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Prinzessin Benedikte ehrt „Kindervater“ I. P. Nielsen

Prinzessin Benedikte ehrt „Kindervater“ I. P. Nielsen

Prinzessin Benedikte ehrt „Kindervater“ I. P. Nielsen

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Broacker/Broager
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Bei der Enthüllung der Büste in Broacker: Prinzessin Benedikte neben Alt-Bürgermeister Bendt Olesen Foto: Karin Riggelsen

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Die Schwester der Königin hat eine Büste im Stadtpark von Broacker enthüllt. Der ehemalige Minister Frode Sørensen nannte den Mann hinter der Skulptur einen der ganz Großen.

Unter beachtlicher Anteilnahme der Bevölkerung hat Prinzessin Benedikte aus Berleburg im Stadtpark von Broacker eine Büste des legendären sozialdemokratischen Politikers I. P. Nielsen, Dynt, enthüllt, die die aus dem Raume Broacker stammende Künstlerin Vibeke Fonnesberg als Bronze-Skulptur geschaffen hat.

Der frühere sozialdemokratische Minister Frode Sørensen aus Sonderburg (Sønderborg), gemeinsam mit Gravensteins (Gråsten) Ex-Bürgermeister Bendt Olesen Initiator der Sammlung, bezeichnete den vor 150 Jahren geborenen I.P. Nielsen „als eine der Personen mit der größten Bedeutung für Nordschleswig“.

I. P. Nielsens Freundschaft mit Königin Ingrid

Prinzessin Benedikte hob in ihrer kurzen Ansprache die persönliche Beziehung von I. P. Nielsen zu ihrer Mutter, Königin Ingrid, hervor. Sie erinnerte sich an ihre Kindes- und Jugendzeit, in der der Name I. P. Nielsen in der Familie oft gefallen sei. Nielsen habe ihrer Mutter „Sønderjylland“ beigebracht, wodurch „Königin Ingrid letztlich ihr Herz an Nordschleswig verloren habe“.

Zwischen I. P. Nielsen und ihrer Mutter habe „eine enge und warme Freundschaft“ bestanden, und deshalb sei es ihr, Benedikte, auch eine persönliche Freude, die Büste von I. P. Nielsen zu enthüllen.

 

Royaler Haarschmuck: Blumenmädchen Merida von der Förde-Schule überreichte Prinzessin Benedikte einen Blumenstrauß. Die Prinzessin nahm einen abgefallenen Blütenkopf und steckte ihn der Schülerin ins Haar. Foto: Karin Riggelsen
Ex-Minister Frode Sørensen hielt eine Rede und erinnerte an I. P. Nielsen als großen Mann Nordschleswigs. Foto: Karin Riggelsen

Frode Sørensen verwies auf die politisch-historische Leistung von Jens Peter Nielsen, nur stets I. P. genannt. Als die Sozialdemokratie 1920 nach der Volksabstimmung einen wichtigen Mann für „Sønderjylland“ finden sollte, hatte der damalige Parteivorsitzende Thorvald Stauning den Nordschleswigerinnen und Nordschleswigern im Snapsting des Folketings drei Kandidaten zur Auswahl angeboten.

Der örtliche Parteivorsitzende Chr. Møller antwortete, man kenne doch keinen von ihnen, doch Stauning habe darauf geantwortet: „Dann nimmt den kleinen Bäckergesellen aus Seeland, das ist ein guter Mann.“ Das bewies er, als von 1920 bis 1943 dem Folketing für den Wahlkreis Sonderburg angehörte.

Als Kindervater Brückenbauer auf beiden Seiten

I. P. habe sich als Brückenbauer verdient gemacht – und zwar auf beiden Seiten, wie Frode Sørensen betonte. Von 1917 bis 1924 holte er insgesamt 34.000 notleidende deutsche Kinder zur Erholung nach Nordschleswig, was ihm auf deutscher Seite voller Anerkennung den Beinamen „Der Kindervater“ einbrachte.

Nielsens Liebe und Fürsorge galt stets den Kindern. Von ihm stammt das Zitat: „Die Großen können darum kämpfen, wer von ihnen die Verantwortung für Unfrieden und Kriege tragen soll. Eines ist jedoch sicher: die Kinder haben keine Schuld.“

Die Büste erinnert mit einer Inschrift daran, dass I. P. Nielsen Kindern in Not geholfen hat – ungeachtet deren Nationalität. Foto: Karin Riggelsen
Bürgermeister Erik Lauritzen neben Prinzessin Benedikte, umringt von singenden Kindern der Förde-Schule Foto: Karin Riggelsen

Für die dänische Arbeit in Nordschleswig war mit ausschlagebend, dass das damalige Kronprinzenpaar Frederik und Ingrid 1936 das Gravensteiner Schloss übernommen hatten, wo I. P. Nielsen bei einem Empfang Königinmutter Ingrid kennen und schätzen lernte. Gemeinsam gründeten sie den „Sønderjydsk Hjælpefond“, der jährlich Kleidung an bedrängte Familien stiftete.

