Schulpolitik

Sonderburg will keine nationalen Schul-Tests mehr

Sonderburg will keine nationalen Schul-Tests mehr

Sonderburg will keine nationalen Schul-Tests mehr

Sonderburg/Sønderborg
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Im Sonderburger Stadtratssaal ist am Montagabend der Haushalt verabschiedet worden. Foto: Sara Wasmund

Die Sonderburger Kommune wird das Unterrichtsministerium darum bitten, von den sogenannten „Nationalen Tests“ für Volksschulen befreit zu werden. Um diese Entscheidung – und darum, wie der Antrag gestellt wurde – gab es eine lange Diskussion im Stadtrat.

Die nationalen Tests in den Volksschulen sind kontraproduktiv und sollten in der Sonderburger Kommune schnellstmöglich ausgesetzt werden – diesen Antrag stellten am Mittwochabend Stadtratspolitiker der Sozialdemokraten und der „Fælleslisten“ im Stadtrat.

Einst eingeführt, um eine verbesserte Evaluierungskultur in den Volksschulen zu fördern, stehen die Test seit Längerem in der Kritik. Verfälschende Bewertungskriterien und ein veralteter Schwierigkeitsgrad, falsch gelegte Schwerpunkte – die Liste der Kritik ist lang. Daher, so Antragsteller Jesper Smaling von den Sozialdemokraten, sollte man sich so schnell wie irgendwie möglich von den nationalen Tests befreien lassen.

„Wir bitten das Unterrichtsministerium, die Volksschulen der Sonderburger Kommune von nationalen Tests zu befreien, während man auf die Klärung der Frage wartet, inwieweit die Tests fortbestehen sollen und in welcher Form.“ Der Hintergrund: Die nationalen Tests befinden sich derzeit in einem eigenen Evaluierungsprozess und werden überarbeitet.

Gegenargument: Evaluierung abwarten

Genau hier setzten die Kritiker des Antrags an, unter anderem Claus Klaris (Venstre): „Die Tests sind ein Werkzeug für Schulleiter und Lehrer und sollten beibehalten werden. Sie werden derzeit evaluiert und überarbeitet, das Ergebnis soll im Herbst vorgelegt werden. Wir sollten auf das Ergebnis warten!“

Auch Stefan Lydal (DF) sprach sich dafür aus, „das Ergebnis der Evaluierung abzuwarten“. Es gebe überhaupt keinen Grund, etwas zu übereilen. „Und wir kennen die Sachbearbeitungszeiten im Ministerium, so schnell wird es mit der Befreiung nicht gehen. Und bis dahin liegen die Ergebnisse der Evaluierung sicher schon vor.“

Aase Nyegaard von der Partei Fælleslisten war zwar prinzipiell für den Antrag, beschwerte sich aber über die Vorgehensweise der Politiker aus dem Kinder- und Ausbildungsausschuss. „Warum wurde dieser Antrag nicht zunächst im Ausschuss besprochen und diskutiert? Das müsste meiner Meinung nach an den Ausschuss zurück, dort diskutiert werden und dann als Vorlage in den Stadtrat zurück.“

Das fand auch Peter Hansen (Venstre), der einen entsprechenden Antrag stellte, den Antrag zurück in den Ausschuss zu schicken.

Ich schaffe außerdem prinzipiell nicht Dinge ab, bevor ich weiß, was danach kommt, und wann.

Gerhard Bertelsen, Stadtratspolitiker (SP)

Auch Gerhard Bertelsen von der Schleswigschen Partei vermisste eine vorhergehende, ausführliche Diskussion im zuständigen Ausschuss. „Ich habe meine Zweifel. Ich fühle mich nicht bestmöglich informiert. Ich schaffe außerdem prinzipiell nicht Dinge ab, bevor ich weiß, was danach kommt, und wann.“

In der Schleswigschen Partei gingen die Meinungen zum Antrag auseinander. Stephan Kleinschmidt (SP) verwies darauf, dass seine Fraktionsmitglieder alle nach eigener Überzeugung abstimmen sollten. „Wir erkennen die Ambitionen hinter den nationalen Tests an, die darauf abzielen, die Evaluierungskultur in den Volksschulen zu verbessern, das ist entscheidend dafür, dass Kinder lernen und sich entwickeln.“

„Ganz und gar richtig, die Tests zu hinterfragen“

Da es jedoch erhebliche Zweifel an den bestehenden Tests gebe, so Kleinschmidt, sei es ganz und gar richtig, die Tests zu hinterfragen und zu überarbeiten. „Mehrere Kommunen haben bereits den Wunsch geäußert, über den Versuch Freikommune von den Tests befreit zu werden. In der Schleswigschen Partei wünschen wir ebenfalls mehr Freiheiten darin, neue und effektivere Handlungsweisen auszuprobieren. Das soll in Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Schulleitern, Lehrern, Schulleitungen und Schülern vor sich gehen.“

Die SP machte daher den Änderungsvorschlag, dass der Kinder- und Ausbildungsausschuss die lokale Evaluierungskultur in breiter Zusammenarbeit mit Verwaltung und Schulen in den Volksschulen weiterentwickelt. Mit dem Ziel, die nationalen Test zu ersetzen. Währenddessen solle man die Entscheidung abwarten, in welcher Form die nationalen Tests weiterbestehen.

Am Ende stimmten 18 Politiker für den Änderungsvorschlag, das Ministerium um eine Befreiung zu bitten, auch zwei Politiker der SP schlossen sich dem Vorschlag an. 13 Stadtratspolitiker stimmten gegen den Antrag.

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