin abgesagt hat, um in Ripen dabei zu sein.

Weitere Teilnehmende sind: Sebastian Klein, TV-Moderator und Teilnehmer in der Diskussion über Testzentren für Windenergie, das Folketingsmitglied Pernille Vermund (Neue Bürgerliche), die früheren Ministerinnen Eva Kjer Hansen und Ulla Tørnæs (beide Venstre), Bürgermeister Frank Jensen von Fanø, Maria Reumert Gjerding (Danmarks Naturfredningsforening) und eine Bürgergruppe aus Ballum.

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