Thema der Woche: Zurück aus dem Lockdown

Grenzland: Neue Regeln wahrscheinlich, Zeitpunkt ungewiss

Grenzland: Neue Regeln wahrscheinlich, Zeitpunkt ungewiss

Grenzland: Neue Regeln wahrscheinlich, Zeitpunkt ungewiss

Apenrade/Aabenraa
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Noch ist die Mobilität sehr eingeschränkt, kommt aber wieder mehr Bewegung ins Grenzland, sollten die Kontrollen so durchgeführt werden, dass Staus vermieden werden, wünscht sich die Schleswigsche Partei. Foto: Karin Riggelsen

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Der Kampf gegen das Coronavirus ist noch nicht entschieden, doch mit dem Impffortschritt scheint eine Normalisierung des Lebens möglich und näherzurücken. Das würde auch die Situation an der Grenze ändern. Das Regionskontor, der SSW und die SP hätten da Wünsche.

Was die Zukunft bringt, das kann Peter Hansen, Leiter des Regionskontors in Pattburg (Padborg), nicht sagen. Was er aber weiß, ist, dass sich Grenzlandbewohner und Grenzpendler wohl bald an neue Regeln gewöhnen werden müssen. Und vielleicht auch an neuen Stress. Die Impfungen gegen das Corona-Virus schreiten voran. Die Denkweise, was Geimpfte dürfen und was nicht, scheint in Deutschland und Dänemark unterschiedlich ausgeprägt zu sein. „In Dänemark geht die Diskussion dahin, Geimpften mehr Freiheiten einzuräumen, in Deutschland geht es, wenn überhaupt, um Lockerungen für Geimpfte“, so Hansen.

Es gibt 1.000 Variable. Wir wissen nicht, welche Regeln kommen, wir wissen nur: Es wird anders.

Peter Hansen, Leiter des Regionskontors

1.000 Variable

Das könnte sich auf die Regelgestaltung in beiden Ländern auswirken. Aber Peter Hansen sagt auch: „Es gibt 1.000 Variable. Wir wissen nicht, welche Regeln kommen, wir wissen nur: Es wird anders.“ Und diese Änderungen werden, so seine Vermutung, kurzfristig kommen. Und er gibt zu bedenken: „Alles steht und fällt mit dem Infektionsgeschehen und mit der Zahl der schweren Krankheitsverläufe. Das ist das Maß, an dem sich die Politik messen lassen muss.“ Sollte die Infektionslage es zulassen, wäre es zunächst schon einmal eine Erleichterung, wenn die Testanforderungen der Grenzpendler reduziert würden.

Kommen neue Regeln, wünschen wir uns, dass es einen Vorlauf gibt, dass sich Schleswig-Holstein und Dänemark absprechen, damit es ein Regelwerk aus einem Guss wird.

Per Dittrich, Pressesprecher des SSW

SSW: Kiel und Kopenhagen müssen sich abstimmen

Wie wird man die Grenze kreuzen können? In Deutschland wird, Stand April, die Impfung in das gelbe Impfbuch aus Papier eingetragen, in Dänemark wird sie digital vermerkt. Wie wirkt sich das auf den Grenzverkehr aus? Per Dittrich, Pressesprecher des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), schätzt, dass diese Dokumentationsunterschiede an der Grenze zu keinen großen Problemen führen werden. Das werde sich bei deutschen und dänischen Kontrolleuren schnell einspielen, wie der landestypische Nachweis einer Impfung aussehe, meint Dittrich. Eine Einschätzung, die auch Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei (SP) teilt.

Mit Blick auf den angekündigten digitalen, europaweiten Impfpass werden sich dann weitere Änderungen ergeben. Eine Grundhoffnung des SSW ist laut Dittrich, dass sich Schleswig-Holstein und Dänemark absprechen, sollte es zu Änderungen kommen. „Kommen neue Regeln, wünschen wir uns, dass es einen Vorlauf gibt, dass sich Schleswig-Holstein und Dänemark absprechen, damit es ein Regelwerk aus einem Guss wird.“

Die Lieferung von Astrazeneca-Impfstoff aus Dänemark für Schleswig-Holstein wertet er als gutes Zeichen. Für ihn ist es wichtig, dass Ärger und Frust im Grenzland vermieden werden, es habe bereits „unappetitliche Vorfälle“ südlich der Grenze gegeben. Seinen Worten nach wurden Dänen, die südlich der Grenze arbeiten, verbal angegangen, Grund hierfür sei die Mutmaßung gewesen, dass die britische Virusvariante B117 aus Dänemark nach Flensburg eingeschleppt worden sei. Gegenseitige Schuldzuweisungen je nach Infektionsstand seien bedenklich für das Zusammenleben, so Dittrich.

„Was gilt jetzt eigentlich?“

Ruth Candussi von der SP wünscht sich mit Blick auf Öffnungen und mehr Mobilität im Grenzland, dass Regeländerungen nicht zu vergleichsweise chaotischen Zuständen an der Grenze führen. Eine Absprache zwischen Kiel und Kopenhagen im Vorfeld hält sie daher ebenfalls für absolut sinnvoll. Kilometerlange Staus sollten unbedingt vermieden werden. Und die Regeln sollten so einfach wie möglich gehalten sein. Die Frage: „Was gilt jetzt eigentlich?“, habe sie in der Vergangenheit zu häufig gehört.

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