Außerdem wurden durch diese Zusammenarbeit zwei Ferienheime errichtet, unter anderem „Kronprinsesses Ingrids Feriehjem“, das insgesamt 35 Jahre lang eine segensreiche Tätigkeit ausübte. Der Einsatz von I. P. Nielsen trägt noch heute Früchte. Der „Sønderjydsk Hjælpefond“ – auch von ihm gegründet – verteilt jährlich in Erinnerung an Kronprinzessin Ingrid rund 400.000 Kronen an junge Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger. „Ja, wir sind stolz auf dich“, rief Frode Sørensen unter Beifall an die Adresse und an die Nachfahren des 1952 verstorbenen I. P. Nielsen.

Künstlerin: Kein Nationalist, sondern Weltbürger

Die Künstlerin Vibeke Fonnesberg hatte kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen müssen, aber in ihrer vorgelesenen Rede machte sie darauf aufmerksam, „dass der kleine Mann in Wirklichkeit ein großer Mann, ein großer Humanist gewesen ist“.

Die Büste ist von Künstlerin Vibeke Fonnesberg geschaffen worden. Foto: Karin Riggelsen
Ein Kinderchor sang für das Publikum. Foto: Karin Riggelsen

Er setzte sich stets für die Belange des „kleinen Mannes“ ein und war kein Nationalist, sondern Weltbürger, wenn es um Kinder ging, wobei er auch keinen Unterschied zwischen dänischen und deutschen Kindern gemacht hat. Sie habe deshalb auch ein Motiv mit frohen Kindergesichtern für die Büste gewählt, so Vibeke Fonnesberg an die „lieben Brouringer“

Lauritzen: Der Frieden kam nicht über Nacht

Sonderburgs sozialdemokratischer Bürgermeister Erik Lauritzen freute sich über diese neue Attraktion für den Ort Broacker und erinnerte in dem Zusammenhang an den verstorbenen Broacker-Bürgermeister Jørn Lehmann Petersen.

Lauritzen unterstrich, der Frieden im Grenzland sei nicht von heute auf morgen gekommen, wie manchmal irrtümlich behauptet werde, sondern es habe großer Anstrengungen bedurft, um diese Entwicklung zu ermöglichen. Einen großen Anteil daran hatte I. P. Nielsen, würdigte der Bürgermeister.

Der sozialdemokratische Politiker Benny Engelbrecht hatte ein eigenes Lied zu I. P. Nielsen komponiert, das er im Stadtpark vortrug. Foto: Karin Riggelsen
Viele Bürgerinnen und Bürger aus Broacker und Umgebung waren in den Stadtpark gekommen, um der Zeremonie beizuwohnen und der Musik zuzuhören. Foto: Karin Riggelsen

Der sozialdemokratische Folketingsabgeordnete aus Sonderburg, Benny Engelbrecht, erinnerte an den damals schwierigen Lebensweg von I. P. Nielsen – unter anderem daran, dass sowohl I. P. Nielsen als auch dessen Sohn vorübergehend von den Nazis verhaftet worden seien.

Engelbrecht singt eigenes Lied für den Kindervater

Der Ex-Minister überbrachte seinen Dank auf eine für einen Politiker ungewöhnliche Art: Er hatte ein Lied für I. P. Nielsen geschrieben und komponiert, das er auf Gitarre vortrug. Mit dem Text: Sie nannten ihn den Kindervater.

Abschließend sprach Anders Carstensen, ein Enkel von I. P. Nielsen, in dessen Familien-Besitz sich „Hytten“ befindet, jenes Haus, das I. P. Nielsen schon 1924 in Dynt erworben hatte und in dem auch die Königlichen oft zu Gast waren.

„Broagerlands Lokalarkiv“ eröffnet ab Dienstag eine Ausstellung zu Ehren von I.P. Nielsen, die im „Broagerhus“, Thomas Jensens Vej 3, zu sehen ist.

Im Broagerhus ist aus aktuellem Anlass eine Ausstellung über I. P. Nielsen zu sehen. Erste Besucherin war Prinzessin Benedikte. Foto: Karin Riggelsen
Bürgermeister Erik Lauritzen im Gespräch mit Prinzessin Benedikte Foto: Karin Riggelsen
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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Der deutsche Kaiser“