Tønder Festival 2019

Zwischen Klappstühlen und Dosenbier

Zwischen Klappstühlen und Dosenbier

Zwischen Klappstühlen und Dosenbier

Sebastian Möbius
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Gerd (links) und Hermann (rechts) besuchen das Festival seit 20 Jahren regelmäßig. Foto: Sebastian Möbius

Jedes Jahr zelten Tausende von Menschen beim Tønder-Festival. Einige von ihnen sind das erste Mal am Start, andere kommen schon seit Jahren hierher. Doch eines verbindet sie alle: die Liebe zur Musik.

Zwei ältere Herren sitzen gemütlich auf ihren Klappstühlen und rauchen eine Zigarette. Ihr Alter sieht man ihnen deutlich an, ihr Lächeln dagegen wirkt immer noch jung und frisch. Gerd Reinstrom und Hermann Kelting sind seit 20 Jahren regelmäßig in Tondern beim Festival.

Doch mittlerweile läuft es bei den beiden anders als noch vor zehn Jahren. „Da konnten wir noch trinken und feiern, was das Zeug hält, heute sind wir meistens schon um elf im Wohnwagen und schlafen“, so Hermann. Außerdem freut er sich, dass man jedes Jahr Leute trifft, die auch schon seit Jahren zum Festival kommen. „Das sind ja nicht alles nur Musikfreaks. Da steckt auch noch ein Privatleben dahinter. Da fragt man auch schon mal, wie es Frau und Kindern geht“, sagt Hermann lachend.

Aber auch Organisation steht bei den beiden hoch im Kurs. „Wir haben uns das Programm ausgedruckt und mit Kugelschreiber angekreuzt, wo wir überall dabei sein wollen. Ohne diese Planung würde es bei uns nicht gehen“, so Gerd. Die beiden Elmshorner sind mit ihrer Liebe für Country und Irish-Folk nicht alleine.

Inspiration durch Festival-Musik

Ein paar Wagen weiter sitzt Siegfried Hansen. Er ist auch seit immerhin schon elf Jahren Dauergast in Tondern und freut sich auch dieses Jahr auf die Musiker. „Viele sind einem ja unbekannt, aber das stört mich nicht. Man muss nicht unbedingt die Namen kennen, sondern nur die Musik lieben“, so der Kieler.

Siegfried macht privat selbst mit seiner Frau in einer Band Folkmusik. „Ich bekomme hier jedes Jahr tolle Inspirationen, die ich dann auch in meine eigene Musik einfließen lasse“, sagt Siegfried.

Seine Frau ist am Mittag noch nicht anzutreffen. Sie ist Lehrerin in Kiel und kommt erst gegen Nachmittag. „Morgen früh fährt sie zurück zur Schule und kommt abends wieder hierher zum Festival“, so Siegfried.

Zum Abschluss erzählt Siegfried, dass er es liebt, in Dänemark auf Konzerte zu gehen. „Die Dänen können einfach besser feiern als die Deutschen. Hier ist es viel gemütlicher, das gefällt uns.“

Hochzeit statt Tondern

Gefallen am Festival findet auch Bente Ellebæk. Sie hat sich schon vor 30 Jahren vorgenommen, einmal nach Tondern zum Festival zu kommen. Vor sechs Jahren war es dann so weit. „Mein Mann und ich haben viel zu lange immer nur drüber geredet, wie toll das Festival in Tondern ist, und dann haben wir es auch endlich mal gemacht“, so die Dänin.

Seitdem sind sie regelmäßig hier. Nur nächstes Jahr müssen sie notgedrungen eine Pause einlegen. Bentes beste Freunde heiraten genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Festival stattfindet.

„Ich habe meine Freunde dauernd gefragt, ob sie den Termin nicht ändern können, aber da war nichts zu machen. Ohne uns wollten sie dann doch nicht heiraten, also fahren wir zur Hochzeit und setzen nächstes Jahr aus“, so Bente.

Abschließend lüftet sie ein kleines Geheimnis und outet sich als großer Jacob-Dinesen-Fan. „Der Hauptgrund, warum wir jedes Jahr herkommen, ist Dinesen. Von mir aus könnte er das ganze Wochenende alleine durchspielen“, so Bente lachend.

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