Lebensretter

„Ich machte nur das, was ich machen musste“

„Ich machte nur das, was ich machen musste“

„Ich machte nur das, was ich machen musste“

Lügumkloster/Løgumkloster
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Blumen für den Lebensretter Allan Skriver aus Lügumkloster Foto: privat

Allan Skriver aus Lügumkloster war am 15. August 2020 in Blåvandshuk. Gemeinsam mit drei anderen Männern griff er resolut ein, als ein Bekannter einen Herzstillstand erlitt. Daher ist das Quartett als Lebensretter des Jahres nominiert.

Ein wenig mitgenommen sei er anfangs doch gewesen, nachdem er einem Menschen nach einem Herzstillstand das Leben gerettet hatte. „Ich habe das Erlebnis gut in meiner Familie und an meinem Arbeitsplatz verarbeiten können“, erzählt Allan Skriver aus Lügumkloster.

Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass der heute auf Fünen wohnhafte Schmiedemeister Jan Dahl Pedersen noch am Leben ist und erst vor Kurzem von Nr. Bjert bei Kolding nach Fünen ziehen konnte. Der Gerettete hat langsam wieder seine Arbeit aufgenommen.

An der Rettungsaktion beteiligten sich auch Kristian Kenneth Jensen, Lasse Gold und Michael Erik Hamann Jensen aus Stoholm, Spjald, beziehungsweise Oksbøl. Nun hat Dahl Pedersen sie als Lebensretter des Jahres vorgeschlagen, die jedes Jahr vom dänischen Herzverein Hjerteforeningen geehrt werden.

Zur Prüfung mit dem Schweißhund

Wie kam es zu dieser Rettungsaktion? Allan Skriver und Jan Dahl Pedersen nahmen am 15. August vergangenen Jahres in Blåvandshuk an einer Prüfung für Schweißhunde teil. Der Lügumklosteraner als Schiedsrichter, Dahl Pedersen mit seinem Hund, mit dem er verletzte Tiere aufspürt.

Über einen gemeinsamen Bekannten kannte man sich. Allan Skriver hat an diesem August-Tag gleich zweimal etwas Gutes getan. „Ich hatte ihm bei seiner Prüfung die Bestnote gegeben“, erzählt er. Nach Abschluss der Prüfung wollte Allan Skriver mit drei Freunden noch ein wenig gemeinsam essen, als jemand entdeckte, dass Jan Dahl Pedersen mit dem Körper vornübergebeugt regungslos im Auto saß, während der Motor lief.

Ich drückte einfach auf die Brust, ohne viel nachzudenken.

Allan Skriver, Lügumkloster

Und dann sei es ganz schnell gegangen, erzählt Allan Skriver. Die vier Männer übernahmen instinktiv lebensrettende Aufgaben. Der Lügumklosteraner zog den regungslosen Mann aus dem Auto. Der Notdienst wurde alarmiert. Skriver gab Herzmassage. „Ich drückte einfach auf die Brust, ohne viel nachzudenken.“ Kenneth Jensen beatmete den Bewusstlosen mit der Mund-zu-Mund-Methode.

Ein Dritter lief in die Schwimmhalle nach einem Defibrillator. Ein junger Bademeister kam sofort gelaufen. „Das Gerät erklärt einem ganz langsam und genau, was zu tun ist. Nebenbei hatten wir die Polizei am Telefon und bekamen gute Ratschläge, was wir machten mussten“, berichtet Allan Skriver.

12 Minuten ohne Herzschlag

Ungefähr zwölf Minuten und nach zwei Schlägen mit dem Defibrillator soll es gedauert haben, bis Jan Dahl Pedersens Herz wieder zu schlagen begann und ein Krankenwagen ankam. Lasse Gold manövrierte den Rettungshubschrauber bei der Landung. Der Patient wurde ins Universitätskrankenhaus in Odense geflogen. Seine Lebensretter informierten seine Familie.

„Dass Jan Dahl Pedersen uns vorgeschlagen hat, ist nett von ihm. Ich stehe mit ihm in Kontakt. Ehrungen und so etwas sind aber nicht mein Ding. Mir ging es darum, ein Menschenleben zu retten, und ich würde es immer wieder tun. Man muss irgendetwas tun, und wir taten es einfach. Falls ich gewinnen sollte, ist es doch fein. Aber keiner im Finale ist ein besserer Lebensretter, denn alle haben Menschenleben gerettet, und das ist das Wichtigste. Nicht der Preis“, meint Allan Skriver nüchtern, der als Hausmeister an der Sportnachschule Sine in Lügumkloster arbeitet. „Wir haben mit Jan verabredet, dass wir uns irgendwann treffen, sobald Corona das zulässt“, erzählt Skriver weiter.

Abstimmung per Internet

Der Hjerteforeningen zeichnet jedes Jahr Menschen aus, die bereit gewesen sind, einem Menschen nach einem Herzstillstand mit Erster Hilfe das Leben zu retten. 47 Kandidaten gibt es für den diesjährigen Preis. Eine Jury hat drei Rettungsaktionen für das Finale bestimmt. Der Sieger wird über eine digitale Abstimmung ermittelt, die vom 22. Februar bis zum 10. März auf der Internetadresse wwwhjerteredder.dk läuft. Dort werden auch der oder die Gewinner bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet am 13. März statt.

  • Jedes Jahr erleiden ungefähr 5.000 Menschen einen Herzstillstand. Dies entspricht etwa 14 Menschen je Tag. Die Überlebenschancen derjenigen, die einen Stillstand des Herzens außerhalb eines Krankenhauses erleiden, liegt heute bei etwa 16 Prozent (Stand von 2019).
  • Wenn keiner Erste Hilfe leistet, ehe der Krankenwagen eintrifft, überlebt nur einer von 17 einen Herzstillstand. Mit Herzmassage überlebt einer von 6. Beim Einsatz eines Schockgeräts ist es fast jeder Zweite. Ein schneller Einsatz ist wichtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einen Herzstillstand überlebt, liegt bei 50 bis 70 Prozent, wenn der Defibrillator innerhalb von drei bis fünf Minuten eingesetzt wird.
  • Die meisten Menschen sterben oder tragen bleibende Schäden davon, wenn ihnen nicht innerhalb von 10 Minuten geholfen wird. Nach etwa 6 Minuten sind Hirnschäden die Folge. Für jede Minute ohne Erste Hilfe sinken die Überlebenschancen um etwa 10 Prozent. Angaben von Hjerteforeningen
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