Pilotprojekt

Schule ohne Stundenplan

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Sonderburg/Sønderborg  
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Foto: Scanpix

Die Sønderskov-Schule in Sonderburg hat ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Schüler keinen festen Stundenplan haben. Stattdessen wir fächerübergreifend gearbeitet. Forscher haben Zweifel und sehen gewisse Probleme.

Die Sønderskov-Skole im Herzen Sonderburgs hat als erste Schule Dänemarks einen Versuch gestartet, bei dem die Schüler nicht in traditionellen Fächern unterrichtet werden.Vielmehr wird der Unterricht nach dem sogenannten „Leaps-Modell“ durchgeführt. Dabei arbeiten die Schüler an fächerübergreifenden Projekten und müssen dabei verschiedene Aufgaben mit wirklichem aktuellen Bezug lösen, berichtet die Zeitung Jyllands-Posten. Mathematik, Dänisch oder Gemeinschaftskunde, um einige Beispiele zu nennen, fallen als eigenständige Fächer weg.

Schulforscher Andreas Rasch-Christensen zeigt sich positiv gegenüber dem Versuch, warnt jedoch, dass leistungsschwache Schüler dabei verloren gehen können.

Projekt aus den USA

Leaps steht für Lernen und Engagement durch authentische Projekte mit Fokus auf Wissenschaft (Læring og Engagement gennem autentiske projekter med fokus på scence) und stammt ursprünglich aus den USA, wo schon viele Schulen nach diesem Modell arbeiten.

„Das Wissen wird aus Büchern übernommen und mit der Realität in Verbindung gebracht“, verdeutlicht Schulleiter Rasmus Andreassen das bisher in Dänemark einmalige Schulvorhaben. Die grundsätzliche Idee hinter Leaps ist, dass die Schüler mit authentischen Projekten arbeiten. Das soll die Motivation steigern. „Ich habe viele Schüler erlebt, die Schule langweilig finden. Ich glaube, mit dem Projekt etwas gegen die Schulmüdigkeit tun zu können“, sagte der Sønderskov-Direktor.

Um das zu unterstützen werden Fachleute, wie zum Beispiel Danfoss-Ingenieure, die Schülerprojekte begleiten. „Die Aufgaben sollen nicht einfach nur dem Lehrer gezeigt werden, sondern haben ein reales Ziel und schließen mit einem sichtbaren Ergebnis“, erklärt Andreassen gegenüber der Zeitung die Intention.

Zusammenhänge stehen im Fokus

Im Fokus stehen dann nicht mehr die einzelnen Fächer, sondern das Lernen in großen Zusammenhängen.

Das sieht Schulforscher Andreas Rasch-Christensen allerdings als problematisch. Er sieht die Stärke der Volksschule gerade beim Unterricht in Fächern, bei denen jedes Fach eine eigene Methodik habe, wie er sagte. Außerdem sieht er die lernschwachen Schüler gefährdet.

Kritik

„Eine solche Unterrichtsform und -organisation unterstützt die ressourcenstarken Schüler. Diejenigen jedoch, die feste Rahmenbedingungen durch Fächer und Stundenpläne brauchen, können unter solchen Lernbedingungen Probleme bekommen. Sie drüfen nicht vergessen werden, denn der Auftrag der Inklusion ist den Schulen mit einem solchen Projekt nicht abgenommen“, erklärte er seine Bedenken gegenüber dem Projekt, das er grundsätzlich jedoch befürwortet und gespannt ist auf das Ergebnis.

Den Start mit Leaps machen die Klassen 1, 4 und 7, die jeweils dreizügig sind und zusammen 212 Schüler haben. Finanziert wird das Projekt bis 2022 mit insgesamt 32,6 Millionen Kronen von einer Reihe von Fonds. An vier dänischen Schulen soll der Projektversuch durchgeführt werden.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine neue Laufbahn“