Umwelt & Natur

Schnäpelbestand wird neu erfasst

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Tondern/Tønder
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Bereits 2016 waren Schnäpel markiert worden, um deren Wanderung und Verbleib in der Wiedau und in der Nordsee aufzeichnen zu können. Viele markierte Fische wurden von Kormoranen verspeist. Foto: Volker Heesch

Die Umweltbehörde hat ein neues wissenschaftliches Überwachungsprogramm für die vom Aussterben bedrohte Fischart Schnäpel eingeleitet. Doch dem Fisch ist schwer zu helfen, wobei auch eine Vogelart eine gewisse Rolle spielt.

Die staatliche Umweltbehörde Miljøstyrelsen hat ein neues wissenschaftliches Überwachungsprogramm für die vom Aussterben bedrohte Fischart Schnäpel eingeleitet. Dazu sind in der vergangenen Woche in der Wiedau und der Ribe Å 64 Schnäpel per Elektrofischerei gefangen, markiert und wieder freigelassen worden. In dieser Woche geht die Aktion weiter. Im Frühjahr wird erneut gefischt, dann könne man laut Behörde Klarheit bekommen, wie groß der Bestand der hierzulande auch als Nordseeschnäpel bezeichneten Schnäpel aktuell ist.

Vor vier Jahren hatte eine Bestandserhebung ergeben, dass es einen Gesamtbestand von nur noch 3.500 Schnäpeln gibt. 3.000 davon haben die Wiedau und das angrenzende Wattenmeer als ihren Lebensraum, in der Ribe Å sind es 400, der Rest ist in weiteren, in das Wattenmeer mündenden Wasserläufen vorhanden. Vor über 100 Jahren war der Schnäpel ein typischer Bewohner auch der großen Flüsse wie Eider, Elbe, Weser und Rhein. Dort starben die Schnäpel aus.

Nur in der Wiedau überlebte ein Restbestand, der über künstliche Aufzucht von Laich in den Jahren 1992 bis 1994 vergrößert wurde. Auch wurden Jungfische in anderen Auen und Flüssen ausgesetzt, um das Vorkommen zu stabilisieren. Es zeigte sich aber, dass die Vorkommen sich nicht halten konnten, offenbar klappte die natürliche Fortpflanzung nicht. Bei der Bestandserfassung arbeitet die Behörde mit den Sportfischervereinen Vidå im Bereich der Wiedau, dem Varde Sportsfiskerforening, dem Grundsted Sportsfiskerforening und den Anglervereinen im Bereich der Ribe Å zusammen.

Es zeigt sich, dass dem Schnäpel nur schwer geholfen werden kann.

Michael Deacon, Schnäpelfachmann der Umweltbehörde.

„Es zeigt sich, dass dem Schnäpel nur schwer geholfen werden kann. Der Einsatz zu seinen Gunsten hat aber auch vielen anderen Fischen, Insekten und anderen Tieren genützt, ebenso der Pflanzenwelt“, so Michael Deacon, Schnäpelfachmann der Umweltbehörde.

Er spielt dabei auf die kostspielige Beseitigung von Barrieren wie dem alten Mühlenwehr in Tondern an, die lange laichfähige Schnäpel im Spätherbst daran hinderten, zum Laichen aus der Nordsee stromaufwärts zu ziehen. Zum Laichen benötigen die Schnäpel, die vor 100 Jahren in Hoyer beliebte Speisefische waren, sauberes Wasser und Kiesbänke.

Vor allem aber brauchen die Jungschnäpel Brackwasserzonen, in denen sie sich beim Zug ins Wattenmeer langsam von Süß- auf Salzwasser umstellen können. Nicht erwähnt hat die Behörde das Problem, dass viele Schnäpel wahrscheinlich von Kormoranen erbeutet werden.

Schnäpel: Seltene Fischart

Der Nordseeschnäpel gilt als eine der seltensten und vom Aussterben bedrohten Fischarten in der EU.
Nur in der Wiedau hatte die mit den Lachsen verwandte Art überlebt, die in Oberläufen der Wiedauzuflüsse und der Ribe Å laicht und anschließend ins Wattenmeer zurückschwimmt.

Die Larven und Jungtiere des Schnäpels treiben mit dem Wasserstrom zu den Flussmündungen.
Wichtig für das Überleben des Schnäpelnachwuchses sind naturnahe Mündungsbereiche mit Brackwasser.

In den vergangenen 30 Jahren sind in Dänemark 150 Mio. Kronen zur Rettung des Schnäpels verwendet worden, wozu Dänemark laut EU-Vorgaben verpflichtet ist. 60 Mio. Kr. Fördermittel hat die EU beigesteuert.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur