Deutsche Minderheit

Schulleiterin zum Abschied: „Ihr seid bereit, neue Wege zu gehen“

Schulleiterin zum Abschied: „Ihr seid bereit, neue Wege zu gehen“

Schulleiterin: „Ihr seid bereit, neue Wege zu gehen“

Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Lustige Momente gab es beim Fotoshooting - Abgängerin Josy Klemm mit ihrer Familie. Foto: Monika Thomsen

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Sieben Mädchen können sich nun ehemalige Schülerinnen der Ludwig-Andresen-Schule nennen. Sie wurden von ihrer Klassenlehrerin mit persönlichen Worten und einem Märchen verabschiedet. Für drei Schülerinnen gab es eine besondere Überraschung.

Eine reine Mädchensache war die Abschlussfeier an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern, als die sieben Neuntklässlerinnen verabschiedet wurden.

Auf hohen Absätzen oder flachen Turnschuhen begaben sich die Jugendlichen über den draußen liegenden roten Teppich zum Festakt in die Aula.

Mathilde Bruhn (2. v. l.) mit ihren Eltern Mette und Peter und ihren jüngeren Schwestern Emilia (r.) und Emma Foto: Monika Thomsen

„Ein bedeutender Meilenstein“

„Wir sind hier, um einen bedeutenden Meilenstein in eurem Leben zu feiern. Dieser Tag ist nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch der Übergang zu etwas Neuem“, sagte Schulleiterin Bonnie Rathje-Ottenberg an die Abgängerinnen gerichtet.

 Sie widmete sich in ihrer Rede der Identitätsbildung. „Das ist ein komplexes Puzzle, das von der Familie, Freunden, persönlichen Interessen und dem schulischen Werdegang beeinflusst wird. Wir haben euch Raum gegeben, euch selbst zu entdecken und zu entfalten“, so die Schulleiterin.

Sie ging darauf ein, dass nicht alles eitler Sonnenschein gewesen sei. „Konflikte gehören zum Leben und die haben wir auch mit euch erlebt und bewältigt. Ich finde, ihr habt wichtige Lebenskompetenzen bei uns erworben“, sagte die Schulleiterin.

Helle Hußmann mit ihren Eltern Elke und Fritz Foto: Monika Thomsen

Umwege und neue Erkenntnisse

„Mit der Identität werdet ihr ständig weiterarbeiten. Dafür gibt es kein Rezept. Bleibt in Bewegung und geht auch mal Umwege, wenn es nötig ist, da sie neue Wege und Erkenntnisse bringen können. Ich bin sicher, ihr seid bereit, neue Wege zu gehen“, sagte Bonni Rathje-Ottenberg.

Patenschaftsvertreter Siegfried Puschmann mit der Schulvereinsvorsitzenden Marit Jessen Rüdiger und Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg Foto: Monika Thomsen

Letzter Besuch des Patenschaftsvertreters

Mit Glück als roten Faden in seiner Rede überbrachte Siegfried Puschmann, Patenschaftsvertreter des Kreises Nordfriesland, gute Wünsche.

Es war der letzte Besuch des 1. Stellvertretenden Kreispräsidenten. „Ich bin die letzten zehn Jahre hier gewesen, ich habe aber bei der Kommunalwahl nicht wieder kandiert“, erklärte Puschmann.

„Hier ist es immer so heimelig“ so der frühere Schulleiter zur Atmosphäre der Abschlussfeier.

Junge und erwachsene Mädchen unter sich. Der stellvertretende Schulleiter Christian Kittel fotografiert für die Galerie der Schule. Foto: Monika Thomsen

Ein märchenhafter Abschied

Klassenlehrerin Jette Frisk Hansen war unter die Märchenschreiberinnen gegangen, um sich von den sieben Mädchen zu verabschieden, die nach einer Weile ihr Herz gewonnen hatten.

„Seid auf der Hut vor der großen Welt. Nicht alles ist gut. Ihr werdet in Versuchung kommen. Und sie wurden schon verführt, bevor sie die Schule verlassen hatten – von Tik Tok“, sagte Klassenlehrerin und löste damit großes Lachen aus.

Sie ging auf die Stärken der einzelnen Mädchen ein. Drei von ihnen, Lejla Beka, Mathilde Bruhn und Leni Sophie Steven, haben ihre ganze Schulzeit an der LAS verbracht. Für die Abgängerinnen ergriff Josy Klemm das Wort.

Geschenke für die Lehrkräfte

Die Schülerinnen hatten außerdem Geschenke für ihre Lehrkräfte dabei.
Außer Zeugnisses und rote Rosen gab es für drei Schülerinnen zusätzlich noch eine besondere Überraschung.

Im Namen der Deutschen Selbsthilfe überreichte Ulf Terp ein Stipendium in Höhe von 500 Kronen an Lejla Beka, die sorgfältig, wissbegierig und lernbereit gewesen sei und an ihrer eigenen Entwicklung gearbeitet habe.

Lejla Beka erhielt von Ulf Terp das Stipendium der Selbsthilfe, das erstmals in den fünf deutschen Schulen mit Abgangsklassen überreicht wird. Foto: Monika Thomsen

BDN mit neuer Initiative

Das neu initiierte Legat vom BDN Bezirk Tondern (Bund Deutscher Nordschleswiger) mit 500 Kronen ging für ihr Engagement in der deutschen Minderheit an Helle Hußmann.

Stellvertretend für Bezirksvorsitzende Marie Medow überreicht die Vorsitzende vom BDN Ortsverein 6240, Connie Meyhoff Thaysen, den Umschlag.

Helle Hußmann und ihre frühere Schulleiterin aus Lügumkloster, Connie Meyhoff Thaysen Foto: Monika Thomsen

„Ein sehr lebendiges und soziales Mädchen“

Das Legat vom Förderverein der Ludwig-Andresen-Schule ging an ein „sehr lebendiges und sehr soziales Mädchen, das immer viel auf dem Herzen hatte, und da war, wo was passierte“, so Schulvereinsvorsitzende Marit Jessen Rüdiger.

Empfängerin der mit 500 Kronen dotierten Würdigung war Mathilde Bruhn.

LAS-Vorsitzende Marit Jessen Rüdiger und Mathilde Bruhn Foto: Monika Thomsen

„Ein schöner Rahmen“

Mit der Abschlussfeier ist das LAS-Kapitel für die Eltern von Helle Hußmann abgeschlossen, die die jüngste von den drei Geschwistern ist.

„Jetzt sind sie aus dem Gröbsten raus. Ein tolles Zeugnis und das Legat, das lässt sich nicht mehr toppen. Das ist ein schöner Rahmen für den Abschluss. Als ich aus der 10. Klasse rausging, gab es keine Feier, sondern wir bekamen nur unsere Zeugnisse“, erinnert sich Helles Vater Fritz Hußmann an seinen Schulabschluss in Niedersachsen.

Helle, die nach der 6. Klasse von der deutschen Schule in Lügumkloster an die LAS gewechselt war, zieht es mit ihrem Pferd an die Nachschule in Ladelund.

Hinten v. l.: Mathilde Bruhn, Helle Deetje Hußmann und Klassenlehrerin Jette Frisk Hansen Vorne v. l.:Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg, Lejla Beka, Josy Klemm, Leni Sophie Steven, Fiona-May Hermanns und Anne Sofie Brødsgaard Abild Foto: Monika Thomsen

13 Neue im August

Zu Ausklang gab es leckere Häppchen für die nun ehemaligen Schülerinnen, die im Kreis ihrer Eltern, Geschwister und Großeltern feierten.

Während die sieben Jugendliche ihre Schulzeit hinter sich lassen, beginnt nach den Sommerferien an der LAS für 13 Schulanfängerinnen und Schulanfänger der Ernst des Lebens.

Mehr lesen

Europawahl 2024

Apenrade und der Kreml: Die deutsche Minderheit und die Kommunisten

Kopenhagen Der Kalte Krieg warf dunkle Schatten auf das Leben im Grenzland. Die Hoffnungen, die mit dem „kleinen Frieden“ durch die Bonn-Kopenhagener Minderheitenerklärungen 1955 verbunden waren, konnten die Sehnsucht nach dem großen Frieden nicht ersetzen. Die alarmierende Lage wurde beim Deutschen Tag und der Schuleinweihung in Hoyer deutlich. Dieser Artikel stammt aus einer Archiv-Serie von Siegfried Matlok über das 50-jährige Bestehen der EU.

Leserbericht

Tim Nissen
„So bunt war der Familientag an der Deutschen Schule Tingleff“