Überfülltes Standesamt

Wegen schärferer Regeln boomt der Heiratsmarkt von Ausländern

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Tondern/Apenrade
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Eheschließungen in Tondern sind beliebt. Es geht schnell und unkompliziert. Foto: DPA

Das Standesamt in Tondern hat bis zum Jahresende keine freien Plätze mehr für Eheschließungen von Ausländern im Kalender. Verschärfte Regeln unter anderem mit doppelt so hohen Kosten sorgen für den Heiratsboom.

Ab 2019 gilt ein verschärftes Gesetz, das Scheinehen verhindern soll, mit denen sich Personen eine EU-Staatsbürgerschaft erschleichen wollen – also eine Heirat mit kriminellem Hintergrund. Vor allem die grenznahe Kommune Tondern erlebt seit dem Gesetzbeschluss einen Hochzeitsboom. Beide Standesämter waren deshalb gezwungen, die Türen für weitere Eheschließungen zu verriegeln.

So gab es auf Ärö in diesem Jahr einen Heiratsrekord. Etwa 5.000 mal wurde dort das Ja-Wort gegeben. Dort hängen viele Arbeitsplätze vom Heiratstourismus ab. Tonderns Bürgermeister Henrik Frandsen (Venstre) erklärt deshalb: „Am meisten bin ich darüber besorgt, was die Situation ab Neujahr für das Wirtschaftsleben bedeutet. Wir haben damit geworben einen `Heiratsstadt´zu sein. Wir sind jedoch darauf vorbereitet, dass weniger Brautpaare zu uns kommen werden.“

Frisöre, Hotels oder auch Blumenhändler haben sich nämlich auf die Hochzeitsgäste aus dem Ausland spezialisiert. Um sie fürchtet der Bürgermeister.

Über 10.000 ausländische Paare gaben sich das Ja-Wort

Ab dem 1. Januar werden die Papiere der Paare von einer zentralen Stelle der Staatsverwaltung in Odense aus kontrolliert. Bisher waren die Kommunen dafür zuständig. Außerdem werden sich die Kosten für die Hochzeit verdoppeln.

Vom zuständigen Kinder- und Sozialministerium gibt es Schätzungen, dass jede zehnte von Ausländern im Land geschlossene Ehe eine sogenannte Proforma-Ehe ist. Allein in diesem Jahr versprachen 10.437 Paare in zehn Kommunen das Ehegelübde. Weitere Heiratshochburgen für Ausländer sind die Insel Ærø und Langeland.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Schöne Zahlen“