Kommunalpolitik

Neue architektonische Marschroute für den historischen Stadtkern

Neue architektonische Marschroute für den historischen Stadtkern

Neue architektonische Marschroute für den alten Stadtkern

Monika Thomsen
Tondern/Tønder
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Giebelhäuser gehören zu Tonderns DNA. Foto: Tegnestuen Vandkunsten

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Bei der Schaffung von Wohnraum in der Stadtmitte in Tondern will die Politik mit der baulichen Vergangenheit respektvoll umgehen. Es gibt zu viele gewerbliche Räume, die leer stehen. In einer Ideenschmiede wurden Lösungsvorschläge ausgearbeitet.

„Es geht um den Respekt vor dem bestehenden Kulturerbe, das Generationen vor uns geschaffen haben. Das ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir in der Stadt attraktive Wohnungen errichten wollen, um mehr Menschen anzuziehen. Mit dieser Vorlage sichern wir uns eine eindeutige Richtlinie, wie Neubauten ins Stadtbild eingepasst werden können“, sagt der Vorsitzende von Tonderns kommunalem Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung, Thomas Ørting Jørgensen (Borgerlisten).

Das Gremium hat eine Architekturpolitik für den historischen Stadtkern in der Wiedaustadt verabschiedet. „Die Architekturpolitik soll den Bebauungsplan für die Stadtmitte unterstützen. Es handelt sich um einen langen und zähen Schachzug“, so Ørting Jørgensen.

Das Architekturprogramm fußt auf dem 2021 angeschobenen strategischen Entwicklungsprozess für den Stadtkern in Tondern. Der Bebauungsplan für die Stadtmitte konzentriert sich auf das Gebiet innerhalb des Kongevejs.

Der Kongevej kreist die Stadtmitte ein. Foto: Tegnestuen Vandkunsten

Fünf Standorte im Fokus

Der damalige Prozess umfasste fünf Adressen in der Stadtmitte. Für die Standorte wurden Vorschläge ausgearbeitet, wie sie für Neubauten genutzt oder wie in bestehenden Gebäuden andere Funktionen einziehen könnten.

„Wir haben zu viele leer stehende gewerbliche Räume. Mit Einwilligung der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer wurden spielerisch verschiedene Lösungsmodelle mit einem Langhaus oder kleineren Giebelhäusern ausgearbeitet, wie die Gebäude sich entwickeln könnten. Das ist ziemlich spannend“, sagt Ausschussmitglied Harald Christensen (Soz.).

Parallelen zu Hoyer

„Man kann die Arbeit etwas mit dem Einsatz in Hoyer vergleichen. In Tondern geht es um Gebäude, während in Hoyer die Materialien im Vordergrund standen. Hoyer ist unglaublich bezaubernd geworden“, so der Sozialdemokrat, der im zivilen Leben Architekt ist.

Er berichtet, dass Löcher im Straßenbild unbedingt vermieden werden müssten. Eine intakte Häuserzeile, die dem Verlauf der Straße folge, sei wichtig.

„Wir wollen in der Stadtmitte bauliche Fehltritte umgehen. Es gibt mehrere negative Beispiele. Die Architekturpolitik ist auch als Orientierungshilfe für potenzielle Käuferinnen und Käufer von Häusern gedacht, um die Möglichkeiten zu veranschaulichen“, so Christensen.

Harald Christensen betont die Wichtigkeit von intakten Häuserzeilen (Archivfoto). Foto: Andre Thorup/JydskeVestkysten

Respekt vor dem baukulturellen Erbe

„Wir setzen uns für den Erhalt des Kulturerbes ein. Ich halte es für recht wesentlich, dass wir Respekt vor dem haben, was mal gebaut worden ist“, so der Tonderaner.

Er weist auf das Problem hin, dass im Stadtkern Wohnungen fehlen. Bei den bestehenden hapere es mit der Qualität.

„Wenn Menschen aus dem sogenannten Piep-Wohnviertel oder aus dem ländlichen Raum in die Stadtmitte ziehen wollen, fehlt es an Wohnraum von guter Qualität. Persönlich bin ich auch der Meinung, dass wir Möglichkeiten für eine Seniorenwohnanlage haben müssten“, so Harald Christensen.

In diesem Zusammenhang blickt er ein wenig neidisch nach Toftlund und Bredebro, wo solche Projekte im Anmarsch sind. In Toftlund erfolgt Ende des Monats der erste Spatenstich für die Seniorenwohnanlage mit 30 kleinen Reihenhäusern. In Bredebro befindet sich das Projekt in der Planungsphase.

Die roten Gebäude auf dem Bild veranschaulichen die Projekte, für die Ideen ausgearbeitet wurden. Der eine Standort mit dem Seminargebäude ist auf dem Bild nicht drauf. Foto: Tegnestuen Vandkunsten

Tonderns DNA im Blickpunkt

Das Kopenhagener Architekturbüro „Tegnestuen Vandkunsten“ hat sich bei der Ausarbeitung der Vorlage in der von Grün umrahmten Altstadt auch auf die Suche nach Tonderns DNA gemacht.

„Für mich machen rote Ziegelsteine, rotes Ziegeldach, weiße Fenster, Giebelhäuser und kleine intime Innenhöfe Tonderns DNA aus“, sagt Harald Christensen.

Am Donnerstag wird sich der Ökonomieausschuss mit der Architekturpolitik befassen, bevor sie am 25. Januar im Kommunalrat „verarztet“ wird.

 

Ideen wurden entwickelt für:

• den Sitz des Antikladens an der Astronom Hansensgade
• die Möbelhäuser in der Østergade mit dem dahinterliegenden Grundstück an der Vidågade, wo früher die Kaffeerösterei lag
• den geschlossenen Baumarkt in der Nørregade
• das Seminargebäude

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