THEMA DER WOCHE: KÖNIGINBESUCH

Vorfreude auf nette Gespräche

Vorfreude auf nette Gespräche

Vorfreude auf nette Gespräche

Sonderburg/Sønderborg
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Museumsleiter Hauke Grella freut sich auf das Gespräch mit seinen hohen Gästen. Foto: Karin Riggelsen

Am Sonntag werden die dänische Königin und der deutsche Bundespräsident das Deutsche Museum in Sonderburg besuchen. Museumsleiter Hauke Grella spricht von einem Ritterschlag und verspürt mehr Vorfreude als Aufregung.

Einen höheren Besuch kann es im Deutschen Museum in Sonderburg kaum geben, wenn am kommenden Sonntag die dänische Königin Margrethe II. und der deutsche Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, im Zuge des verschobenen 2020-Jubiläums die Räumlichkeiten betreten.

„Aufregung verspürt Museumsleiter Hauke Grella dennoch nicht. „Ich bin allgemein ein sehr ruhiger Typ. Es ist eher Vorfreude als Aufregung. Denn so ein Besuch ist natürlich nichts Alltägliches, trotzdem habe ich natürlich schon viel Routine und tausendfach über die Dinge, die wir hier haben, erzählt. Ich mache im Grunde nur das, was ich immer mache und hoffe, dass ich mit der Königin und dem Bundespräsidenten in einen guten Dialog kommen kann“, sagt Grella, der die vergangenen Wochen bereits eifrig dabei war, alles für den hohen Besuch vorzubereiten.

Der Museumsleiter bringt vor dem Besuch noch einmal alles auf Hochglanz. Foto: Karin Riggelsen

Vor allem der NS-Raum war noch eine Herausforderung. Er ist am Mittwoch erst fertig geworden. Einbrecher stahlen im vergangenen November mehrere Nazi-Uniformen und zerstörten mit dem Raub dieser wichtigen Stücke die Ausstellung.

Da der Tagesplan der Königin und des Bundespräsidenten sehr eng gestrickt ist und die Zeit im Museum damit knapp, hat sich Grella drei Exponate herausgesucht, auf die er beim Rundgang durch das Museum genauer eingehen wird. „Mein Schwerpunkt wird auf Identität liegen. Was bedeutet es, Teil der Minderheit zu sein? Ich freue mich schon, mit meinen Gästen darüber ins Gespräch zu kommen“, so der Museumsleiter.

Mit der Wahlurne von Uberg und Seth beginnt der Museumsleiter seine Führung. Foto: Karin Riggelsen

Alle drei ausgewählten Stücke bilden jeweils einen wichtigen Punkt in der Geschichte der deutschen Minderheit ab. „Ich habe mich zum einen für die Wahlurne der Gemeinden Uberg und Seth entschieden. Sie ist ein guter Aufhänger, um über das Thema Volksabstimmung zu sprechen, durch die die Minderheiten entstanden. Um das Thema Minderheit und den Nationalsozialismus aufzugreifen, werde ich auf die Knochenschnitzereien aus dem Faarhuslager eingehen. Wie sind sie entstanden? Warum saßen die Gefangenen dort ein? Da gibt es viele spannende Geschichten zu erzählen. Und zu guter Letzt habe ich mir die Haderslebener Erklärung herausgesucht. Sie ist das grundlegende Dokument dafür, was die Minderheit heute ist. Sie ist das Fundament für alles. Die muss einfach mit rein“, erzählt Hauke Grella.

Die größte Herausforderung für ihn sei es, den Zeitplan einzuhalten. Er könne so viel erzählen und lange Vorträge halten, doch wichtiger sei es ihm, in einen guten Dialog mit den Gästen zu kommen.

„Ich freue mich auf die Gespräche. Von der Königin ist ja bereits bekannt, dass sie sich mit dem Thema der Minderheit gut auskennt. Ich bin gespannt, was der Bundespräsident alles weiß“, so Grella.

Die Knochenschnitzereien aus dem Faarhuslager geben Anlass, um über die NS-Zeit zu sprechen. Foto: Karin Riggelsen

Bei einem royalen Besuch, sind natürlich auch die Sicherheitsanforderung dementsprechend hoch. Deshalb ist auch bereits frühzeitig die Polizei vor Ort gewesen, um die Räumlichkeiten zu untersuchen. „Da wird natürlich genau überprüft, was ist drin, wo steht was und wie ist der Ablauf der Führung“. Selbst für eine Befragung bei der Polizei musste der Museumsleiter allerdings nicht vorstellig werden „Ich gehe schon davon aus, dass bei so einem Besuch auch meine Person im Hintergrund genau gecheckt wird, aber eine Befragung hat es noch nicht gegeben.“

Die letzten Tage will der Museumsleiter dafür nutzen, alles noch einmal auf Hochglanz zu bringen und seinen Anzug bereitzulegen.

„Dieser Besuch ist etwas ganz Spezielles. Die Symbolik ist enorm. Es ist wie ein Ritterschlag. Solche Gäste einmal empfangen zu haben, das können nur wenige Museen von sich sagen. Daher soll der Eindruck natürlich bestmöglich sein, sagt Hauke Grella.

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